Anlieger gehen vor den Rechtsausschuss: Geplanter Aufzug sorgt für Ärger

Eigentlich freuen sich Vermieter und Geschäftsbetreiber auf dem Lerchenberg über die Modernisierung des Einkaufszentrums vor Ort. Doch ein Aufzugturm sorgt für Ärger. Zwei Anlieger sind nun vor den Stadtrechtsausschuss gegangen.

Anlieger gehen vor den Rechtsausschuss: Geplanter Aufzug sorgt für Ärger

Noch versprüht das Einkaufszentrum auf dem Mainzer Lerchenberg den Charme der Siebzigerjahre, doch das soll sich bald ändern: Für rund 1,7 Millionen Euro wird das Herzstück des Stadtteils modernisiert (wir berichteten). Bis zu 90 Prozent der Kosten sollen vom Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ getragen werden, doch nach jahrelanger Planung gibt es nun Streit um einen zentralen Punkt der Sanierungsarbeiten.

Denn ein wichtiger Teil der Modernisierung ist die Barrierefreiheit. Dafür sollen unter anderem Rollstuhlrampen flacher umgebaut werden, da sie derzeit offenbar zu steil sind. Doch das ist nicht alles: In der Regerstraße soll für rund 425.000 Euro ein fast zehn Meter hoher Aufzugturm entstehen, der die Straße mit dem Einkaufszentrum verbindet. Kostenpunkt für die jährliche Instandhaltung laut der Stadt: rund 1000 Euro. Zwei Anlieger protestieren nun gegen den Bau des Aufzugs. Sie haben Widerspruch dagegen eingelegt, wie die Anlieger und die Stadt Mainz gegenüber Merkurist bestätigen. Der für April geplante Baubeginn verzögert sich nach Angaben einer Stadtsprecherin nun womöglich, bis der Stadtrechtsausschuss den Widerspruch geprüft hat und seine Entscheidung fällt.

Anlieger sehen keinen Grund für mehr Barrierefreiheit

Gegenüber Merkurist erklärt einer der Lerchenberg-Anlieger: „Ich weiß nicht, warum mit solchem Nachdruck auf den Turm bestanden wird. Es gibt keinen Grund, hier für Barrierefreiheit zu sorgen.“ Es reiche aus, wenn die Rollstuhlrampen im Einkaufszentrum abgeflacht würden. Schließlich sei das Einkaufszentrum zwar von der Regerstraße nur über eine Treppe zugänglich, von der Hindemithstraße auf der anderen Seite können Kunden das Einkaufszentrum jedoch barrierefrei erreichen. „Wir hätten kein Problem mit dem Aufzug, wenn er denn wirklich gebraucht würde“, so ein anderer Anlieger.

Beide kritisieren zudem, dass vorab keine Bedarfsanalyse gemacht wurde, wie viele gehbehinderte Menschen vom Bau des Aufzuges überhaupt profitieren würden. Eine Stadtsprecherin sagt dazu: „Konkrete Zahlen zur Nutzungshäufigkeit für den geplanten Aufzug liegen der Stadt Mainz nicht vor. Die Schaffung von Barrierefreiheit ist ein grundsätzliches Planungserfordernis unabhängig von der Anzahl der zu erwartenden Nutzer.“

Aufzug nur für Gehbehinderte?

Wie die Stadt weiter erklärt, sei der Aufzug zuvor in öffentlichen Planungswerkstätten diskutiert und befürwortet worden. Zudem hätten auch Beauftrage für die Belange von Menschen mit Behinderungen die Maßnahme befürwortet. Der Aufzug komme ohnehin nicht nur Behinderten zu Gute, sondern auch Senioren oder Eltern mit Kinderwagen. Eine Stadtsprecherin erklärt weiter: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird davon ausgegangen, dass der Anteil der älteren Menschen ständig zunehmen wird.“ Die Anlieger entgegnen, dass der Aufzug zwar schon länger geplant sei, der freistehende Turm aber erstmals Ende 2020 in den Plänen auftauchte. Durch die neuen Pläne werde das Projekt nochmals teurer, da eine Verbindungsbrücke zwischen Turm und Einkaufszentrum geschaffen werden muss.

„Letztlich würde der Aufzugturm das Einkaufszentrum eher runterziehen als aufwerten.“ - Lerchenberg-Anlieger

Beide Anlieger sehen jedoch auch Nachteile für ihre Immobilien, die sich unmittelbar dort befinden, wo der Turm gebaut werden soll. Sie befürchten, dass die dunkle Ecke, die durch den Turm entsteht, Wildpinkler anzieht. Außerdem sei es nur eine Frage der Zeit, bis der Turm Vandalismus und Schmierereien ausgesetzt sei. Ein weiterer Punkt der Anlieger: „Man sieht alleine an Bahnhöfen und ähnlichen öffentlichen Plätzen, wie oft Aufzüge gewartet werden müssen oder defekt sind. Wir befürchten hohe Instandhaltungskosten.“ Die von der Stadt genannten 1000 Euro pro Jahr seien laut einem der Anlieger deutlich zu niedrig angesetzt.

Die Anlieger meinen: „Auf Dauer wird dieses Bauwerk doch gar nicht gebraucht, das Geld könnte für andere Projekte in Mainz viel sinnvoller investiert werden. Letztlich würde der Aufzugturm das Einkaufszentrum eher runterziehen als aufwerten.“ Klar sei aber auch, dass die Modernisierung des Zentrums grundsätzlich richtig und gut sei.

Ortsvorsteherin will vermitteln

Auch die Lerchenberger Ortsvorsteherin Sissi Westrich (SPD) weiß um die Aufzug-Diskussion. Gegenüber Merkurist sagt sie: „Dass viele ältere Bürger:innen des Lerchenbergs eine andere Haltung zum Aufzug haben als eventuell Eigentümer von Gebäuden, ist meines Erachtens gut nachvollziehbar.“ Als Ortsvorsteherin wolle sie die Beweggründe beider Seiten verständlich machen und Gespräche anstoßen.

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