Warum in der Kaiserstraße gedealt wird

Immer wieder kommt es auf dem Grünstreifen der Kaiserstraße zu Drogengeschäften. Die Polizei hat deshalb im Frühjahr eine spezielle Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich darum kümmert. Die Kontrollen zeigen Wirkung.

Warum in der Kaiserstraße gedealt wird

Eigentlich heißt die Wiese hinter dem Stadthaus in der Kaiserstraße Kreyßiganlage, die meisten Mainzer kennen sie allerdings eher unter dem Namen „Haschwiese“. Der Grund: Auf der kleinen Parkanlage kommt es immer wieder zu Drogendelikten. „Kaiserstraße wird zur Kifferstraße?“, fragt deshalb Merkurist-Leser Dietmar in einem Snip.

Neu sind die Entwicklungen in der Kaiserstraße allerdings nicht: „Wegen der Bahnhofsnähe besteht das Problem der Drogenkriminalität hier schon lange“, sagte Polizeisprecherin Heidi Nägel bereits im Juli gegenüber Merkurist“ (wir berichteten). Die Wiese ist schon lange als „Haschwiese“ verschrien, in den vergangenen Jahrzehnten waren hier mal mehr, mal weniger Kleindealer unterwegs. Sträucher und Büsche hinter dem Stadthaus wurden um die Jahrhundertwende entfernt, um Dealern weniger Verstecke zu bieten.

Mehr Polizeikontrollen

Doch auch heute muss die Polizei noch gegen die Geschäfte vorgehen: Nachdem es wieder vermehrt Hinweise aus der Bevölkerung gab, dass es auf der Wiese häufig zu Drogendelikten kommt, richtete die Polizei im Frühjahr dieses Jahres eine neue Arbeitsgruppe ein. Sie kümmert sich seither speziell um die Drogendelikte und führt die Ermittlungen. „Je nach Einsatz werden sie dann durch die Bereitschaftspolizei oder die Dienststellen unterstützt“, sagt Rinaldo Roberto, Pressesprecher der Mainzer Polizei. Die Anzahl an Polizisten kann dabei von zwei bis dreißig variieren. „Das passen wir an unsere Erkenntnisse an“, so Roberto. „Bei Durchsuchungen etwa setzen wir mehrere Teams ein.“ Ziel der Maßnahmen sei es, Straftaten zu erkennen und die Täter dazu zu bringen, sie nicht zu wiederholen.

Die Polizei kontrolliert deshalb verstärkt die Wiese und das Bleichenviertel. Wie die Polizei im April bekanntgab, handle es sich bei den dabei sichergestellten Drogen in 80 Prozent der Fälle um Cannabisprodukte in kleinen Mengen unter 10 Gramm (wir berichteten). Zuletzt führten die Beamten am Freitagabend schwerpunktmäßig Sonderstreifen bei der Parkanlage durch. Das Ergebnis des Abends: Sechs Anzeigen wegen Handels und Besitzes und/oder Erwerbs von Betäubungsmitteln und eine Anzeige wegen Unterschlagung. Die Polizisten fanden auch Bargeld in Höhe von etwa 200 Euro in szenetypischer Stückelung. Von den sieben kontrollierten Personen waren fünf bereits polizeilich bekannt, eine war zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben.

Typisches Problem in Bahnhofsnähe

Doch warum kommt es ausgerechnet auf der Grünanlage in der Kaiserstraße immer wieder zu Drogengeschäften? Die unmittelbare Nähe zum Bahnhof dürfte hier eine große Rolle spielen - dass Dealer gerade in Bahnhofsregionen mit Drogen handeln, ist nicht unüblich. Deshalb erhielt etwa das Bahnhofsviertel in Frankfurt sogar eine feste Dienststelle (Merkurist Frankfurt berichtete). Auch dass die Mainzer Polizei nun stärker gegen die Delikte vorgehe, zeige Wirkung: „Seit Einführung der Arbeitsgruppe wurden sehr viele Ermittlungsverfahren eingeleitet“, sagt Polizeisprecher Roberto. „Inzwischen ist es auch schon zu den ersten Gerichtsverfahren gekommen.“

Anders sieht es die Mainzer Cannabis Initiative: Die Kontrollen führten dazu, dass sich der Drogenhandel an andere Orte im Stadtgebiet verlagere, wertvolle Ressourcen der Polizei würden dadurch gebunden, ohne das Problem zu lösen. „Die Politik muss aus unserer Sicht dringend handeln, allerdings sind verschärfte Polizeikontrollen dabei nicht das Mittel der Wahl“, sagt der erste Vereinsvorsitzende Matthias S. Makowski. Die Initiative setzt sich für die Legalisierung von Cannabis ein - darin sieht sie auch die Lösung des Problems. „Cannabis ist die am meisten genutzte illegale Droge, doch die Schädlichkeit liegt weit hinter der Schädlichkeit von Alkohol oder Zigaretten, die sich jeder im Supermarkt um die Ecke kaufen kann“, sagt Makowski. Das Betäubungsmittelgesetz müsse reformiert werden, eine Regulierung von Cannabis würde zu erheblichen Kostenersparnissen für den Staat führen. „Sowohl bei Polizei und Gerichten könnte das vorhandene Potential für wichtige Aufgaben genutzt werden.“

Merkurist