Sensationsfund in Mainz präsentiert

„Ich würde vermuten, dass wir heute beginnen müssen, die Geschichte der Menschheit umzuschreiben.“ So kommentierte OB Ebling einen Sensationsfund im Naturhistorischen Museum in Mainz bei seiner Präsentation. Ausgestellt ist er noch bis Sonntag.

Sensationsfund in Mainz präsentiert

Wissenschaftler Herbert Lutz hat am Mittwochabend im Naturhistorischen Museum Mainz gemeinsam mit seinem Team einen Sensationsfund vorgestellt: Zu sehen gab es zwei rund 9,7 Millionen Jahre alte Zähne einer Menschenaffen-Art. Sie wurden im September 2016 bei einer Grabung am Ur-Rhein in Eppelsheim gefunden und stellen die Forschung nun vor neue Rätsel.

Spezies schwer zuzuordnen

Bei dem Fund handelt es sich um die Kronen eines rechten oberen Backenzahns und eines linken oberen Eckzahns, erklärte Lutz, Leiter der Abteilung Wissenschaft und Sammlungen und Projektleiter der Forschungsarbeit in Eppelsheim, während der Präsentation. „Die Zähne wurden dabei nur 60 Zentimeter voneinander entfernt gefunden“. Die zeitliche Eingrenzung war durch einen dritten Fund in der gleichen Sandschicht möglich, da dieses Fossil einer Spezies zugeordnet werden konnte, die erstmals vor 11,1 Millionen Jahre aufgetreten ist.

Jünger als 9,7 Millionen Jahre könnten die Fossilien aber nicht sein, da eine Eiszeit damals alle Säugetiere aus der Region vertrieben habe. Das Rätsel, was die Forscher allerdings mehr als ein Jahr von einer Veröffentlichung abgehalten habe, sei die Zuordnung der Spezies gewesen.

Rätsel für die Wissenschaftler

„Ich will es nicht überdramatisieren, aber ich würde vermuten, dass wir heute beginnen müssen, die Geschichte der Menschheit umzuschreiben“ - OB Ebling

„Es handelt sich eindeutig um Menschenaffen-Zähne“, sagte Lutz am Mittwochabend. „Nur Ort und Zeit für die Spezies passen nicht.“ Denn ihre Merkmale ähneln stark afrikanischen Funden, die vier bis fünf Millionen Jahre jünger sind, als die in Eppelsheim ausgegrabenen Fossilien. „Es handelt sich hier um einen wahnsinnigen Glückstreffer, aber eben auch um ein großes Rätsel“, so Lutz. Um diesem auf die Spur zu kommen, sollen nun Spezialisten die Zähne weiter untersuchen.

Oberbürgermeister Michael Ebling, der neben Kulturdezernentin Marianne Grosse und dem Kulturminister des Landes Rheinland-Pfalz, Konrad Wolf, ebenfalls anwesend war, sagte: „Ich will es nicht überdramatisieren, aber ich würde vermuten, dass wir heute beginnen müssen, die Geschichte der Menschheit umzuschreiben.“

Bis Sonntag befinden sich die Zähne noch im Naturhistorischen Museum zur Ausstellung. Wie lange die nachfolgenden Untersuchungen dauern werden, ist noch unklar. Auch zu Spekulationen, wie Ergebnisse dieser Nachforschungen aussehen könnten, wollte sich Lutz nicht äußern. Sein Kollege Axel von Berg ist sich allerdings sicher, dass die Funde die Forschungswelt stark beeinflussen werden.

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