Corona: Wie ist die Lage auf Mainzer Intensivstationen?

Intensivmediziner schlagen Alarm und fordern einen harten Lockdown, weil die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen wieder stark steigt. Wie viele Betten sind aktuell noch in Mainz frei?

Corona: Wie ist die Lage auf Mainzer Intensivstationen?

„Brauchen wir erst ein Bergamo, um den Mut für einen harten Lockdown zurückzugewinnen?“ fragt Professor Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Seine Forderung: Ein harter Lockdown über zwei oder drei Wochen in den Osterferien. „Das wird zahlreiche Menschenleben retten und noch viel mehr vor lebenslangen Langzeitfolgen durch COVID bewahren.“ Denn ein großes Problem sei aktuell, dass wieder mehr Corona-Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden müssen. Seit dem 10. März ist die Zahl deutschlandweit von 2727 auf 3587 hochgeschnellt. Wie sieht es in Mainz aus?

Um die freien Betten auf Intensivstationen ständig im Blick zu behalten, hat das DIVI ein Intensivregister aufgebaut. Dort kann man täglich online einsehen, wie viele Corona-Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden müssen und wie viele Betten insgesamt belegt sind. Dort ist auch in Rheinland-Pfalz eine beginnende dritte Welle bereits erkennbar. Während am 14. März noch 70 Corona-Patienten auf den rheinland-pfälzischen Intensivstationen lagen, sind es heute bereits 123. In Mainz sind aktuell von 111 Intensivbetten 99 belegt und 12 frei. Sieben Patienten sind Coronafälle, von denen vier beatmet werden müssen.

Mehr Patienten, aber ausreichend Kapazität in der Uniklinik

„Wir haben ausreichend Kapazität“, sagt Prof. Dr. Peter Galle, Direktor der I. medizinischen Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz zu der aktuellen Lage auf der Intensivstation. Dennoch stiegen die Zahlen der stationären Patienten mit Covid-19 seit letzter Woche wieder an. Die Patienten auf der Intensivstation seien jetzt etwas jünger als noch zuvor, was daran liegen könnte, dass die älteren häufig schon geimpft seien. Um wirklich sagen zu können, dass die schweren Verläufe bei über 80-Jährigen abnehmen, habe man aber noch zu wenige Zahlen. Eine Anfrage zur Lage im Katholischen Klinikum Mainz (KKM) blieb bis zum Erscheinen des Artikels unbeantwortet.

„Die Dauerbelastung und das beständige Anpassen ist kräftezehrend.“ - Prof. Dr. Peter Galle, Unimedizin

Bemerkbar machen sich die anrollende dritte Welle aber auch die letzten Monate der Pandemie beim Krankenhauspersonal der Uniklinik. „Die Dauerbelastung und das beständige Anpassen ist kräftezehrend“, sagt Prof. Dr. Peter Galle. „Es macht sich ein gewisser Frust und Enttäuschung breit“, sagte auch Christa Keienburg, Landessprecherin der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Intensivpflegerin an der Unimedizin kürzlich gegenüber dem SWR. Sie bekomme viele Nachrichten von Kolleginnen und Kollegen aus ganz Rheinland-Pfalz, die nicht mehr können. Die Pflegekräfte im Land seien nach einem Jahr Pandemie am Limit und nun klopfe die dritte Welle der Corona-Pandemie auch an die Türen der Intensivstationen.

Was muss jetzt also passieren, damit die Lage in den Krankenhäusern nicht eskaliert? Während die DIVI einen harten Lockdown über die Osterferien fordert, antwortet Prof. Dr. Peter Galle auf diese Frage mit: „Impfen, impfen, impfen und Kontaktbeschränkungen über Ostern“. Letzteres hat die Stadt Mainz am Dienstag unter anderem beschlossen (wir berichteten). Ab dem 1. April darf sich ein Haushalt nur noch mit einer weiteren Person treffen, außerdem gilt eine Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr.

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