Das passiert mit den E-Rollern bei Nacht

Seit August kann man in Mainz die E-Roller des Berliner Unternehmens „Tier-Mobility" ausleihen. In dieser Woche kamen weitere Roller des Anbieters „Lime“ hinzu. Aber wer sorgt eigentlich dafür, dass die Roller aufgeladen sind?

Das passiert mit den E-Rollern bei Nacht

Mittlerweile gibt es E-Leihroller der Anbieter „Tier“ und „Lime“ in Mainz. Das Prinzip beider Unternehmen ist einfach: Möchte man einen Roller des jeweiligen Verleih-Unternehmens nutzen, lädt man sich die entsprechende App runter, scannt den Barcode am Lenker und kann los fahren. Aber was passiert, wenn der Akku des Tretrollers leer ist? Wer ist für das Aufladen verantwortlich? Muss man einen E-Roller vielleicht sogar selbst zu Hause aufladen, wenn man ihn leer gefahren hat?

E-Roller werden nachts geladen

Nachts werden die leeren E-Roller eingesammelt, aufgeladen und morgens wieder in der Stadt verteilt. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie die Scooter geladen werden können. Aktuell sucht „Tier-Mobility“ in Mainz und Wiesbaden nach „Scooter Rangern“ in Vollzeit, die die Roller abends einsammeln, zum „TIER Warehouse“ transportieren und geladen wieder in Mainz verteilen. Auf der Homepage wird ein Vollzeitjob mit flexiblen Arbeitszeiten in einem angenehmen Team versprochen. Desweiteren gibt es auch die Möglichkeit, auf 450-Euro-Basis tätig zu sein. Zudem nutzt das Unternehmen einen Logistik-Dienstleister zum Aufladen der Roller.

„Lege selbst fest, wie viele Stunden du arbeitest und bekomme für jede Aufgabe, die du erledigt hast, Geld.“-Stellenangebot Lime

Aber nicht alle Ranger oder Juicer, wie der Verleiher „Lime“ seine Mitarbeiter nennt, sind in Vollzeit angestellt. Häufig werden die leeren Elektro-Tretroller am Abend von Privatpersonen eingesammelt und im heimischen Wohnzimmer aufgeladen. Je mehr Elektroroller geladen werden, desto mehr verdient der Nebenjobber, wie es auf der Homepage von „Lime“ heißt: „Verdiene Geld mit Lime. Lege selbst fest, wie viele Stunden du arbeitest und bekomme für jede Aufgabe, die du erledigt hast, Geld.“


Bei beiden Anbietern kann man sich online als Nebenjobber registrieren. Sind die Kontaktdaten eingegangen und überprüft worden, wird man in der App als Juicer oder Ranger freigeschaltet. Hier kann es zu ersten Problemen kommen. Guido möchte Juicer werden und berichtet auf Facebook: „Im Moment bekommt Lime meine Freischaltung als Juicer nicht hin. Bis heute funktioniert der Modus in der App nicht.“ Erst wenn die Freischaltung erfolgreich ist, erhält man nach einigen Tagen spezielle Ladegeräte und kann mit der eigentlichen Arbeit beginnen. Die Juicer und Ranger finden die leeren Roller mit Hilfe von GPS-Koordinaten und können sie dann laden. Merkurist-Leser Marco hat diesen Vorgang am Abend bereits beobachtet:

Aber nicht alle Nebenjobber haben ein eigenes Fahrzeug. Juicerin Aglaya berichtet auf Nachfrage von Merkurist: „Ich sammle mit der S-Bahn ein.“ Zudem nutze sie einen Fahrradanhänger, um bis zu fünf Roller gleichzeitig transportieren zu können. Juicer Johannes macht es ähnlich: „Ich sammel auch via S-Bahn und zu Fuß.“ Deshalb könne er nur zwei Roller zeitgleich mit nach Hause nehmen.

Von der Nebentätigkeit erhoffen sich die Juicer und Ranger schnelles Geld. Merkurist-Leser Christian beurteilt sowohl die Umweltfreundlichkeit der Roller wie auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter kritisch:

Und auch Leser Stefan macht sich um die Arbeitnehmerrechte Sorgen. Unter den Snip fragt er nach den Rechten der Juicer und Ranger:

„Tier“ stellt zum Aufladen der Tretroller beispielsweise Werksstudenten auf 450-Euro-Basis ein. Die Werksstudenten haben keine Sozialabgaben und zahlen nicht in die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung ein. Wird der Job allerdings in Vollzeit ausgeübt, müssen auch Sozialabgaben geleistet werden. Zusätzlich werde die Nutzung der eigenen Fahrzeuge finanziell vergütet, wie es in einer Stellenausschreibung des Unternehmens heißt.

Die Juicer von „Lime“ verrichten ihre Arbeit oftmals als Selbstständige und tragen viele Risiken und Kosten selbst, wie Anwältin Julia Sontheimer in einem Interview mit CHIP sagt. Deshalb gelten die Regelungen für den Mindestlohn und die Arbeitszeiten nicht. Außerdem müssen sie die anfallenden Fahrtkosten, den Strom, mögliche Versicherungen und die Mehrwertsteuer selbst finanzieren. Zudem gibt es für die „Lime“-Juicer auch keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, keinen bezahlten Urlaub oder konkrete Kündigungsfristen. Das Online-Magazin Bento berichtet, dass die Juicer nach allen Abzügen pro geladenem Roller knapp 2,80 Euro verdienen. Juicerin Aglaya findet ihren Nebenjob trotzdem attraktiv: „Die Bezahlung klappt jeden Tag.“

Weitere Informationen zu den Mainzer E-Tretrollern findet ihr hier. Auf Nachfragen von Merkurist reagierten die Unternehmen bisher nicht. (rk)

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