Regionale Produkte immer beliebter – warum sie dennoch kaum gekauft werden

Nur 20 Prozent des angebotenen Obst und Gemüses kommt aus Deutschland. Dabei sagen die meisten, dass sie regionale Lebensmittel bevorzugen. Was viele abhält: die höheren Preise. Warum kosten heimische Lebensmittel oft mehr als importierte?

Regionale Produkte immer beliebter – warum sie dennoch kaum gekauft werden

Immer mehr Menschen geben an, Lebensmittel zu bevorzugen, die aus der Region kommen: Umfragen ermitteln regelmäßig einen Wert von etwa 80 Prozent. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Verbraucherzentrale sagten sogar 92 Prozent der Befragten, dass sie Wert darauf legen, wenn angebotene Lebensmittel aus der Region kommen.

Dennoch stammt nur 20 Prozent des angebotenen Obst und Gemüse tatsächlich aus Deutschland, sagt Andreas Köhr, Pressesprecher des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd e.V. Dieser geringe Selbstversorgungsgrad liege vor allem daran, dass Vieles nur saisonal erhältlich ist. Im Winter kommen Tomaten und Möhren dann aus Übersee. „Früchte wie Bananen, Avocados und Zitronen können hier nicht angebaut werden“, so Köhr. Was außerdem viele davon abhalte, regelmäßig beim Hofladen oder auf dem Wochenmarkt einzukaufen, seien die oft höheren Preise.

Hohe Qualitätsstandards

Kai Reinheimer bewirtschaftet bereits in der fünften Generation den gleichnamigen landwirtschaftlichen Betrieb am Ortsrand von Ginsheim. Auf 68 Hektar Freiland baut seine Familie Gemüse und Salat, Kräuter, Spargel, Erdbeeren und Tomaten an.

„Prinzipiell stimmt es nicht, dass regionale Produkte immer unbedingt teurer sind“, so Reinheimer. Ausschlaggebend sei die Vermarktungsstruktur: „Wenn man am Endkunden mit Verkaufspersonal arbeitet, muss man logischerweise mehr Geld nehmen als im Supermarkt, wo der Kunde alles selbst zusammenrafft.“ So entstünden schon in der Vermarktung ganz andere Kosten. Außerdem seien die Qualitätsstandards bei regionalen Produkten oftmals höher - in Deutschland gehören die Standards zu den strengsten auf der Welt, etwa was Arbeitsrecht und -schutz betrifft.

Gleiches gilt für das Lohnniveau: „In Deutschland liegt der Mindestlohn bei 9,60 Euro, in Spanien bei 5,76 Euro“, sagt Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband. „Neben den hohen sozialen Standards ist hierzulande der Einsatz von Dünge- und Pflanzenmitteln viel strenger reglementiert als in vielen anderen Ländern.“

Höheres Vertrauen in heimische Produkte

In den vergangenen Jahren sei jedoch das Interesse an regionalen Produkten gestiegen, hat Landwirt Reinheimer festgestellt. „In Pandemie-Zeiten haben sich die Leute mehr mit ihrer Ernährung beschäftigt.“ Außerdem sei das Vertrauen in die regionale Landwirtschaft höher: „Wenn man Salat aus der Region kauft, ist er einfach frischer, man weiß, wo die Lebensmittel herkommen, was drin ist und wie sie verarbeitet werden: Wie sie gedüngt werden, wie gewaschen, wie konserviert, wie eingekauft. Das können wir selber bestimmen, wenn wir unsere Lebensmittel auch selbst produzieren, nach den hier geltenden Standards. Wenn wir hingegen spanische Lebensmittel kaufen, kaufen wir das, was uns die Spanier geben.“

„Wenn man Lebensmittel aus der Region kauft, weiß man, wo sie herkommen, was drin ist und wie sie verarbeitet werden“ - Kai Reinheimer

Auch beim Johanneshof in Mainz-Bretzenheim hat die Zahl der Menschen, die regionale Produkte bevorzugen, zugenommen: „Viele lernen regionale Produkte und eben die Besonderheiten zu schätzen“, sagt Johannes Bender. Der Johanneshof wird bereits seit vier Generationen im Familienbesitz bewirtschaftet, inzwischen als kontrolliert biologischer Betrieb. „Zum Beispiel bauen wir alte klassische Dinkelsorten an, die besonders für Allergiker gut geeignet sind“, so Bender. „Was nützen Ihnen neue Dinkelsorten mit Weizen-Einkreuzung aus großer Ernte und zu billigem Preis aus dem Discounter?“ Ebenso gebe es im Gemüsebau und besondere Apfelsorten. „Diese Besonderheiten machen sich natürlich im Preis bemerkbar.“

Durch den Kauf von regionalen Produkten erhalte man zudem die Strukturen vor Ort, stärke die heimische Landwirtschaft und Wirtschaft, außerdem werde der CO2-Fußabdruck minimiert, heißt es auch beim Bauern- und Winzerverband. „Wer Obst aus regionalem Anbau kauft, spart gleichzeitig klimaschädliches CO2 ein, fördert die Artenvielfalt und erhält einmalige Kulturlandschaften.“

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