Bestseller-Autorin wird in Mainz von Malu Dreyer ausgezeichnet

Nino Haratischwili wird im Mainzer Staatstheater von der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin für besondere Verdienste um die deutsche Sprache geehrt.

Bestseller-Autorin wird in Mainz von Malu Dreyer ausgezeichnet

Jedes Jahr wird am Todestag des berühmten Schriftstellers Carl Zuckmayer ein anderer Autor mit einer Medaille geehrt, die nach ihm benannt wurde. Sie wird vom Land Rheinland-Pfalz an Menschen vergeben, die sich um die deutsche Sprache in besonderer Weise verdient gemacht haben. Die Verdienste werden mit einer individuell gestalteten Kulturveranstaltung im Mainzer Staatstheater gewürdigt. Außer der Medaille, die der Künstler Otto Kallenbach gestaltet hat, bekommt der Preisträger ein 30-Liter-Fass Nackenheimer Wein, denn das war der Lieblingswein Carl Zuckmayers.

In diesem Jahr wird die deutsch-georgische Autorin Nino Haratischwili ausgezeichnet. Sie erhält am heutigen Mittwochabend die 46. Carl-Zuckmayer-Medaille. Überreicht wird ihr die Auszeichnung um 19 Uhr von Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD).

Die Schriftstellerin, Dramatikerin und Theaterregisseurin Nino Haratischwili wurde 1983 in Tiflis geboren und lebt seit 2003 in Deutschland. Schon als Schülerin gründete sie eine deutsch-georgische Theatergruppe und machte sich in ihrer Wahlheimat Hamburg am Thalia Theater als Hausautorin, Dramaturgin und Regisseurin rasch einen Namen. Sie selbst bezeichnet sich als Grenzgängerin zwischen Kulturen, die sie als sehr gegensätzlich empfindet. Mit ihrem dritten Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“ schaffte sie den großen Durchbruch bei Kritikern und beim Publikum.

Das 1280 Seiten lange Werk aus dem Jahr 2014 ist ein monumentaler Gesellschaftsroman, der über sechs Generationen hinweg das Leben einer georgischen Familie im 20. Jahrhundert nachzeichnet. Er wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und avancierte zum internationalen Bestseller. Mit „Die Katze und der General“ (2018), ihrem vierten Roman, der in Tschetschenien spielt, stand die vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Ihr jüngster Roman „Das mangelnde Licht“ (2022) erzählt von vier Freundinnen, die sich nach Jahrzehnten wiedersehen und auf ihre Jugend in Georgien zurückblicken.

Aktuelle Themen, anschauliche Sprache

„Nino Haratischwili gelingt es auf faszinierende Weise, Unterhaltung mit Haltung zu verbinden und dabei Einzelschicksale und Historie zu verschmelzen. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine sind ihre Romane erschreckend aktuell. Sie erzählen von Dramen und Tragödien von beinahe antikem Ausmaß und stellen wichtige Fragen nach Schuld und Verantwortung, nach den Langzeitfolgen von Krieg und Verbrechen“, begründete Dreyer ihre Entscheidung, die sie nach Vorschlägen einer Fachkommission getroffen hat.

Nino Haratischwili zeige Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen ihr Leben zu meistern versuchen. Sie schreibe so anschaulich und schonungslos, dass man ihre Bücher kaum aus der Hand legen könne. „In ihren Romanen ist viel Schatten, doch trotz der Abgründe geht das Licht nie aus. In diesem Optimismus ist sie dem großen Carl Zuckmayer sehr ähnlich. Ich freue mich sehr darauf, Nino Haratischwili mit der Carl-Zuckmayer-Medaille auszuzeichnen“, so Dreyer.

Logo