Ebling: „Das soll meiner Person im Wahlkampf schaden“

Ein Artikel über den sogenannten Essenheimer Kreis sorgt derzeit für Aufsehen. Der Sender „Antenne Mainz“ will ein Eliten-Netzwerk aufgedeckt haben, das sich gegenseitig Gefälligkeiten und städtische Aufträge zuschustere. Doch was ist wirklich dran?

Ebling: „Das soll meiner Person im Wahlkampf schaden“

„Was ist der Essenheimer Kreis?“ – diese Frage stellte der lokale Radiosender „Antenne Mainz“ zu Beginn der Woche und damit nur wenige Tage vor der OB-Stichwahl. In dem Kreis träfen sich regelmäßig einflussreiche Mainzer aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport und machten untereinander „angebliche Geschäfte“, so der Sender auf seiner Webseite. Vorsitzender des Essenheimer Kreises sei Oberbürgermeister Michael Ebling.

Der vorgeblich aktuelle Anlass für den Artikel: Zuletzt habe es ein Schreiben gegeben, in dem Mitglieder des Essenheimer Kreises OB Ebling ihre Unterstützung vor der Wahl zugesagt hätten. Unterzeichnet worden sei das Schreiben von Detlev Höhne (Aufsichtsratsvorsitzender Mainz 05) und Richard Patzke (ehemaliger Wirtschaftsdezernent der Stadt Mainz). OB Ebling habe, so Antenne Mainz, aus Zeitgründen darum gebeten, die Fragen nach dem Wahlsonntag beziehungsweise nach dem 11. November beantworten zu können.

Der unterschwellige Vorwurf des Senders: Der Essenheimer Kreis sei eine Gruppe von Mächtigen, die sich gegenseitig städtische Aufträge zuschusterten. „Je abhängiger Agierende voneinander sind und je homogener eine Gruppe aus Verantwortlichen wird, umso größer ist die Gefahr, dass Entscheidungen nicht unparteiisch und unabhängig gefällt werden“, so das Ende des Artikels.

Das sagt OB Michael Ebling

Oberbürgermeister Michael Ebling findet es „schon sehr verwunderlich, dass wenige Tage vor der Stichwahl ein Vorwurf in den Raum gestellt wird, untermauert mit Infos aus angeblichen anonymen Quellen, der offensichtlich meiner Person im Wahlkampf schaden soll“. Dass ein paar Minuten später auch noch die AfD auf das Thema aufgesprungen sei, sei ebenfalls vielsagend. Gegenüber Merkurist sagt Ebling: „An den Vorwürfen ist jedoch nichts dran. Den Essenheimer Kreis gibt es seit mehreren Jahrzehnten und seine Existenz wurde auch nie verheimlicht.“

In der Stadt gebe es verschiedene Kreise und das sei nicht ungewöhnlich. „Manche Menschen sind bei den Rotariern engagiert, andere im Lions Club. Es gibt Menschen, die sind in Unternehmensnetzwerken engagiert, es gibt Business-Meetings und Unternehmensfrühstücke, es gibt sogar Netzwerke, die werden von der Wirtschaftsförderung der Stadt unterstützt. Da wird etwas für Start-Ups und Gründer gemacht, dass sie sich vernetzen können.“ Und so gebe es seit ein paar Jahrzehnten auch den Essenheimer Kreis.

„Und wenn sich da Menschen treffen, heißt das nicht, dass da irgendetwas Anrüchiges oder Verbotenes getan wird. Da wird Vernetzungsarbeit geleistet, da werden Menschen zusammengebracht, zum Beispiel Führungskräfte aus der Wirtschaft, die neu in die Stadt kommen“, so Ebling. Weder sei das beschämend noch negativ, sondern für die Stadt sehr positiv. „In dieser rein ehrenamtlichen Konstellation arbeiten der Oberbürgermeister und Führungskräfte aus der Wirtschaft seit vielen Jahren zusammen.“

„Da wird keine Resolution verabschiedet“

Ebling ergänzt: „An dieser Stelle möchte ich auch noch mal betonen, dass ich der Oberbürgermeister bin, der dafür gesorgt hat, dass die Stadt die strengsten Compliance-Regeln bekommt, die sie je hatte.“

Es gebe viele Mainzer, die ihm im Wahlkampf ihre Unterstützung zugesagt hätten, darunter auch Menschen aus der Wirtschaft. „Der Essenheimer Kreis ist kein agierendes Organ. Er unterstützt nicht mich oder sonst irgendjemanden. Der Essenheimer Kreis hat auch keine Erklärung abgegeben. Man trifft sich dort einmal im Monat oder alle sechs Wochen, geht zusammen Mittagessen und dann ist es nach 90 Minuten wieder vorbei. Da wird keine Resolution verabschiedet.“

In dem Artikel werde ein Zusammenhang konstruiert, der so nicht da sei. „Dass es Menschen gibt aus der Wirtschaft, die sagen, dass der Ebling eine gute Politik für diese Stadt macht und für gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sorgt – das ist in der Tat so und das freut mich auch. Das zeigt einfach, dass die Erfolge, die wir erreicht haben, auch gesehen werden.“

Das komplette Interview mit Oberbürgermeister Michael Ebling lest Ihr ab morgen auf Merkurist. (pk/df)

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