Mainz 05-Legende Steffen Herzberger: „Ich hätte große Lust, Trainer zu werden“

Steffen Herzberger stand insgesamt neun Jahre bei Mainz 05 unter Vertrag. Er erlebte Wolfgang Frank als Trainer, spielte mit Jürgen Klopp zusammen und wäre 1997 beinahe mit Mainz 05 in die Bundesliga aufgestiegen.

Mainz 05-Legende Steffen Herzberger: „Ich hätte große Lust, Trainer zu werden“

Von 1990 bis 1993 und von 1996 bis 2001 hat Steffen Herzberger für den FSV Mainz 05 gespielt. Noch heute wohnt der in Bad Dürkheim geborene Herzberger in Mainz, wo er für die Altherrenmannschaft des TV 1817 Mainz aufläuft und in mehreren Traditionsmannschaften spielt. Im Merkurist-Interview erzählt Herzberger, wie er die Entwicklung von Mainz 05 beurteilt, was er nach seiner aktiven Karriere macht und warum Wolfgang Frank ein wichtiger Trainer für den FSV war.

Steffen Herzberger, 1990 sind Sie aus Pirmasens zum FSV Mainz 05 gewechselt. Wer war denn Ihr erster Trainer am Bruchweg? Das war Robert Jung. Zu dieser Zeit wohnten wir beide noch in Pirmasens. In meiner Anfangszeit bin ich noch mit ihm zusammen zum Training nach Mainz gefahren, aber als ich dann eine Wohnung in Mainz gefunden hatte, war das nicht mehr nötig.

Was war für Sie DAS Highlight Ihrer Zeit in Mainz? Es gab viele fantastische Spiele. Aber ich erinnere mich an ein Spiel in Darmstadt, in dem wir am letzten Spieltag den Klassenerhalt in der zweiten Liga feiern konnten. Die Darmstädter und wir mussten Remis spielen, um nicht abzusteigen. Die letzten 20 Minuten sind beide Mannschaften nur noch in ihrer Spielhälfte geblieben, trotzdem war das sehr emotional. Wir haben damals oft gegen den Abstieg gespielt und das ging nur über Leidenschaft. Ich glaube fast, dass die Zuschauer heute nicht mehr solch eine Leidenschaft sehen, da die wenigsten Spieler im Profifußball noch bei einem Verein spielen, aus dessen Region sie stammen.

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Sie haben einige Trainer am Bruchweg erlebt, welcher hat Sie am meisten geprägt? Robert Jung hat mich damals nach Mainz geholt und war der bestmögliche Trainer für uns. Er hat uns motivieren können und trotzdem die Taktik nicht vernachlässigt. Im Grunde ist es doch so: Als Spieler kann man von jedem Trainer etwas lernen. Wolfgang Frank hatte ebenfalls großen Einfluss auf mich.

Und wie haben Sie Wolfgang Frank erlebt? Schließlich haben Christian Heidel und Jürgen Klopp immer betont, wie wichtig er für den Verein gewesen ist. Wolfgang Frank hat gerade im taktischen Bereich vieles geändert. So hat er zum Beispiel die Viererkette bei uns eingeführt, was zu dieser Zeit kein gängiges System in Deutschland war. Ich habe sehr viel Taktisches von ihm gelernt. Frank hat uns Spieler, den Verein und die gesamte Stadt nachhaltig geprägt.

Viele ehemalige Weggefährten Franks erzählen, Wolfgang Frank sei nicht immer ein einfacher Mensch gewesen. Er hat eben viel von seinen Spielern, den Verantwortlichen und sich selbst gefordert. Aber Christian Heidel hätte ihn nicht zwei Mal als Trainer verpflichtet, wenn Wolfgang nicht so gut für Mainz gewesen wäre.

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Wie oft trifft man Sie denn noch in der Opel Arena an? Eher selten. Die Arena ist natürlich schön und modern, aber aus meiner Sicht ist der Standpunkt nicht gut gewählt worden. Die Infrastruktur der Arena finde ich ausbaufähig. Es wäre schön gewesen, wenn man an der Stelle des Bruchwegstadions die neue Arena errichtet hätte, aber das schien nun mal nicht zu gehen. Trotzdem: Für mich hängt es mit dem Standort zusammen, dass die Opel Arena nicht so häufig ausverkauft ist.

Viele Ihrer damaligen Mitspieler sind auch heute noch dem Fußball verbunden. Erzählen Sie doch mal, mit wem Sie so auf dem Platz gestanden sind. Zum Beispiel mit Stephan Kuhnert, der heute Torwarttrainer bei Mainz 05 ist. Jürgen Klopp, zu ihm muss ich wohl nicht so viel sagen, er dürfte noch bekannt sein (lacht). Dann wäre da noch David Wagner, der mittlerweile auch in England Trainer ist. Und dann habe ich auch noch mit Thomas Tuchel gespielt, damals, als ich bei den Stuttgarter Kickers unter Vertrag stand.

So viele Kollegen sind später Trainer geworden. Warum haben Sie diesen Weg nicht auch eingeschlagen? Nach meiner Karriere als Fußballer bin ich dem Sport immer treu geblieben. Bis ich 40 Jahre alt war, habe ich noch in unteren Ligen weitergespielt und in den letzten drei Jahren sogar als Spieler-Trainer gearbeitet. Außerdem trainiere ich in den Fußballschulen von Uwe Bein und Frank Mill als Jugendtrainer und bin Teil der Traditionsmannschaften des 1. FC Köln und von Uwe Seeler. Ich hätte derzeit große Lust, Trainer einer Fußballmannschaft im Raum Mainz zu werden und besitze auch den A-Trainer-Schein.

Was haben Sie nach der Karriere beruflich gemacht? Ich war zunächst mit zwei Boutiquen in Mainz selbstständig. Aktuell bin ich auf Jobsuche und würde gerne wieder vertrieblich arbeiten.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Mainz 05? Sportlich ist der Verein sehr gut aufgestellt. Mainz 05 hat sich mittlerweile in der 1. Bundesliga etabliert. Man hat richtigerweise viel in die Jugendabteilung investiert und Spieler wie André Schürrle in die Bundesliga gebracht. Außerdem versuchen die Verantwortlichen, viele Spieler aus der Region im Verein zu haben. Dafür ist Schürrle, der aus Ludwigshafen stammt, das beste Beispiel. Mainz 05 hat vielen Vereinen den Rang als beste Jugend-Schmiede im Südwesten abgelaufen, und das ist für einen Verein wie Mainz 05 das Wichtigste. Sie bilden die Spieler selbst aus und können sie später für gewaltige Transfererlöse abgeben.

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Und Trainer werden ja bei den Mainzern auch noch gleich mit ausgebildet, oder? So ist es. Bei Jürgen Klopp war zu Beginn auch ein bisschen Glück dabei. Dass Klopp sich gut artikulieren konnte und die Fähigkeit besaß, Menschen mitreißen zu können, das wussten bei Mainz 05 alle. Aber dass es dann so gut läuft, konnte man nicht erahnen. Christian Heidel hat einen Instinkt für gute Trainer: Klopp, Tuchel und Martin Schmidt sprechen für sich. Mainz 05 braucht immer einen Trainer, der den Verein lebt. Ich bin gespannt, wie sich der Verein ohne Christian Heidel entwickelt, denn er hatte eine sehr wichtige Rolle im Klub.

Vielen Dank für das Gespräch, Steffen Herzberger!

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