Mit der Rikscha über die Theodor-Heuss-Brücke

In wenigen Minuten über die gesperrte Theodor-Heuss-Brücke: Das geht zu Fuß, mit dem Bus, dem Rad, oder eben auch mit einer E-Rikscha von Dirk Vielmeyer. Der Geschäftsmann fährt Menschen über die Brücke - und das bislang sogar kostenlos.

Mit der Rikscha über die Theodor-Heuss-Brücke

Eingepackt in eine Decke und mit Blick auf den Dom entspannt über die Theodor-Heuss-Brücke gefahren werden - das klingt bei der aktuellen Sperrung und der Verkehrssituation auf der Brücke nach einer Unmöglichkeit, ist es aber nicht. Bei der fünf Minuten langen Fahrt mit der E-Rikscha von Dirk Vielmeyer („Rikscha-Flotte-Mainz“) weht einem der Fahrtwind um die Nase. Kuriose Geschichten über Fahrgäste gibt es inklusive.

Kostenlose Fahrt

Seit fast zwei Wochen bietet Vielmeyer seinen E-Rikscha-Service auf der Brücke an. Er fährt eine sehr moderne Rikscha. Sie ist spitzer als die typischen Rikschas und mit Lichterketten ausgestattet. „Bei den Leuten kommt das gut an. Am Anfang waren viele noch skeptisch, aber jetzt haben wir schon einige Stammkunden“, sagt Vielmeyer. Eine Fahrt mit einer Rikscha dauert etwa fünf bis zehn Minuten. Vom Kasteler Brückenkopf aus geht es auf die Mainzer Seite und wieder zurück. Momentan müssen Kunden keinen Cent für die Fahrt zahlen. Denn der Rikscha-Service wird noch von der Stadt Wiesbaden finanziert - egal ob Touristen oder Pendler einsteigen.

„Das Verkehrsdezernat hat uns in diesem Fall beauftragt. Die Stadt Wiesbaden will damit Leute überraschen und ihnen trotz der Nachteile und des Ärgers wegen der Sperrung ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, erklärt Vielmeyer. Normalerweise würde eine ein Kilometer lange Fahrt etwa 4,90 Euro kosten. „Dafür würden wir aber wahrscheinlich nicht mehr nur über die Brücke fahren, sondern bis zu einer Haltestelle oder noch ein Stück der Rheinstraße entlang.“

Ob der Rikscha-Fahr-Service von der Stadt Wiesbaden weiterhin finanziert wird, ist noch nicht klar. „Es kommt darauf an, wie das Angebot angenommen wird. Es hängt aber auch mit dem Budget der Stadt zusammen. Wir werden sehen, was entschieden wird“, sagt Vielmeyer.

Im Januar 2019 hat er die Rikscha-Flotte übernommen und ist seitdem in Mainz und Wiesbaden unterwegs. Mit seinen Rikschas kann man aber nicht nur während der Sperrung über die Brücke fahren - auch für Stadtrundfahrten und Veranstaltungen kann man sie buchen. Wer denkt, dass das Ende der Brücke auch das Ende der Fahrt bedeutet - der liegt falsch. „Wir fahren die Leute dahin, wo sie hin wollen. Unsere Fahrt endet nicht am Ende der Brücke, sondern dort, wo der Gast hin muss“, erklärt der Inhaber, während er in der E-Rikscha über die Brücke fährt.

Interessante Begegnungen

Bei ihren Fahrten über die Brücke hatten Vielmeyer und seine Kollegen bis jetzt schon einige interessante Begegnungen: „Eine Frau kam ganz traurig zu uns. Sie hatte den Bus verpasst und Angst, zu spät zu ihrer Arbeit im Zollhafen zu kommen. Also haben wir sie direkt hingefahren und waren sogar noch vor dem Bus da“, sagt Vielmeyer.

Bei manchen Fahrgästen sei ihm am Anfang gar nicht bewusst, wen er da gerade über die Brücke fährt. „Auch ein Richter war schon dabei. Ihn habe ich zu seinem Arbeitsplatz, dem Amtsgericht, gefahren.“ In Erinnerung geblieben ist ihm auch ein thailändisches Pärchen. „Sie waren ganz begeistert und haben sich riesig über die Fahrt gefreut. Es ist schön, die Leute mit einer Fahrt so glücklich zu machen“, erzählt Vielmeyer. Auch bei den Fußgängern kommt sein E-Rikscha-Service gut an: „Egal, wo wir sind, die Leute sind immer interessiert. Sie winken uns zu und zeigen mit dem Daumen nach oben“.

Dirk Vielmeyer und seine Kollegen sind mit ihren E-Rikschas Montag bis Freitag von 7 bis 11 Uhr und von 16 bis 20 Uhr auf der Theodor-Heuss-Brücke unterwegs. (mm)

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