Hilferuf aus dem Tierheim Mainz: „Es ist 5 nach 12!“

Das Mainzer Tierheim ist voll belegt, es fehlt an Geld für Futter und helfende Hände. Auch werden derzeit sehr viele gefundene Wildtiere abgegeben. Wir haben mit der Leiterin gesprochen.

Hilferuf aus dem Tierheim Mainz: „Es ist 5 nach 12!“

Christine Plank ist in großer Sorge: Nicht nur ist das Tierheim gerade voll belegt, sie und ihre Mitarbeiter kommen auch an ihre Kapazitätsgrenzen: „Es muss was passieren denn es ist schon 5 nach 12!“, postete die Tierheim-Vorsitzende kürzlich auf der Instagramseite.

60 Hunde, 30 Katzen und 87 Kleintiere leben derzeit im Mainzer Tierheim. Hinzu kommen rund 300 Wildtiere, die hierher gebracht wurden und aufgepäppelt werden müssen. „Viele Tierbabys waren kurz vor dem Verhungern und Verdursten, da die Eltern derzeit kein Wasser finden“, berichtet Plank. Allein 100 Igel-Jungtiere beherbergt sie aktuell sowie zahlreiche Eichhörnchen. Hinzu kommen einige Hühner, Enten sowie ein Minischwein.

Extreme Preissteigerungen beim Futter

Kopfzerbrechen machen Plank auch die extremen Preissteigerungen beim Futter. Auch Obst und Gemüse ist sehr teuer geworden. In den Ferien werden zudem prinzipiell weniger Tiere in ein neues Zuhause vermittelt. „Viele Menschen fragen außerdem an, ob ihr Tier während des Urlaubs bei uns unterkommen kann. Aber wir sind ja keine Tierpension.“

„Wir machen das alle gerne und sind jederzeit mit Herzblut dabei, aber auch wir haben Grenzen“ – Christine Plank

16 Angestellte arbeiten im Mainzer Tierheim, 100 weitere Aktive helfen zum Beispiel beim Gassigehen. „Wir brauchen unbedingt Leute unter der Woche, die mit schwierigen Hunden Erfahrungen haben“, so Plank. Was besonders zeitaufwändig sei: Verhaltensweisen bei Hunden „auszumerzen“, die keine oder kaum Erziehung genossen haben. „90 Prozent aller Tiere, die in Tierheimen abgegeben werden, sind verhaltensauffällig“, schätzt Plank. Der Hund „funktioniert“ dann aus Sicht des Halters irgendwann nicht mehr, beißt im schlimmsten Fall eines Tages zu.

Viele informieren sich nicht über die Rasse

„Wir Tierheime können diese ganze Masse an Hunden, vor allem Hunden mit Verhaltensproblemen, nicht mehr auffangen“, so Plank. Denn die Tiere brauchen intensives Training und intensive Betreuung, viele noch zusätzlich intensive medizinische und physiotherapeutische Betreuung. „Wir machen das alle gerne und sind jederzeit mit Herzblut dabei, aber auch wir haben Grenzen.“

Es gebe leider viele Beispiele dafür, dass sich inzwischen sehr viele Menschen nicht damit auseinandersetzen, welche Rasse sie sich ins Haus holen würden. „Wir müssen einfach immer mehr an den Verstand der Leute appellieren, dass es nicht schön und ausgefallen sein muss, sondern zum Mensch und dessen Leben passen sollte.“

Christine Plank bittet daher die künftigen Tierbesitzer darum, erst einmal zu prüfen, ob das Tier und seine Ansprüche zum eigenen Lebensstil passen: Was braucht das Tier beziehungsweise diese spezielle Rasse, passen die Ansprüche ins eigene Leben? Kommt man zum Beispiel dem Auslauf- und Beschäftigungsbedarf nach, welche Erziehung benötigt das Tier, braucht es eine Hundeschule? Schafft man sich eine Freigänger-Katze an, sollte man nicht mitten in der Stadt wohnen.

Wenn ihr das Tierheim unterstützen möchtet, könnt ihr Kontakt aufnehmen. Auch finanzielle Unterstützung sowie Helfer auf dem Tierheimgelände selbst werden gebraucht – zum Beispiel zur Pflege des Tierfriedhofs. Weitere Informationen findet ihr hier.

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