Warum gibt es so viele Augenoptiker in der Innenstadt?

Wer eine Brille oder Kontaktlinsen braucht, der geht zum Augenoptiker. In Mainz bieten sich der Kundschaft dafür zahlreiche Möglichkeiten. 19 Geschäfte gibt es allein in der Innenstadt. Doch warum ist das so?

Warum gibt es so viele Augenoptiker in der Innenstadt?

Rund 12 Millionen Brillen - so viele wurden laut Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen bundesweit im Jahr 2018 verkauft. Auch in Mainz können sich Kunden in diversen Fachgeschäften ihre Brille oder Kontaktlinsen anpassen lassen. Im September erst hat mit „Abele Optik“ ein weiteres eröffnet. Damit gibt es in Mainz laut Handwerkskammer Rheinhessen insgesamt 28 Augenoptiker, allein in der Innenstadt sind es 19. Ein Merkurist-Leser fragt sich daher in seinem Snip: „Wie viele Optiker sollen noch in der Innenstadt öffnen? Alle paar Meter ist irgendwann genug!“

Einen Boom können sowohl die Augenoptiker-Innung Rheinland-Pfalz/Saarland als auch die Handwerkskammer Rheinhessen nicht ausmachen. Schaue man sich den bundesweiten Trend an, gehe die Zahl an augenoptischen Fachgeschäften seit dem Jahr 2013 eigentlich kontinuierlich zurück, so Peter Kupczyk, Geschäftsführer der Augenoptiker-Innung. In Mainz verhalte sich dies konträr zum Bundestrend. „Welche Gründe für die kontinuierlich hohe Zahl an Augenoptikern in der Innenstadt vorliegen, kann pauschal nicht gesagt werden. Eventuell liegt dies an der jährlich steigenden Zahl an Einwohnern sowie dem demografischen Wandel.“

Der demografische Wandel sei auf jeden Fall ein Aspekt, der bei der Anzahl der Fachgeschäfte in Ballungszentren eine Rolle spiele. Auch sei die Universität und der daraus resultierende Wechsel an Einwohnern eventuell ein Aspekt. „Persönliche Präferenzen und Erfahrungswerte aus der Heimat sind mitentscheidend dafür, welcher Augenoptiker aufgesucht wird“, sagt Kupczyk.

Demografischer Wandel und Infrastruktur

Auch Anja Obermann, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Rheinhessen, sieht die Ursache im demografischen Wandel. „Der demografische Wandel hat mit Sicherheit Auswirkungen auch auf die Nachfrage nach Brillen und Sehhilfen aller Art. Im Alter lässt die Sehleistung nach. Ebenso groß ist aber auch die heute fast lückenlos vorhandene Akzeptanz zum Tragen einer Brille, die eher als modisches Accessoire denn als störendes Beiwerk angesehen wird.“

Kupczyk vermutet auch noch etwas anderes: „Eventuell gibt es in Mainz eine spezielle Konkurrenzsituation, in der sich verschiedene Filialisten behaupten wollen und den Markt besetzen. Dabei hält sich die Waage zwischen Neueröffnungen und ‘alteingesessenen’ Betrieben.“ Auch die Infrastruktur der Stadt könne etwas mit der überdurchschnittlichen Ansiedlung zu tun haben. „Durch die sechs Einkaufsviertel mit guter Verkehrsanbindung ist möglicherweise für Firmen in der Landeshauptstadt eine besondere Umgebung geschaffen worden, die anziehend wirkt.“

Auch das Ansehen des Berufs steige, die Zahl der Azubis in Mainz habe sich leicht erhöht, sagt Obermann. „Dies ist insbesondere der Tatsache zu verdanken, dass es sich langsam herumspricht, welch abwechslungsreicher Beruf der Augenoptiker ist. In diesem Beruf ist man wie kaum in anderen Berufen mit Themen aus den Bereichen Technik und Handwerk, Gesundheit und Umgang mit Menschen beschäftigt und kann direkt Personen helfen. Dies bringt für die Mitarbeiter auch ein direktes und unmittelbares Erfolgserlebnis.“ Vielleicht auch ein Grund dafür, dass mehr Augenoptiker-Geschäfte in der Innenstadt zu finden sind. (pk)

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