"Sie sind doch der Schiedsrichter...“

Die Bundesliga-Saison ist in vollem Gange. Während die Mannschaft von Mainz 05 in dieser Spielzeit mit spektakulären Partien von sich Reden macht, genießt ein Mainzer Bundesliga-Akteur, dass er von großen Schlagzeilen verschont geblieben ist.

"Sie sind doch der Schiedsrichter...“

Eine alte Regel unter Fußballfans besagt: „Die besten Schiedsrichter sind unauffällige Schiedsrichter.“ Ginge es nach dieser Weisheit, dürfte Dr. Robert Kampka bisher sehr zufrieden sein. Der Bundesliga-Schiedsrichter, der seit 2002 in Mainz lebt, darf seit dieser Saison Begegnungen der ersten Liga pfeifen und ist bislang medial eher unauffällig geblieben. Im Merkurist-Interview verrät der Bundeswehr-Truppenarzt, welche Orte in Mainz er besonders gerne mag, wie es ihn aus Görlitz über Baden-Württemberg nach Rheinhessen verschlagen hat und warum er derzeit kein Pflichtspiel von Mainz 05 leiten wird.

Merkurist: Herr Dr. Kampka, Sie sind in Görlitz (Sachsen) geboren, beim württembergischen Fußballverband gelistet und leben nun in Mainz. Wie sind Sie nach Rheinhessen gekommen? Meine Eltern haben im Mai 1989 die DDR verlassen und sind nach Baden-Württemberg gezogen. Dort habe ich dann beim SC Urbach in der Jugend Fußball gespielt und bin später im selben Verein Schiedsrichter geworden, bevor ich dann zum TSV Schornbach gewechselt bin. 2002 bin ich für mein Medizinstudium nach Mainz gekommen und habe hier sechs Jahre studiert. Als ich dann in Mainz eine Familie gegründet habe und es uns so gut gefallen hat, sind wir hier geblieben. Mainz ist für mich letztlich zu einem Stück Heimat geworden.

Und wie sind Sie Schiedsrichter geworden? Im Alter von 14 Jahren kam bei mir das Interesse auf, Fußballspiele zu leiten. Ich hatte mich erkundigt, ob ich an einem Schiedsrichter-Kurs teilnehmen dürfte. Damals war ich aber noch zu jung und musste mich noch ein Jahr gedulden. Als mein Verein dann auf mich zukam und mir sagte, man brauche noch Schiedsrichter, habe ich angefangen die Spiele der 12- bis 14-Jährigen zu leiten und bin dann mit 17 in die Bezirksliga aufgestiegen. Von da an wurden wir Schiedsrichter schon von Beobachtern bewertet. Da ich offenbar durch meine Leistungen überzeugen konnte, stieg ich immer weiter auf.

Als Schiedsrichter sind sie oft auf Reisen, als Arzt und Vater sicherlich auch viel beschäftigt. Bleibt da überhaupt Zeit, sich mit der Kultur und den Menschen in Mainz vertraut zu machen? Ich bin zwar viel unterwegs, da haben Sie Recht, aber ich habe schon meine Ecken in Mainz, an denen ich mich gerne aufhalte und wohl fühle. Ich bin generell gerne am Rhein, ob nun am Rheinstrand, am alten Jachthafen oder am Bootshaus, das genieße ich sehr. Auch das Marktfrühstück und den Wochenmarkt besuche ich gerne, wenn es mir die Zeit erlaubt. Ich glaube, ich habe die Mainzer Kultur ganz gut kennen und schätzen gelernt, auch dadurch, dass meine beiden Kinder in Mainz geboren wurden.

Die Fußballer von Mainz 05 werden in der Stadt ja manchmal erkannt und angesprochen. Erkennen die Mainzer auch ihren Bundesliga-Schiedsrichter? (Lacht) Es kommt häufiger als vor drei Jahren vor, aber selten in der Stadt. Dann schon eher in Finthen, wo ich wohne, da wissen es schon einige Menschen und die sprechen mich auch mal darauf an.

Und da wird dann gemeckert, dass der Elfmeter, den sie gegen Mannschaft XY gepfiffen haben, doch nie und nimmer einer war? Das passiert eigentlich nicht. (Lacht) Eher nach dem Motto: „Entschuldigung Herr Kampka, Sie sind doch der Schiedsrichter ...“. Die Leute erzählen mir eher, dass sie mich in der Sportschau gesehen haben oder stellen mal eine allgemeine Frage zum Schiedsrichterwesen. Auf potenzielle Fehlentscheidungen sprechen sie mich aber nicht an.

Ein deutscher Schiedsrichter darf die DFB-Elf bei Pflichtspielen, wie bei der EM oder WM, nicht pfeifen. Gibt es auch Spiele, die Sie nicht leiten dürfen? So ist es. Ich darf alle württembergischen Mannschaften ab der höchsten Amateurliga nicht pfeifen. Das fängt in der Regionalliga an und zieht sich derzeit bis zur 2. Bundesliga: Heidenheim und Stuttgart sind für mich zum Beispiel tabu, da sie zu meinem Heimat-Verband gehören. Spiele von Mainz 05 darf ich genauso nicht leiten, da Mainz eben mein direkter Wohnort ist. In Partien anderer regional ansässiger Mannschaften, zum Beispiel Kaiserslautern, Offenbach oder Wiesbaden, darf ich wiederum zum Einsatz kommen, da es sich dabei nicht um meinen direkten Wohnort und auch nicht um meinen Regional-Verband handelt.

Gibt es ein Spiel, dass Sie unbedingt mal leiten möchten? Schließlich sind Sie ja noch jung und Ihre Bundesliga-Karriere beginnt erst. Von etwas weniger als 80.000 Schiedsrichtern in Deutschland pfeifen nur 23 Schiedsrichter überhaupt in der 1. Fußball-Bundesliga. Diesen Schritt geschafft zu haben, macht mich stolz. Aber klar, die Bundesliga bietet viele tolle Spiele. Ein großes Derby oder ein Spitzenspiel würde ich in einigen Jahren gerne mal pfeifen. Im ersten Jahr als Bundesliga-Schiedsrichter wird das aber eher nicht passieren. Diese Spiele muss man sich als Schiedsrichter mit guten Leistungen verdienen. Im Moment möchte ich mich daher erst mal in der Bundesliga etablieren und souveräne Leistungen abliefern. Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Kampka.

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