Ortsvorsteher: „Es wäre ein Skandal für Marienborn“

Ein Bäcker, ein kleiner Kiosk, eine Pizzeria: Für die Marienborner vom Sonnigen Hang sind die kleinen Geschäfte im Einkaufszentrum ein wichtiger Treffpunkt. Nun wurde das Gebäude verkauft, die Zukunft der Einrichtung ist ungewiss.

Ortsvorsteher: „Es wäre ein Skandal für Marienborn“

Zwischen den Hochhäusern „Am Sonnigen Hang“ liegt ein kleines Einkaufszentrum. Für viele Marienborner ist es seit Jahrzehnten ein wichtiger Anlaufpunkt. Früher boten in den Hochhäusern Prostituierte ihre Dienste in Terminwohnungen an, Blaulicht und Sirenen gehörten zum Alltag. Seitdem hat sich viel getan. Grund dafür sind vor allem die sozialen Einrichtungen, die ihre Anlaufstelle in dem kleinen Flachbau haben. Das 1984 erbaute Gebäude wurde nun an einen Investor verkauft - wie es mit den kleinen Geschäften und sozialen Einrichtungen im Haus weitergeht, ist unklar.

Zentraler Punkt für das Viertel

„Seit es diese Einrichtungen gibt, konnten wir viel tun. Wir sind Anlaufstelle für viele verschiedene Gruppen geworden. Von Rentnern, Familien, Menschen mit psychischen Problemen. Bei uns findet jeder Hilfe“, erklärt Christiane Gehardt, Vorsitzende des Vereins „Treffpunkt Marienborn“. Dass es diese Anlaufstelle bald nicht mehr geben könnte, ist für die Verantwortlichen nicht vorstellbar. „Es ist ein Skandal für Marienborn und die sowieso schon schlechte Infrastruktur“, sagt Ortsvorsteher Dr. Claudius Moseler (ÖDP).

Gerade gibt es in Marienborn selbst keine Einkaufsmöglichkeiten. Abgesehen von einem Metzger und einem Postlager, sind die Bewohner rund um den Sonnigen Hang auf den Kiosk und die kleine Bäckerei im Einkaufszentrum angewiesen. Auch die einzige Gaststätte in Marienborn, eine Pizzeria, befindet sich dort. Würde das Haus abgerissen werden, würde der einzige Treffpunkt für Vereine und Gruppen verloren gehen, so Moseler.

Verlust von Anlaufstellen

Das Einkaufszentrum ist außerdem eine Anlaufstelle für die soziale Arbeit: Der „Treffpunkt Marienborn“ und das „Centrum der Begegnung Haus der Familie Mainz Marienborn“ haben hier ihren Sitz und sind damit aktuell auch Mieter. Dass sie ihre Räumlichkeiten verlieren, haben sie über Umwege gehört: „Wir waren irritiert, das aus der Zeitung erfahren zu müssen“, sagt Carola Herbrik, Koordinatorin im Centrum für Begegnung. „Sollte das Haus abgerissen werden, stehen auch einige Stellen auf dem Spiel.“ Neben den Ehrenamtlichen gibt es hier auch Angestellte, die sich etwa um Deutsch-Kurse, ein Mütter-Café und andere Veranstaltungen in den sozialen Einrichtungen kümmern.

Christiane Gehardt vom Verein „Treffpunkt“ ist seit der Anfangszeit dabei. Sie selbst wohnt in einem der Hochhäuser am Sonnigen Hang und kennt die Menschen und ihre Schicksale gut: „Wir haben über Jahre Vertrauen zu den Menschen aufgebaut. Wenn wir für die zwei Jahre Bauzeit von hier weg müssen, wird das zerstört. Dann sind wir in der Entwicklung hier ganz schnell wieder einen Schritt zurück.“

„Der Wunsch nach Klarheit ist groß.“ - Carola Herbrik

Nicht nur der Ortsvorsteher und die betroffenen Mieter engagieren sich für den Erhalt des Einkaufszentrums. „Die Solidarität ist unglaublich groß. Es werden Unterschriften gesammelt und alle in Marienborn vertretenen Parteien setzen sich gemeinsam ein“, erklärt Moseler. „Jeder macht sich Sorgen. Auch aus der Stadt und den umliegenden Stadtteilen haben wir Unterstützung zugesagt bekommen“, sagt Christiane Gehardt.

Bis jetzt nur Gespräche geplant

In den nächsten Tagen sind Gespräche mit der Stadt, aber auch den Investoren geplant. Der neue Eigentümer, Reiner Fischer von Fischer Immobau GmbH, ist für diese Gespräche offen: „Wir suchen nach einer gemeinsamen Lösung. Das Gespräch mit der Stadt und den verantwortlichen Personen wird gerne gesucht.“ Was sich daraus ergeben wird, ist noch unklar. Ortsvorsteher Moseler hofft auf einen guten Ausgang: „Wir wären froh, wenn wir die Angebote in den neuen Bau integrieren könnten. Für die Übergangsphase müssen wir dann nach passenden Alternativen suchen.“ Auch Carola Herbrik vom „Centrum für Begegnung“ hofft auf Unterstützung: „Unser Wunsch nach Informationen ist groß. Wir hoffen, dass wir nicht weiter im Unklaren bleiben, auch um für die Zukunft planen zu können.“

Mittlerweile fanden erste Gesprächen zwischen der Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) und dem Ortsbeirat statt. Auch der Investor traf sich am Donnerstag mit der Baudezernentin für ein erstes Gespräch zum geplanten Bauvorhaben „Am Sonnigen Hang“. Vereinbart wurde, dass der Investor zeitnah die Mieter über die allgemeinen Rahmenbedingungen informiert und gemeinsam mit den Mitgliedern des Ortsbeirats über den bisherigen Planungsstand in Kenntnis setzt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. (df)

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