Leerstände in der Mainzer Innenstadt eine Momentaufnahme?

Ist sie nun attraktiv genug oder dümpelt sie vor sich hin? Über die Attraktivität der Mainzer Innenstadt gehen die Meinungen auseinander. Nun gibt es Ärger um Födermittel und um den Leerstand in der City. Was die Wirtschaftsdezernentin sagt.

Leerstände in der Mainzer Innenstadt eine Momentaufnahme?

Wird der Leerstand in der Mainzer Innenstadt zum Problem, und leidet damit die Attraktivität der City? Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Mainzer City-Carré, Dieter Grünewald, würde diese Frage mit einem entschiedenen „Ja“ beantworten. Viel mehr noch befürchtet der ehemalige Mainzer Geschäftsmann, dass in den nächsten Monaten noch weitere Geschäfte schließen könnten, sollten notwendige Hilfen ausbleiben.

„Große Zweifel an Wende“

„Es muss sofort etwas passieren, langfristige Pläne helfen uns jetzt nicht weiter“, sagt Grünewald und spielt damit auf den im April von Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) vorgestellten Maßnahmen-Katalog zu Belebung der Mainzer Innenstadt an (wir berichteten). Bei den rund 70 Maßnahmen handelt es sich um eine „Grundidee beziehungsweise Basis, an der in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren ständig gearbeitet werden soll“, wie Matz erklärte.

Für viele Händler kämen solche Versprechen aber längst zu spät, sagt Grünewald. Weit mehr als 30 Leerstände beziehungsweise Betriebsaufgaben, davon allein mehr als 20 in seinem City-Carré, habe er zuletzt gezählt. „Das Ende dürfte hier aber noch nicht erreicht sein.“ Eines stehe für ihn jedoch heute schon fest: „Ich hege große Zweifel daran, dass die Wirtschaftsdezernentin die Wende schafft, wenn sie weiterhin unumgängliche Maßnahmen nicht zeitnah aufgreift, wie das Beheben der zahlreichen Mängel in der Innenstadt, die Kunden und Gäste davon abhalten, die Innenstadt zu besuchen.“

Wie Grünewald meint, müssten jedenfalls genügend Fördermittel für eine optische und qualitative Aufwertung der Mainzer City vorhanden sein. Dazu zählt er die 486.000 Euro Fördermittel des Landes Rheinland-Pfalz, die Mainz anlässlich des Modell-Projekts „Innenstadt-Impulse“ erhalten hat (wir berichteten). Außerdem nennt Grünewald das 50-Millionen-Euro-Paket, das kürzlich aufgelegt wurde und als Investitionsplan für Mainz gilt.

Dann legt Grünewald noch einmal nach und kritisiert sowohl Wirtschaftsdezernentin Matz als auch Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD): „Der Zeitpunkt scheint gekommen, wo es richtig krachen wird, denn es kann nicht angehen, dass zwei Personen, die Verantwortung für die Stadt und ihre Bewohner tragen, derart zerstritten sind, sich gegenseitig in die Pfanne hauen und nach außen so tun, dass sie zwar mitunter unterschiedlicher Meinung sind, sich jedoch ansonsten gut verstehen.“ Wie können vor diesem Hintergrund eigentlich Entscheidungen gefällt werden, die den Bürgern und Gewerbetreibenden helfen?, fragt Grünewald.

So reagiert Wirtschaftsdezernentin Matz

Doch wie bewertet nun die Wirtschaftsdezernentin die Aussagen Grünewalds? Zu den Leerständen erklärt Matz, dass der Verwaltung aktuell etwa 30 leerstehende Geschäfte in der Innenstadt bekannt seien. Im Innenstadt-Monitoring 2021 habe man 32 Leerstände bei 813 gewerblichen Immobilien gezählt. Hieraus ergebe sich eine Leerstandsquote von 3,9 Prozent, die im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent rückläufig war. „Von einer dramatischen Veränderung von 2021 auf 2022 kann daher nicht gesprochen werden.“

Zudem würden wissenschaftliche Studien diese Einschätzung einer „robusten Mainzer Innenstadt“ unterstützen. So habe die Leerstandsquote deutscher Kommunen vor Ausbruch der Corona-Pandemie bereits bei zehn Prozent gelegen, sagt Matz. Generell sei die Mainzer Innenstadt ein dynamischer und attraktiver Wirtschaftsort. So könne man beobachten, dass Leerstände oft kurzfristig wieder bespielt würden. 2021 seien bereits 52 Prozent der 2020 leerstehenden Geschäfte dauerhaft neu vermietet. „Daher kann auch von einer Bespielung bestehender Leerstände bis Ende 2022 ausgegangen werden“, sagt Matz. Ob, wie schnell und mit welcher Branche ein Geschäft neu vermietet wird, unterliege dem Grundsatz der Marktfreiheit und damit der „Anbieter- und Konsumentensouveränität“, in diesem Fall also den Vermietern und Mietern.

Doch wie sieht es mit den Fördermitteln aus, werden noch in diesem Jahr Maßnahmen ergriffen? „Dies ist bereits intendiert. Mit Hilfe der Förderung soll ein aktives Leerstandsmanagement etabliert werden. Leerstehende Ladenlokale sollen angemietet und neu genutzt werden, etwa durch Pop-Up-Stores oder Existenzgründer:innen“, macht Matz deutlich. Des Weiteren solle eine digitale Plattform für die Kommunikation zwischen Gewerbevereinen, Mainz Citymanagement e.V., Wirtschaftsförderung, Maklern und Bürgern aufgebaut werden.

Dies ermögliche einen optimalen Informationstransfer. Die Mainzer Innenstadt soll zudem durch Infotafeln und Installationen in leerstehenden Ladenlokalen zur „Museumsmeile“ werden. Im Zuge einer Innenstadtkampagne soll die Innenstadt attraktiv und auch jahreszeitlich abgestimmt auftreten, erklärt Matz. Außerdem würde durch eine Erweiterung der MAINZ-App das virtuelle Erleben der Stadt Mainz ausgebaut und noch interessanter als bisher. „Alle diese Maßnahmen stimmen uns positiv, dass die Mainzer Innenstadt weiterhin attraktiv bleibt.“

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