Falschparker trotz Sperrzone - wie ist das möglich?

Eigentlich gibt es für E-Scooter rote Zonen, in denen die Fahrzeuge nicht abgestellt werden können. Trotzdem sieht man sie immer wieder genau dort parken. Wie geht das?

Falschparker trotz Sperrzone - wie ist das möglich?

Falsch abgestellte E-Roller sind ein Ärgernis. Wer sich einen der Scooter ausleiht, wird in der dafür benötigten App bei jedem Vorgang daran erinnert, sein Gefährt doch bitte so zu parken, dass niemand dadurch behindert wird. Stellt man den Roller dennoch ungünstig ab, hat das für die Nutzer keinerlei Konsequenzen. Quer auf dem Gehweg, vor Ein- und Ausfahren oder aber direkt hinter einem geparkten Auto, wie hier zu sehen:

Während die Anbieter gegen schlecht geparkte Roller noch machtlos sind, gibt es aber auch Zonen, in denen das Abstellen der Scooter generell nicht erlaubt ist. Diese — in der App als rote Flächen gekennzeichnete — Zonen sind zum Beispiel in der Fußgängerzone, dem Kurpark oder am Hauptbahnhof. Wer dort parkt, kann die Fahrt in der App nicht abschließen, müsste also trotz Stillstand je nach Anbieter 15, beziehungsweise 20 Cent pro Minute bezahlen. Da das natürlich niemand möchte, funktioniert das System eigentlich ganz gut.

Umso verwunderter war Merkurist-Leser Jens, als er kürzlich in Biebrich einen Roller der Firma „Lime“ stehen sah. Denn sowohl für „Lime“ als auch „Tier“-Nutzer endet das Geschäftsgebiet ungefähr auf Höhe des 2. Rings. Es handelt sich bei Biebrich also nicht wirklich um eine rote Zone, sondern ist einfach nicht Teil des Geschäftsgebiets. Die Konsequenzen sind allerdings gleich: Abstellen nicht möglich.

Wie kommen die Roller nach Biebrich und in die Fußgängerzone?

Auch in der Fußgängerzone und anderen roten Zonen sieht man häufig geparkte Roller. Oftmals nicht weit von der Grenze zum erlaubten Bereich entfernt. Funktioniert das System der Anbieter nicht, oder steckt etwas anderes dahinter?

„Eine allgemeingültige Antwort darauf gibt es nicht“, sagt Daniel Horn, Pressesprecher von „Tier“. Es kämen vielmehr mehrere Varianten in Betracht. „Zum einen sind die GPS-Daten in Deutschland an vielen Orten nicht einhundert prozentig genau“, sagt er. In der Fachsprache nennt sich das Phänomen „GPS-Drifting“. Dabei bewegt sich das Signal teilweise auch sprunghaft um mehrere Meter, obwohl der Empfänger eigentlich am gleichen Ort steht. „In solch einem Fall kann es vorkommen, dass ein Scooter auch ein Stück innerhalb einer Verbotszone, beziehungsweise außerhalb des Geschäftsgebietes abgestellt werden kann“, so Horn.

Das erklärt zwar die an den Randgebieten geparkten Roller, beantwortet aber nicht die Frage, wie die Scooter es bis nach Biebrich schaffen, ohne sich weiterhin im ausgeliehenen Zustand zu befinden. „Natürlich besteht außerdem die Möglichkeit, dass bereits geparkte Scooter nachträglich — aus welchen Gründen auch immer — bewegt werden“, merkt Horn an. Da die kleinen Roller auch in Bus und Bahn mitgenommen werden dürfen, wäre es auch denkbar, dass jemand einen legal geparkten Roller mit in den Bus und raus aus der eigentlichen Zone bewegt. Mit einem Gewicht von knapp unter 20 Kilogramm lassen sich die Scooter aber auch tragen.

Mitarbeiter sorgen für Ordnung

Biebricher, die beispielsweise für die Arbeit in die Innenstadt pendeln, können sich falsch abgestellte Roller aber jederzeit wieder ausleihen. Auch werden sie in der App angezeigt. So könnte man theoretisch also das Problem selbst lösen und den Weg in eine „legale Zone“ antreten und dort ganz normal parken. „Das kommt oft vor“, sagt Horn.

Wenn dieses System nicht funktioniert, greift der Anbieter selbst ein: „Für derartige Fälle haben wir selbstverständlich Mitarbeiter, die sich um diese Scooter kümmern“, so der „Tier“-Pressesprecher. Der Anbieter „Lime“ wollte sich bislang nicht zu den falsch abgestellten Rollern in Wiesbaden äußern. (js)

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