Experten: Viele Corona-Maßnahmen zeigen offenbar kaum Wirkung

Lockdowns nur „kurzfristigen positiven Effekt“

Experten: Viele Corona-Maßnahmen zeigen offenbar kaum Wirkung

Nach langem Warten werden am heutigen Freitag die Ergebnisse des Expertengremiums zur Evaluation der Corona-Maßnahmen vorgestellt. Und offenbar gehen die Experten dabei hart ins Gericht mit vielen Maßnahmen. Der „Bild“-Zeitung liegen vorab die Ergebnisse des Papiers (165 Seiten) vor.

Demnach hätten Lockdowns nur „einen kurzfristigen positiven Effekt“, würden aber „auf Dauer von der Bevölkerung weniger akzeptiert werden und ihre Wirkung verlieren“. Je länger ein Lockdown dauere, „umso schwerer wiegen die nicht-intendierten Folgen“. Dazu zählen die Experten unter anderem die Steigerung der häuslichen Gewalt und die Zunahme von psychischen Erkrankungen und existenziellen Nöten.

Der Effekt von 3G- und 2G-Maßnahmen, nach denen Ungeimpfte einen Test vorlegen müssen, um an Veranstaltungen teilzunehmen oder ganz ausgeschlossen werden, sei „eher gering“. Der Grund: Der Effekt der Maßnahmen auf das Infektionsgeschehen sei nur „in den ersten Wochen nach der Boosterimpfung oder der Genesung hoch“. „Der Schutz vor einer Infektion lässt mit der Zeit jedoch deutlich nach.“ Auch das Ziel der Politik, Menschen mit 2G/3G-Regeln zum Impfen zu motivieren, werde verfehlt. In einigen Ländern zeigte sich „kein oder ein sogar gegenläufiger Effekt“ der G-Regeln auf die Impfbereitschaft.

Schulschließungen werden kritisiert

Die Auswirkung von Schulschließungen auf das Infektionsgeschehen sei „weiterhin offen“, die Folgen für das Wohlbefinden der Schüler seien hingegen „immens“. Das „anlasslose Testen in Schulen“ führe dazu, dass „ein scheinbar höheres Infektionsgeschehen“ dargestellt werde. Tatsächlich werde aber nur die „Dunkelziffer besser ausgeleuchtet“. Wenn man Erwachsene genauso oft testen würde wie Schüler, hätte man den gleichen Effekt.

Bei der Maskenpflicht gibt es kein eindeutiges Urteil der Experten. Zwar sei die Wirksamkeit von Masken im Labor bestätigt, allerdings sei „nicht abschließend geklärt, wie groß der Schutzeffekt von Masken in der täglichen Praxis“ sei. Das Tragen von Masken könne zwar „ein wirksames Instrument in der Pandemiebekämpfung sein“, allerdings hätten „schlechtsitzende und nicht enganliegende Maske“ einen „verminderten bis keinen Effekt“.

Hintergrund

Der Bundestag hatte im Infektionsschutzgesetz festgelegt, dass es eine externe Evaluation der bisherigen Corona-Maßnahmen geben soll. Dafür war ein 18-köpfiger Sachverständigenausschuss eingesetzt worden, der laut Gesetz bis zum 30. Juni einen Bericht vorlegen sollte. Dem Gremium gehören Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen an – darunter Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin (WZB), der Charité-Vorstandschef Professor Heyo K. Kroemer oder Professor Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Der Leiter des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, Christian Drosten, hatte das Gremium im April verlassen.

Logo