Bundestagswahl: Überraschendes Ergebnis bei Merkurist-Umfrage

Wen würden die Merkurist-Leser mit ihren Erststimmen direkt in den Bundestag wählen? Wir haben nachgefragt. Und das Ergebnis überrascht.

Bundestagswahl: Überraschendes Ergebnis bei Merkurist-Umfrage

Nur noch wenige Tage bis zur Bundestagswahl am 26. September. Noch sind die wichtigsten Fragen völlig offen: Wer wird der nächste Bundeskanzler oder die nächste Bundeskanzlerin? Welche Koalition wird das Land regieren? Und wie viele Partien kommen in den Bundestag? Für den Wahlkreis Mainz stellt sich eine weitere wichtige Frage: Welche Kandidatin oder welcher Kandidat wird direkt in den Bundestag gewählt? Das können die Wähler mit ihrer Erststimme entscheiden. Merkurist wollte in den vergangenen Tagen per Online-Umfrage wissen: „Wem gibst du bei der Bundestagswahl deine Erststimme?“

Zur Auswahl stehen 15 Kandidaten, die wir zuvor vorgestellt hatten (zu den Steckbriefen). Bevor wir euch das Ergebnis verraten, noch ein paar wichtige Fakten: Es handelt sich nicht um eine repräsentative Umfrage. So ist unter anderem die Altersstruktur eine andere als bei der Wahl, zudem konnten bei unserer Umfrage auch Menschen mitmachen, die (noch) nicht wahlberechtigt sind. Außerdem umfasst der Wahlkreis 205 auch Gemeinden, die recht weit von Mainz entfernt sind (zum Beispiel Bacharach). Das Umfrageergebnis zeigt also eher ein Stimmungsbild der Merkurist-Leser.

Insgesamt haben sich 1681 User an dem Voting beteiligt, das per Zufallsprinzip eingeblendet wurde. Wir stellen euch das Ergebnis in umgekehrter Reihenfolge vor.

Plätze 7 bis 15

Die kleineren Parteien dürften in der Merkurist-Umfrage etwas überrepräsentiert sein. So kommen sie insgesamt auf 18 Prozent. Jeweils 1 Prozent erhalten in unserem Voting David Kaufmann (Die Humanisten), Michael Ruf (ÖDP), Einzelbewerber Markus Heil und Bodo Noeske (Piraten). Auf 2 Prozent kommt Einzelbewerber Professor Dr. Sebastian Seiffert. Die übrigen Kandidaten der kleineren Partien kommen jeweils auf 3 Prozent: Daniela Zaun (Die Partei), Gerhard Wenderoth (Freie Wähler), Dr. Florian Thomas Köhler-Langes (Volt) und Dr. Jörg Heuser (Die Basis). Die Kandidaten von Volt und der Basis schneiden dabei knapp am besten ab.

Platz 6

7 Prozent der Merkurist-User wollen ihre Erststimme an Friedrich Sartorius von der FDP geben. Mit „Friedrich for Future“-Plakaten setzt der Direktkandidat auch auf Humor im Wahlkampf. Der 32-jährige Student ist seit 2008 in der FDP. Er will sich vor allem für das Thema Bildung einsetzen. „Bildung ist die zentrale Möglichkeit für sozialen Aufstieg und gesellschaftliche Teilhabe. Daher mache ich mich für eine bessere Finanzierung der Bildung stark.“

Platz 5

Auf dem fünften Rang landet mit 11 Prozent Sebastian Münzenmaier von der AfD. Der Finanzanlagen- und Versicherungsfachmann kam bei der letzten Bundestagswahl über die Landesliste in den Bundestag. Er erhielt 7,3 Prozent der Erststimmen. Der 32-Jährige will sich „in erster Linie für unsere eigenen Bürger und für unser eigenes Land einsetzen“. Zudem stehe er für „mehr direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild, für eine klare Absage an weitere Migration aus aller Welt in unser Sozialsystem und für eine deutliche Entlastung unserer Bürger“.

Platz 4

12 Prozent unserer User würden Tabea Rößner von den Grünen direkt in den Bundestag wählen. Dort sitzt sie bereits seit 2009. Bei der letzten Wahl 2017 erhielt sie 10,8 Prozent der Erststimmen. Die 54-jährige Journalistin will sich weiterhin für Umwelt- und Klimaschutz, Gerechtigkeit und Menschenrechte einsetzen. „Unser Land muss als gutes Vorbild vorangehen, damit wir Klimaneutralität erreichen und die sozialen Bedingungen verbessern.“

Platz 3

Schon zwei Mal wurde Ursula Groden-Kranich (CDU) direkt in den Bundestag gewählt: 2013 und 2017. Zuletzt erhielt sie 35,7 Prozent der Erststimmen. In unserem Voting landet die 56-Jährige auf Platz 3 – mit 13 Prozent. Die Bankkauffrau ist schon seit 1985 in der CDU. Sie will sich dafür einsetzen, dass „Klimaschutz und Wirtschaft zusammen gedacht werden, damit unsere Arbeitsplätze nicht ins Ausland abwandern“. Zudem sagt sie: „Ich werde weiter Gelder einwerben, mit denen wir unser großartiges Kulturerbe bewahren können und mich dafür stark machen, dass Kinder und Jugendliche nicht zu Pandemieverlierern werden.“

Platz 2

Auf dem zweiten Rang in unserem Voting landet Daniel Baldy von der SPD. 16 Prozent der Merkurist-Leser wollen ihm ihre Erststimme geben. Der 26-Jährige ist ausgebildeter Gymnasiallehrer und seit zehn Jahren in der SPD. „Im Bundestag möchte ich mich als neu gewählter Abgeordneter mit frischem Wind besonders dafür einsetzen, dass wir die Verkehrswende endlich schaffen“, sagt er. Dafür brauche man attraktive Bus- und Bahnanbindungen für alle Menschen. „Außerdem müssen wir mehr Fahrradwege ausweisen und die Park-and-Ride-Infrastruktur an den Stadträndern stärken, damit wir Staus vermeiden, die Luftqualität verbessern und unsere Umwelt nachhaltig schützen.“

Platz 1

Überraschender Gewinner der Merkurist-Umfrage ist: Professor Dr. Gerhard Trabert. Mit 23 Prozent hat er sogar einen recht deutlichen Vorsprung. Trabert ist parteilos, wird aber von der Partei Die Linke unterstützt. Der 65-Jährige ist eigentlich Hochschullehrer, Arzt und Sozialarbeiter und wurde dadurch in den letzten Jahren über die Stadtgrenzen von Mainz hinaus bekannt. „Meine Kandidatur hat die Themen soziale Sicherheit und Solidarität im Fokus. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. Die Situation für Geflüchtete wird immer prekärer“, sagt Trabert. Deshalb sei es höchste Zeit für eine Politik, die sich „an sozialer Gerechtigkeit, einem gelebten Klimaschutz, der Wahrung von Menschenrechten und Antirassismus orientiert und die Interessen von sozial benachteiligten Menschen einbezieht“.

Schafft Professor Trabert wirklich die große Überraschung? Wiederholt Ursula Groden-Kranich die Erfolge der letzten beiden Wahlen? Oder zieht am Ende ein anderer Kandidat oder eine andere Kandidatin direkt in den Bundestag ein? Am kommenden Sonntag werden wir es erfahren.

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