Wie ein neues Rechenzentrum in Mainz 20.000 Haushalte heizen soll

Auf der Ingelheimer Aue in Mainz entsteht ein neues Rechenzentrum. Dessen Abwärme soll künftig tausende Haushalte versorgen. Für die Notstromversorgung kommt eine besondere Lösung zum Einsatz.

Wie ein neues Rechenzentrum in Mainz 20.000 Haushalte heizen soll

In Mainz entsteht auf der Ingelheimer Aue ein neues Energie- und Infrastrukturprojekt. Wie die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG (KMW) mitteilt, werden dort das Rechenzentrum „Green Rocks“, eine Wärmepumpe, ein Motorenkraftwerk und ein Batteriespeicher gebaut.

Das „Green Rocks“ soll bis 2028 vollständig fertiggestellt sein, ein erster Bauabschnitt geht bereits Ende 2026 in Betrieb. Mit einer Gesamtleistung von bis zu 80 Megawatt wird es eine hochleistungsfähige Infrastruktur für Datenserver bieten. Laut KMW ist die gesamte IT-Fläche von rund 18.000 Quadratmetern bereits vermietet. Der Strom für den Betrieb soll aus erneuerbaren Energien stammen.

Ein besonderer Nutzen entsteht für die Stadt Mainz: Die Abwärme des Rechenzentrums wird über eine große Wärmepumpe in das Fernwärmenetz eingespeist. Perspektivisch können so bis zu 20.000 Haushalte mit Wärme versorgt werden. „Wir bekommen ein Rechenzentrum, das unsere Stadt im internationalen Wettbewerb stärkt. Zugleich können wir die Abwärme sinnvoll nutzen, indem wir sie in unser Fernwärmenetz einspeisen“, so der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase. Dies sei wirtschaftlich stark, technologisch modern und ökologisch vorbildlich.

Notstromversorgung ohne Dieselaggregate

Für Rechenzentren dieser Größe ist eine gesicherte Notstromversorgung notwendig. Statt der branchenüblichen Dieselaggregate setzt die KMW auf eine nachhaltigere Lösung. Die Notstromversorgung sollen zwei Kraftwerke am Standort übernehmen: das bestehende Blockheizkraftwerk, das bereits umgerüstet wurde, und ein neu geplantes Motorenkraftwerk.

Diese Lösung ersetzt laut KMW rund 21 Dieselaggregate, wodurch Emissionen deutlich reduziert werden. Auch die sonst notwendigen regelmäßigen Testläufe, die CO₂-Emissionen verursachen, entfallen. „Nur im Falle eines Stromausfalls werden wir diese Anlagen für Notstrom benötigen. Deshalb nutzen wir sie zusätzlich zur Stromerzeugung“, erklärt KMW-Vorstand Oliver Malerius.

Flexibles Kraftwerk und zusätzlicher Batteriespeicher

Das neue Motorenkraftwerk mit einer Leistung von 54 Megawatt wird nicht nur als Notstromreserve dienen. Es soll auch dann Strom in das Netz einspeisen, wenn erneuerbare Energiequellen nicht ausreichen. Die Anlage besteht aus zwölf einzelnen Gasmotoren, die je nach Bedarf zu- oder abgeschaltet werden können und perspektivisch auf den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet werden können.

Zusätzlich investiert die KMW in einen Batteriespeicher mit einer Leistung von 22 Megawatt. Dieser kann kurzfristige Schwankungen im Stromnetz ausgleichen, ist aber für die dauerhafte Notstromversorgung eines Rechenzentrums nicht ausgelegt. „Wir profitieren als Gesellschafter und als Region davon, dass hier nicht auf eine einzige Lösung gesetzt wird, sondern auf das kluge Zusammenspiel neuer Technologien“, betont der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende.