Ist künftig ein Mangel bei manchen Produkten zu befürchten?

In manchen Supermarktregalen herrscht teilweise seit Wochen gähnende Leere. Vor allem Mehl und Öl sind oft ausverkauft, da einige Menschen kistenweise die Waren zuhause hamstern. Wie ist die Lage in den Mainzer Märkten?

Ist künftig ein Mangel bei manchen Produkten zu befürchten?

Wo sonst die Flaschen mit Sonnenblumenöl stehen, sind die Supermarktregale seit Wochen meistens leer. Ähnlich sieht es beim Mehl aus: Vor allem Weizenmehl ist kaum mehr zu bekommen. Die Deutschen horten wieder. Dieses Mal, weil sie Lieferengpässe aufgrund des Kriegs in der Ukraine fürchten.

Auch höhere Kosten sind zu erwarten: „Wir sind aktuell mit einer Vielzahl von steigenden Kosten bei Rohstoffen, Energie und Logistik sowie Preiserhöhungen der Lebensmittelindustrie und Lieferanten konfrontiert“, teilt etwa Rewe auf Anfrage mit. Dies führe „zwangsläufig“ dazu, dass bei einzelnen Warengruppen und Artikeln die Verkaufspreise erhöht werden müssten, wo es einen hohen Kostendruck gebe.

Merkurist-Leser fragen daher schon: „Wo gibt es in Mainz noch Mehl und Öl?“ Einige schlagen vor, auf andere Produkte auszuweichen, ein Leser hat die Erfahrung gemacht, dass morgens noch genügend zu haben sei:

Wie ist die Lage in den Mainzer Lebensmittelmärkten?

Wir haben bei verschiedenen Anbietern nachgefragt:

Thomas Bonrath, Pressesprecher bei der Rewe Markt GmbH, bestätigt, dass es in den Märkten „eine höhere Nachfrage nach bestimmten Produkten“ gebe. „Wir appellieren – wie bereits zu Beginn der Corona-Krise – auch jetzt an alle Kundinnen und Kunden, sich solidarisch zu zeigen und Produkte nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen“, so Bonrath. Denn die Produktionsmengen und die Lieferlogistik der gesamten Lebensmittelkette im Einzelhandel seien nur auf solche Verkäufe ausgerichtet. Inzwischen seien die Lagerbestände erhöht worden, damit die Regale kurzfristig wieder aufgefüllt werden könnten. Gemeinsam mit den Lieferanten arbeite man zudem daran, „etwaige Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf unsere Lieferketten so gering wie möglich zu halten“.

Im Natürlich in der Mainzer Neustadt sei das Problem der Hamsterkäufe zwar auf wenige Artikel begrenzt, „aber spürbar“, teilt Marktleiter Mirko Krpic mit. Teilweise gebe es bei den Großhändlern Mengenbeschränkungen, etwa bei Sonnenblumenöl, Bratöl, Mehl und Toilettenpapier. „Außer bei Öl ist das Hamstern völlig unbegründet und schafft das Problem erst“, so Kripic. Grund seien die begrenzten Abfüllkapazitäten bei eigentlich ausreichender Menge an Rohwaren.

Zwar komme auch im Biohandel das Sonnenblumenöl als Rohstoff für Produkte zum großen Teil aus der Ukraine – aktuell sei das Problem allerdings nicht fehlende Ware, sondern die Ausfuhrschwierigkeiten. „Sonnenblumenöl ist momentan keines erhältlich.“ Doch in den Regionen, die von den Kämpfen wenig betroffen seien, werde aktuell auch in der Ukraine ausgesät. Beschränken will Krpic die Käufe pro Haushalt, wie viele Supermärkte es machen, dennoch nicht: „Wir sind zuverlässig lieferfähig, unsere gut gefüllten Regale stacheln den Hamstertrieb nicht an.“ Auch zähle man auf die Verantwortungsbereitschaft der Kunden.

Bei Mehl bestehe das Problem nicht, hier setze der Laden auf eine Vielzahl von meist deutschen Lieferanten. Preiserhöhungen erwartet Krpic auch für Bio-Produkte, „aufgrund der Energiekostensteigerungen leider über fast das gesamte Sortiment hinweg“.

Ähnlich sieht es bei Alnatura aus, in den Märkten gebe es keine Engpässe, versichert Pressesprecherin Stefanie Neumann. „Bio-Lebensmittel sind in jeder Warenkategorie ausreichend verfügbar.“ In den vergangenen Wochen sei zwar „etwas mehr“ Sonnenblumenöl und Mehl eingekauft worden. Plakate mit der Bitte, nur in haushaltsüblichen Mengen einzukaufen, hätten aber „gut funktioniert“. Bei Alnatura stamme das Bio-Sonnenblumenöl nicht aus der Ukraine, sondern aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Tschechien und Spanien. „In diesen Ländern gibt es keine Verknappung, es ist deshalb nicht nötig, auf Vorrat einzukaufen“, so Neumann. Gleiches gelte für das Mehl. So seien nur in wenigen Produkten Rohstoffe aus der Ukraine enthalten, darunter Hirse für Baby-Getreidebrei. Diese Zutaten ließen sich durch Rohstoffe aus anderen Ländern ersetzen.

Bei welchen Produkten es wegen der höheren Logistikkosten und steigenden Energiepreise künftig Preiserhöhungen gebe, lasse sich noch nicht absehen. Wichtig sei aber prinzipiell, dass sich „immer mehr Menschen Bio leisten können“, so Neumann.

Bei Aldi Süd sehe man „momentan eine stärkere Nachfrage bei einigen Warengruppen und so kann es sein, dass einzelne Artikel kurzzeitig vergriffen sind“, meldet Pressesprecherin Nastaran Amirhaji. Wie in den meisten anderen großen Supermärkten werden auch in den Aldi-Filialen die Kunden gebeten, nur haushaltsübliche Mengen einzukaufen. „Bei größeren Nachfragen behalten wir uns wie immer vor, die Abgabemenge pro Kunde vorübergehend einzuschränken“, so Amirhaji. Perspektivisch seien die Auswirkungen jedoch nur schwer absehbar. „Seit der Corona-Pandemie sind die globalen Märkte sehr dynamisch, insbesondere die Situation auf dem Rohstoffmarkt, aber auch in der globalen Logistik.“

Daher könne man heute noch nicht verlässlich absehen, inwieweit einzelne Rohstoffe verfügbar sein werden und wie sich entsprechend das Sortiment in den nächsten Wochen oder Monaten verändern wird. Man versuche bei Aldi, Mehrkosten abzufangen. „Nur wenn es nicht mehr möglich ist, die gestiegenen Kosten abzufedern, müssen wir Preisanpassungen vornehmen.“ Zu konkreten Produkten will die Pressesprecherin keine Angaben machen.

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