Eine Schleife für mehr Aufmerksamkeit

Am Samstag vor dem Weltaidstag verteilen Mainzer Prominente Rote Schleifen und sammeln Spenden für die Aidshilfe. Auch in diesem Jahr waren unter anderem Oberbürgermeister Michael Ebling und Finanzministerin Doris Ahnen in der Altstadt unterwegs.

Eine Schleife für mehr Aufmerksamkeit

Ein kühler Wind weht an diesem Samstagmorgen über den Kirschgarten in Mainz. „Wir waren schon an kälteren Tagen hier, aber wenn man den ganzen Tag draußen steht, geht das irgendwann in die Knochen.“ Thomas Becker, von der Präventions- und Öffentlichkeitsarbeit der Mainzer Aids-Hilfe, reibt sich die Hände. Wie jedes Jahr am ersten Adventswochenende hat er gemeinsam mit Helfern einen Infostand aufgebaut. „Eigentlich bin ich das ganze Jahr über unterwegs“, erzählt er, bevor er sich zwei Frauen am Glücksrad zuwendet, die gerade einen Euro gespendet haben und nun am Rad drehen dürfen. „Wir wollten eigentlich nur spenden“, erzählt eine der beiden, das gewonnene Buch nimmt sie aber entgegen. „Ein Weihnachtsgeschenk habe ich damit schon“, lacht sie und heftet sich die Aids-Schleife, die sie dazu erhält, an den Schal.

Becker freut sich über die Spenden, an erster Stelle stehe für ihn aber die Aufmerksamkeit. Dabei bleibt er zurückhaltend, spricht niemanden direkt an, sondern wartet, bis die Leute an den Stand kommen. „Ich möchte informieren, aber nicht aufdringlich sein.“ Deswegen frage er jedes Jahr im August Prominente an, ob sie für ihn Spenden sammeln. Die Resonanz sei dabei meist positiv: „Viele sind schon seit Jahren dabei und kommen gerne wieder.“

Diskriminierung und Stigmatisierung

Eine davon ist Tabea Rößner, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen. Sie hat bereits Schleifen verteilt und Geld gesammelt und übergibt ihre Spendendose den Helfern am Infostand. „Die Aids-Hilfe leistet enorm wichtige Arbeit“, erklärt sie ihr Engagement. „Das Problem nimmt nicht ab, im Gegenteil steigt die Zahl der Neuansteckungen.“ Mit der Aktion könne man den Leuten HIV-Infektionen ins Bewusstsein rufen.

„Hast du keine Angst, dich anzustecken?“, hätten einige von Beckers Kommilitonen gefragt, als er sein erstes Praktikum bei der Aidshilfe machte. Deswegen möchte er nicht nur über Prävention aufklären, sondern auch über die Krankheit selbst. In Deutschland leben etwa 85.000 Menschen mit HIV.

Die meisten von ihnen haben durch sehr gute HIV-Medikamente eine normale Lebenserwartung und können wie jeder andere am Leben teilnehmen, litten laut Becker aber immer noch, weil sie ausgegrenzt würden: „HIV-positive Menschen erleben häufig Diskriminierung und Stigmatisierung, viele halten ihre Infektion aus Angst vor Mobbing am Arbeitsplatz geheim.“ Das liege daran, dass viele ihrer Mitmenschen Angst vor einer Infektion haben. Die Gründe seien häufig Vorurteile und Unwissen. „Positiv zusammen leben" lautet das Motto der diesjährigen Kampagne zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember.

Aufgeschlossene Mainzer

„Es ist ein kontinuierliches Thema, dafür reicht es nicht, nur einmal zu sammeln. Wir wollen Präventionsarbeit langfristig unterstützen“, sagt Doris Ahnen, rheinland-pfälzische Finanzministerin, bevor sie mit Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) zum Spendensammeln aufbricht. Wie lange genau sie schon dabei sind, kann keiner von beiden sagen, aber offensichtlich lange genug, um die Aufgaben klar zu verteilen: „Ich halte die Dose und du bist charmant“, lacht Ebling.

Dass sie mit diesem Konzept Erfolg haben, beweisen sie, als sie gegen 13 Uhr mit der vollen Spendendose zurückkommen. „Die Leute sind sehr aufgeschlossen und wir konnten viele Schleifen verteilen“, freut sich Ahnen. Bis 16 Uhr zogen bekannte Mainzer wie Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD), David Dietz (FDP), Pia Schellhammer und Daniel Köbler (Bündnis 90/Die Grünen) oder Dr. Johanna Becker, Leiterin der Leitstelle für Ehrenamt und Bürgerbeteiligung durch die Altstadt, um Spenden für die Aidshilfe zu sammeln.

Am Weltaidstag, dem ersten Dezember, stellt der Autor Matthias Gerschwitz im LOMO seine Bücher „Endlich mal was Positives - Band 1 und 2“ vor. Darin thematisiert er den Umgang mit der Immunschwäche HIV. Die Lesung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei.

Logo