Dank Biontech-Milliarden: Stadt Mainz will Kastel und Kostheim zurückkaufen

Die Stadt Mainz ist dank Biontech so reich wie nie. Jetzt soll der erste große Plan umgesetzt werden: die Eingemeindung von Kastel und Kostheim. Was dahinter steckt.

Dank Biontech-Milliarden: Stadt Mainz will Kastel und Kostheim zurückkaufen

Viele Jahrzehnte lang war es nur ein Traum, doch jetzt soll er tatsächlich wahr werden: Die Stadt Mainz will die früheren Stadtteile Kastel und Kostheim zurückkaufen. Möglich machen es die Milliarden-Einnahmen durch das Unternehmen Biontech.

Zur Erinnerung: Kastel und Kostheim waren 1908 beziehungsweise 1913 nach Mainz eingemeindet worden. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg legten Amerikaner und Franzosen den Rhein als Grenze zwischen ihren Besatzungszonen fest. Das linksrheinische Mainz kam in französische, die rechtsrheinischen Stadtteile Amöneburg, Kastel und Kostheim sowie Bischofsheim, Ginsheim und Gustavsburg kamen in amerikanische Hand. Wiesbaden übernahm die treuhändische Verwaltung über Kostheim, Kastel sowie Amöneburg.

„Dabei denkt sicher niemand an die Marktkirche in Wiesbaden“

Doch für die meisten Mainzer gehören die drei Stadtteile immer noch zu Mainz. So sieht es auch der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD): „An uns soll es nicht liegen“, sagte er zum Beispiel 2017 gegenüber Merkurist. Denn, so Ebling, in AKK seien immerhin noch viele öffentliche Flächen im Besitz der Stadt Mainz, die Leitungen gehörten den Mainzer Stadtwerken und an Fastnacht singe man dort von „unserm Dom“. „Dabei denkt sicher niemand an die Marktkirche in Wiesbaden.“ Ganz davon abgesehen, dass alle drei Stadtteile immer noch „Mainz“ im Namen tragen.

Gleichzeitig sah Ebling aber die Chancen auf eine Eingliederung als nicht sehr realistisch an. „Das würde voraussetzen, dass eine hessische Landesregierung eine Länderneugliederung zu ihren Lasten betreibt - das ist doch sehr unwahrscheinlich.“ Denn eine Rückgabe des AKK-Gebietes könnte nur mit einem Staatsvertrag der beteiligten Länder zustandekommen. Aber: „Den juristischen Anspruch halten wir weiter aufrecht“, so Ebling damals, „die Stadt Mainz verzichtet nicht auf AKK.“

Biontech-Milliarden ändern alles

Jetzt hat sich eine entscheidende Komponente geändert: Dank des Impfstoff-Wunders von Biontech hat die Stadt Mainz hunderte Millionen von zusätzlichen Steuergeldern eingenommen. Auch in den nächsten Jahren wird das vermutlich so bleiben. Deshalb hat die Stadt den Hebesatz bei der Gewerbesteuer von 440 auf 310 Punkte gesenkt. In Wiesbaden liegt der Wert bei 454. Entsprechend groß ist die Kritik auf der anderen Rheinseite. „Wir betrachten das mit gewisser Sorge und verfolgen die Entwicklung in Mainz ganz genau“, sagte etwa Fabian Lauer von der IHK Wiesbaden der Hessenschau. Auch Politiker haben Angst, dass Unternehmen jetzt von Wiesbaden nach Mainz abwandern könnten.

Und jetzt kommen Kostheim und Kastel ins Spiel. Die Stadt Mainz bietet Wiesbaden einen Deal an: Wenn die beiden Stadtteile zurück nach Mainz kommen, erhält die Stadt Wiesbaden im Gegenzug jedes Jahr einen einstelligen Milliardenbetrag. An Amöneburg hat Mainz aktuell kein Interesse. Wie Merkurist erfuhr, ist man in Wiesbaden nicht abgeneigt von dem Plan. Eine endgültige Entscheidung soll Ende des Jahres fallen. Sollte dann noch die Stadtverordnetenversammlung ihr Okay geben, sei eine Zustimmung des Landes Hessen nur noch eine Formalie, so die Quelle gegenüber Merkurist.

Stadt Mainz hat große Pläne

Als Zeitpunkt für die Wiedereingliederung peilt die Stadt Mainz den 1. April 2023 an. Und dann sollen große Pläne umgesetzt werden: eine Straßenbahnverbindung über die Theodor-Heuss-Brücke, eine Fußgängerbrücke zur Maaraue und eine Entzerrung des Marktfrühstücks bis nach Kastel. Die bisherige Großraumdisko „Euro Palace“ soll zudem neues Mainzer Rathaus werden. Im alten Mainzer Rathaus, das derzeit saniert wird, will Kaufland eine neue Filiale eröffnen.

Außerdem sollen in Kastel und Kostheim weitere Biotechnologie-Unternehmen angesiedelt werden – um noch mehr Gewerbesteuer einzunehmen. Ein Sprecher sagt: „Dann könnten wir weitere Stadtteile kaufen. Zuerst Amöneburg, dann die früheren Stadtteile Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim. Danach könnte man weiter Richtung Hessen gehen, auch die Pfalz ist eine tolle Weingegend.“ Erfreulich sei auch, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mittlerweile eine vierte Impfung für alle ab 60 Jahren empfehle.

Ihr habt es schon erkannt: Es handelt sich natürlich um einen Aprilscherz.

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