Kein riesiges Einkaufszentrum in der Ludwigsstraße

Nach vier Jahren zäher Verhandlungen kommen ECE-Geschäftsleitung und Stadtspitze zu einer Einigung im Streit um das Karstadt-Gebäude.

Kein riesiges Einkaufszentrum in der Ludwigsstraße

Seit dem Erwerb des Karstadt-Grundstücks durch die ECE-Investoren vor vier Jahren sind die schwierigen Verhandlungen anscheinend zum Stillstand gekommen. Im Herzen der Mainzer Innenstadt sollte eine riesige Shopping Mall von der Ludwigsstraße ab Höfchen, über Gutenbergplatz bis zum Schillerplatz entstehen. Dafür planten die Investoren die Grundstücke der Polizei, des Pavillons, von einem Wohnhaus und des Deutsche-Bank-Gebäudes zu erwerben, was ihnen aber bis heute nicht gelang.

Angelehnt an Einkaufspassagen aus dem 19. Jahrhundert sollte ein riesiger Gebäudekomplex mit 26 500 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Auf vier Ebenen sollten über 100 Einzelhandelsgeschäfte und Ketten ihre Waren anpreisen. Die Eröffnung war für Herbst 2018 geplant, bei einem Investitionsvolumen von insgesamt 200 Millionen Euro. Der Immobilienkonzern ECE hat in der Bundesrepublik bereits über 100 solcher Shopping Malls gebaut und ist seit der Gründung 1965 durch den Versandhauspionier Professor Werner Otto europaweiter Marktführer in der Planung und Umsetzung von innerstädtischen Einkaufszentren.

Seit dem Erwerb des Karstadt-Grundstücks ist nicht viel passiert. Was hat die ECE mit dem Grundstück vor? Die Geschäftsleitung hat jetzt in einem Gespräch mit der Stadtspitze erklärt, dass sie keine weiteren Grundstücke erwerben wolle und sich auf eine bauliche Erneuerung des maroden Karstadt-Komplexes konzentrieren werde.

Viele Mainzer Bürger standen den Plänen des Großkonzerns von Anfang an skeptisch gegenüber, handelt es sich doch um das wichtigste städtebauliche Projekt der Nachkriegszeit und bringt einschneidende Veränderungen für Stadtbild und den Einzelhandel mit sich. Die Frage, ob ein Shopping-Center überhaupt in die Altstadt passt, entfachte eine kontroverse Diskussion in der Öffentlichkeit.

In der Bürgerinitiative „BI Ludwigsstraße“ organisierten sich die Mainzer gegen die ECE-Shopping-Mall in ihrer Innenstadt. In den abgehaltenen Ludwigsstraße-Foren (LUFOs), an denen durchschnittlich 500 Personen teilgenommen hatten, erarbeitete die BI einen Kompromissvorschlag für ein kleinteiliges Einkaufsquartier mit 89 Leitlinien, denen nahezu der gesamte Stadtrat zustimmte.

„Wir wollen ein Stadtquartier mit einem Warenhaus und einer kleinteiligen Baustruktur (...). Es soll eine urbane Mischung von Einkaufen, Wohnen, Dienstleistungen, Sozialem und Kultur entwickelt werden.“ - BI Ludwigsstraße

Bei den Verhandlungen 2013 bestand die ECE aber kompromisslos auf dem konventionellen Mall-Konzept. Die BI warf Oberbürgermeister Michael Ebling unprofessionelles Verhandeln und dem Stadtrat Rückhaltlosigkeit vor. Bei der Kommunalwahl 2014 untersützten die Wähler vor allem Politiker, die in der Streitsache eine klare Haltung gegen das Mall-Konzept und für das Quartier demonstriert hatten. Die Bürgerinitiative erwirkte mit der Unterstützung von attac Mainz außerdem die Veröffentlichung der Verhandlungsprotokolle.

2015 wird zum Jahr der Entscheidung. Nach vier Jahren schwieriger Verhandlungen wollen sich ECE-Geschäftsleitung und Stadtspitze geeinigt haben. Statt des geplanten 26 500 Quadratmeter großen Gebäudekomplexes strebt die ECE jetzt einen Neubau von 16 000 Quadratmetern an.

Bürgermeister Ebling zeigt sich erfreut über die Entwicklungen. Man habe immer angestrebt, den Stillstand des Projekts zu beenden. Die nun gefunde Lösung werde die Innenstadt attraktiver machen. Für die ECE bedeute die Entscheidung ein erneutes Bekenntnis zum Standort Mainz. Die kleine Lösung entspricht außerdem der durch Gutachten untermauerten Wunschvorstellung des Mainzer Einzelhandels. Jetzt müsse man sich für die Einzelheiten der Planung zusammensetzen.

Logo