Kippe auf den Boden werfen: Warum das eine dumme Idee ist

Weggeworfene Zigarettenstummel sind nicht nur schlecht für das Stadtbild, sondern hochgiftig. Was die Giftstoffe aus den Filtern auslösen können und wie viel Schaden sie anrichten, hat uns Anne Stege vom „Kippen Cleanup“-Team erklärt.

Kippe auf den Boden werfen: Warum das eine dumme Idee ist

Dass rauchen schlecht für die Gesundheit ist, ist den meisten Menschen bekannt. Doch wenn Raucher ihre Zigaretten unachtsam entsorgen, dann hat das verheerende Folgen für die Umwelt. Um Menschen für das Kippen-Problem zu sensibilisieren, veranstalten Anne Stege und ihr Team in Mainz den „Kippen Cleanup“. In der Woche vom 13. bis 19. Mai sammeln die Freiwilligen in allen Mainzer Stadtteilen so viele Zigarettenstummel wie möglich auf. Dafür suchen sie noch Helfer.

Wie Stege im Gespräch mit Merkurist erklärt, sind es besonders die Filter der Zigaretten, die umweltschädlich sind. „In den Filtern befindet sich eine geballte Ladung an Chemikalien, über 5000. Darunter natürlich das Nikotin aus den Zigaretten, aber auch Arsen, Blei und krebserregende Stoffe“, so Stege. Zudem sei in den Filtern Mikroplastik enthalten. „Bis ein Zigarettenfilter sich auf dem Boden zersetzt, dauert es circa 15 Jahre, im Meer, also in Salzwasser, sind es sogar 100 Jahre“, sagt Stege weiter.

Giftstoffe gelangen bis in die Meere

Allein eine weggeworfene Kippe verseuche 40 Liter Grundwasser, wenn die giftigen Inhaltsstoffe des Filters zum Beispiel durch Regen dort hineingelangen. Ist das Grundwasser erstmal verseucht, verteilt sich das Gift weiter auf Pflanzen. Über Flüsse gelangen die Giftstoffe in die Meere und greifen die Ökosysteme dort an. Und über Meeresfrüchte oder Fische gelangen die Zigarettenrückstände letztlich wieder in den menschlichen Körper. Auch in die Körper derjenigen, die nicht rauchen.

Eine besondere Gefahr sieht Stege vor allem in Zigarettenstummeln auf Spielplätzen: „Das finde ich besonders schlimm, denn wenn Kleinkinder die Filter in den Mund nehmen, kann das im schlimmsten Fall tödlich enden“, so Stege. Erschreckend sei auch, dass laut aktuellen Statistiken noch zwei von drei Zigarettenstummel in Deutschland nicht im Aschenbecher, sondern auf der Wiese oder der Straße landen. Insgesamt seien das derzeit 140 Millionen Zigaretten in Deutschland – am Tag.

Kippenstummel werden in Gefäß gezeigt

Anne Stege sagt: „Es geht nicht darum, Rauchern das Rauchen zu verbieten. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig es ist, Zigaretten richtig zu entsorgen.“ Denn im Grunde genommen seien die Kippen nicht anders als Sondermüll. Die Ergebnisse ihrer Stummel-Sammelaktion zeigt die Initiative an einem eigenen Stand während des Rheinland-Pfalz-Tages in Mainz, am Liebfrauenplatz (Nähe Nagelsäule). Von Freitag bis Sonntag (20. bis 22. Mai) sollen die Stummel dafür in einem durchsichtigen Gefäß, das Platz für 140.000 Zigaretten hat, gezeigt werden. Vor Ort geben Stege und ihr Team auch Tipps für Raucher, wie sie ihre Zigarettenreste am besten entsorgen können. Wichtig sei es, öffentliche Aschenbecher zu nutzen, wenn mal keiner zur Hand sein sollte. Alternativ gibt es auch Klappaschenbecher für unterwegs.

Laut Stege habe die Stadt Mainz in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet, indem sie öffentliche Mülleimer mit Fächern und angehängten Aschenbechern versehen hat. Dennoch könne die Stadtverwaltung noch mehr gegen das Kippen-Problem unternehmen. „Eine Zigarette einfach auf den Boden zu werfen kostet in Mainz 20 Euro Strafe. In Wiesbaden wird diese Ordnungswidrigkeit dagegen mit einem Bußgeld in Höhe von 50 Euro geahndet, in Berlin kostet es sogar 120 Euro und in Singapur wird man beim zweiten Mal mit umgerechnet 6625 Euro bestraft“, so Stege. Doch selbst wenn die Bußgelder in Mainz steigen würden, werde das Vergehen nur in seltenen Fällen geahndet.

Mehr Aufklärung

„Es gibt noch zu viele Menschen, denen die Entsorgung der Zigarette einfach egal ist“, sagt Stege. Sie fordere daher härtere Strafen. Ein anderer Punkt ist ihr jedoch auch wichtig: „Viele Menschen sind sich noch gar nicht bewusst darüber, was sie mit einer sorglos weggeworfenen Zigarette anrichten. Wir müssen also noch mehr Aufklärungsarbeit leisten.“

Anne Stege und ihr Team geben Tipps und Informationen an ihrem Stand während des Rheinland-Pfalz-Tags in Mainz (20. bis 22. Mai). Der Stand mit der Nummer 1734 befindet sich auf dem Liebfrauenplatz in der Nähe der Nagelsäule.

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