Mehr Holzdiebstähle im rheinhessischen Wald

Wegen der hohen Energiepreise suchen die Menschen nach Alternativen für den kommenden Winter. Im Wald nehmen bereits die Holzdiebstähle zu.

Mehr Holzdiebstähle im rheinhessischen Wald

Ob Feuerholzsammeln oder der Abtransport ganzer Baumstämme per Lkw: In den deutschen Wäldern wird aktuell besonders viel Holz gestohlen. Grund sind die steigenden Energiepreise und die Angst vor einem kalten Winter. Wie der Waldeigentümer-Verband AGDW auf seiner Facebookseite mitteilt, ist das Holz bei vielen Händlern bereits ausverkauft. „Die Versuchung, sich im Wald (illegal) zu bedienen, steigt“, heißt es dort.

Auch bei den rheinland-pfälzischen Forstämtern und -revieren laufen derzeit die Telefone heiß: „Die Nachfrage nach Brennholz ist aktuell deutlich höher als in Vorjahren“, sagt Klaus Dunkel vom Landesbetrieb Landesforsten Rheinland-Pfalz gegenüber Merkurist. Unter den Anfragen seien auch viele Neukunden. Was jedoch auch in der vergangenen Saison zugenommen habe, seien die erfassten Diebstähle bei Brennholz. Dunkel rät daher allen Brennholzkunden, das Holz „schnellstmöglich zu bezahlen und aus dem Wald zu transportieren“ – bevor das bestellte und bereitliegende Holz am Ende gestohlen wird.

Äste dürfen nicht mitgenommen werden

Übrigens ist es ebenso eine Ordnungswidrigkeit, kleine Holzstücke und Äste aufzuheben und mit nach Hause zu nehmen. Früher war dies durch sogenannte „Lesescheine“ noch erlaubt. Heute weiß man, dass das den Lebensraum Wald stören kann. „Zur Lebensgemeinschaft Wald gehört auch ein intakter Nährstoffkreislauf“, erklärt Dunkel. „Hier sind besonders die dünnen Resthölzer mit einem hohen Anteil der nährstoffhaltigen Rinde von Bedeutung. Diese sollen komplett im Wald verbleiben.“ Nötig seien diese vor allem, um einen gesunden, klimastabilen Wald zu erhalten, mit all seinen Bewohnern. Besonders Insekten sind auf diese Hölzer angewiesen.

„Besonders die dünnen Resthölzer mit einem hohen Anteil der nährstoffhaltigen Rinde sind von Bedeutung. Diese sollen komplett im Wald verbleiben“ – Klaus Dunkel, Landesforsten Rheinland-Pfalz

In Rheinhessen kann etwa in den Waldgebieten Ober-Olmer Wald, Vorholz, Jägerlust und Oppenheim Brennholz gekauft werden. Wie Leonie Münzer vom Forstamt Rheinhessen erklärt, liegt das Holz in ganzen Stämmen am Waldweg und muss von den Kunden selbst aufgearbeitet werden. Bestellt wird hier vorab über ein Formular auf der Webseite des Forstamts.

Je nach Region gibt es jedoch Unterschiede bei den Kosten: Während etwa in den Waldgebieten Vorholz und Jägerlust das Holz 70 Euro pro Festmeter kostet, ist es im Ober-Olmer Wald und Oppenheim um 20 Euro pro Meter teurer. Grund sei das geringere Angebote und ein erhöhter Arbeitsaufwand. Damit liegen die Preise um etwa 10 Euro über denen vom vergangenen Jahr. Auch die Menge ist begrenzt, auf maximal zehn Festmeter. „Damit soll ‘Hamsterkäufen’ vorgebeugt und gewährleistet werden, dass möglichst viele Anfragen bedient werden können“, so Münzer.

Im Mainzer Lennebergwald wird übrigens bereits seit einem Jahr kein Brennholz mehr verkauft, da die Bäume hier stark von Waldschäden durch den Klimawandel betroffen sind. Die noch bestehenden Nadelholzbestände würden nur noch gefällt, wenn sie etwa Waldbesucher oder den Straßenverkehr gefährden. Das Holz der absterbenden Bäume werde bewusst im Wald belassen. „Es wird langfristig als Nährstoff- und Wasserspeicher für die nachfolgenden Waldgenerationen gebraucht“, so Revierförster Stefan Dorschel.

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