Ist Mainz fürs Shopping noch attraktiv?

Ob Shoppen in der Mainzer Innenstadt noch Spaß macht, darüber sind viele geteilter Meinung. Doch was sagen Wirtschaftsdezernentin und Citymanager zur Attraktivität der Innenstadt? Und welche Verbesserungsvorschläge gibt es?

Ist Mainz fürs Shopping noch attraktiv?

Durch die Geschäfte bummeln, das ist für viele eine willkommene Freizeitbeschäftigung. Doch auch für alltägliche Besorgungen muss ein Gang in die Stadt manchmal sein. Doch ist Mainz überhaupt noch eine attraktive Shopping-Stadt? Einige Merkurist-Leser sehen das kritisch:

Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) hält Mainz nach wie vor für sehr attraktiv. „Die Innenstadt hat tolle Sehenswürdigkeiten. Es gibt ein lebendiges Kulturleben, eine schöne Gastronomie und ein breites Einzelhandelssortiment. Das bringt nicht nur die Bürger, sondern auch Touristen in die Stadt.“ Gerade die Ansiedlung von Ketten sei ein entscheidender Faktor, so Matz weiter. „Wenn man attraktiv für Filialisten ist, ist man generell als Einzelhandelsstandort attraktiv.“ Zwar schließen einige Unternehmen wie „Karstadt“, „S. Oliver“ und „Conrad“ ihre Filialbetriebe, das liege aber nicht unbedingt an der generellen Attraktivität von Mainz. „Bei Karstadt zum Beispiel wurden sicherlich Fehler im Management gemacht, bei Conrad ändert man das Geschäftsmodell – es passt schlichtweg nicht mehr zu einem Filialbetrieb in Mainz. Aber das Unternehmen hat in Aussicht gestellt, nach Mainz zurückzukehren.“

„Die Stadt ist für den Handel sehr dynamisch“

Auch Citymanager Dominique Liggins hält Mainz grundsätzlich für einen attraktiven Handelsstandort. „Die Stadt ist für den Handel sehr dynamisch. Es mangelt unserer Stadt nicht an Attraktivität – hier ist kein Totentanz.“ Natürlich konkurriere man mit Wiesbaden, Frankfurt, Darmstadt und kleineren Städten in der Region - aber man profitiere auch von diesen Städten. „Es gibt zum Beispiel einen größeren Kundenstrom von Wiesbaden nach Mainz als umgekehrt.“

Er sieht aber auch ein Problem. „In Mainz ist das Zentrum sehr weit auseinandergezogen.“ Und: „Wir müssen uns in Zukunft überlegen: Ist das Modell der Innenstadt, so wir es bisher kennen, noch zu 100 Prozent zeitgemäß?“ Für Liggins steht hier das Thema Einkaufserlebnis im Vordergrund. „Es geht nicht mehr rein um das Bedürfnis. Das kann jeder heutzutage einfach und bequem online abwickeln.“

Wie solch ein erlebnisorientiertes Einkaufen aussehen kann, zeige das Modehaus Engelhorn in Mannheim. „Dort gibt es vier Restaurants, Bistros, Cafés sowie einen Exklusivbereich, wo Sonderaktionen angeboten werden. Im dazugehörigen Sportladen kann man Wanderschuhe auf speziellen Trails vor Ort ausprobieren – das ist Erlebnis pur. Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein reiner Textilhandel anders aufgezogen werden kann. Und dieses Geschäft ist ein absoluter Magnet – nicht nur in Mannheim.“ Selbst Mainzer fahren zum Einkaufen dorthin, obwohl die Marken sich nicht so sehr von denen unterscheiden, die es in Mainz zu kaufen gibt, so Liggins. Ließe sich das auch in Mainz umsetzen? „Es gab mal eine Diskussion um eine Art Markthalle in Mainz – solche Hallen sind immer ein Magnet. Leider kam das aber nicht zustande, dort ist jetzt ein Supermarkt in der Altstadt.“

Stationärer Handel muss sich mit Online-Konzepten beschäftigen

Die Idee des Merkurist-Lesers greift auch Liggins auf. „Der Handel verlässt sich meines Erachtens immer noch zu sehr auf ein klassisches, stationäres Modell. Der Kunde soll in den Laden – dort findet sozusagen die Magie statt“, sagt der Citymanager. Heute müsse man als Händler aber Aufmerksamkeit auf das Geschäft, die Waren oder die Geschichte lenken - „und das geht am einfachsten über soziale Medien. Die funktionieren zudem auch kostenlos“.

Man müsse sich als Einzelhändler mit digitalen Themen beschäftigen. „Ohne digitale Präsenz wird Handel in der Form, wie wir ihn kennen, nicht mehr möglich sein.“ Viele Betreiber mussten laut Liggins in der Corona-Krise auf das Internet zurückgreifen – ein Umdenken habe aber längst nicht bei allen stattgefunden. „Und das prangere ich auch an. Ich behaupte nicht, dass jeder mit Online-Geschäft sein Business retten kann, aber wenn ich sehe, dass manche Geschäfte keine gute Web-Präsenz haben, nicht mal einen Google-Business-Eintrag haben, dann wundere ich mich. Klar: Nicht für jede Ware ist der Online-Bereich die Lösung.“ Händler müssen, so Liggins, eine Kompetenz im Umgang mit sozialen Medien erlangen. „Hier möchten die Wirtschaftsförderung und ich ansetzen, dass wir diese Medienkompetenz vermitteln. Wir müssen den Händlern einen Zugang vermitteln und Barrieren abbauen.“

Ob kostenfreies Parken mehr Kunden in die Innenstadt locken würde, bezweifelt der Citymanager. „Es wird für die Kunden nur ein Goodie sein. Der Grundtenor im Handel ist: Wir brauchen den Individualverkehr in der Stadt, weil die Menschen aus dem Umland mit dem Auto zu uns kommen.“ Man müsse auf jeden Fall darüber nachdenken, inwieweit eine Belastung durch Individualverkehr auch zu einer Abnahme der Attraktivität führe. Liggins glaubt zum Beispiel, dass die jüngere Generation lieber keine Autos durch die Große Langgasse, Weißliliengasse oder Große Bleiche fahren sehen möchte. „Im stationären Handel geht man aber davon aus, dass viele Ältere mit dem Auto in die Stadt kommen und ihre Autos auf Kurzzeitparkplätzen abstellen, in das Geschäft reingehen, kaufen und wieder rausgehen. Um das seriös zu bewerten, müsste man aber Studien durchführen und messen, welchen Einfluss es hätte, wenn manche Stellen zeitweise autofrei bleiben.“

Eine Reduzierung des Individualverkehrs sei nur dann möglich und sinnvoll, wenn es andere Angebote gebe und strukturell nachgearbeitet werde. „Es braucht dann unbedingt ein Parkleitsystem, um die Menschen gezielt in unsere Parkhäuser zu leiten. Die Zahl der Parkmöglichkeiten um die Stadt herum muss ausreichend sein und von dort aus muss man wie in anderen Städten dann bequem und schnell überall hinkommen. Ohne Maßnahmen, die dann Alternativen bilden, kann man den Individualverkehr auch nicht einfach so aus der Stadt verbannen.“

Welche Ideen habt Ihr für eine attraktive Innenstadt? Postet sie unter den Artikel!

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