Zwei Mainzer Psychologiestudierende rufen für diesen Freitag (10. Juli) zu einer Demonstration am Mainzer Bahnhofplatz auf. Mit der Kundgebung um 17:30 Uhr wollen sie gegen den drohenden Beschluss des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes protestieren. Das teilen die Initiatorinnen mit. Erwartet werden rund 200 bis 250 Menschen.
Hintergrund ist eine geplante Maßnahme, die die Streichung des gesetzlichen Schutzes des Mindesthonorars bei der Behandlung von gesetzlich versicherten Patienten beinhaltet. Damit werde die Existenzgrundlage für psychotherapeutische Praxen abgeschafft.
Sandra Munro, eine der Initiatorinnen, sagt: „Die Zwei-Klassen-Medizin ist längst Realität – und die Kluft wird immer größer. Wer Geld hat, findet deutlich schneller Hilfe. Wer gesetzlich versichert ist, hat mit diesen Maßnahmen fast keine Möglichkeit mehr, ambulant Hilfe zu bekommen.“
Versorgung bereits am Limit
Schon Anfang 2026 sei die psychotherapeutische Versorgung am Limit gewesen. Wer einen ambulanten Therapieplatz suchte, musste häufig monatelang warten. Unbehandelte psychische Erkrankungen verschlimmern sich den Organisatorinnen zufolge häufig und können schwere persönliche, familiäre und berufliche Folgen haben.
Auch der psychotherapeutische Nachwuchs blicke mit großer Unsicherheit in die Zukunft. Seit der Reform der Ausbildung kämpfen Studierende für eine verlässliche Finanzierung ihrer Weiterbildung.
Bereits im April 2026 sorgten gesundheitspolitische Sparmaßnahmen bei den Honoraren in Höhe von 4,5 Prozent für erhebliche Kritik. Berufsverbände und Experten warnten damals vor einer Verschlechterung der Versorgung.
„Psychotherapie ist kein Luxusgut“
Die Organisatorinnen fordern die Bundesregierung auf, sämtliche Kürzungen zurückzunehmen, die die psychotherapeutische Versorgung gefährden. Statt den Zugang zu Therapie weiter einzuschränken, solle es ausreichend Kassensitze und mehr Therapieplätze geben.
Mitorganisatorin Ofra Deiglmayr macht deutlich: „Wir beobachten bei der anstehenden politischen Entscheidung einen weiteren Angriff auf unser Sozial- und Gesundheitssystem. Psychotherapie ist kein Luxusgut, sondern sichert Überleben. Jetzt liegt es an uns, für das Überleben der Psychotherapie zu kämpfen.“