Wohin mit den Pfandflaschen?

„Pfand gehört daneben“ - oder etwa doch nicht? Wer Pfandsammlern das Durchwühlen von Mülleimern ersparen möchte, stellt seine leere Flasche oft neben den Abfallbehälter. Was es sonst noch für Alternativen gibt.

Wohin mit den Pfandflaschen?

Für viele Geringverdiener, Rentner und Hartz IV-Empfänger gehört das Sammeln von Pfandflaschen auch in Mainz zum Alltag. Um ihren Lebensunterhalt aufzubessern, durchsuchen sie, wenn es sein muss, auch Abfalleimer nach dem für sie wertvollen Pfand. Die Anhänger der Aktion „Pfand gehört daneben“ finden das menschenunwürdig. Mit ihrem Projekt wollen sie den Pfandsuchern erleichtern, an die Flaschen zu kommen. In Mainz wird diese Aktion weitgehend geduldet (wir berichteten). Generell gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, leere Pfandflaschen und Dosen für Bedürftige bereitzustellen. Doch werden diese Alternativen auch angenommen?

Auslaufmodell Pfandring?

Viel beachtet war vor einigen Jahren die Erfindung des Pfandrings. Oft direkt über öffentlichen Mülleimern oder an Straßenschildern angebracht sollten die Passanten ihre leeren Flaschen dort hineinstellen. Auch die Stadt Mainz startete ein Pilotprojekt und testete Pfandringe. Doch das Ergebnis war ernüchternd, wie Stadtsprecher Marc André Glöckner gegenüber Merkurist sagt. So habe man schlechte Erfahrungen damit gemacht. Beispielsweise seien in die Pfandringe auch andere Abfälle hineingesteckt worden. Diese Abfälle hätten sich dann in den Ringen verkeilt.

Auch in anderen Städten gab es mit den Pfandringen Probleme. In Karlsruhe waren beispielsweise die Ringe nicht für alle Flaschen geeignet. Unter anderem war es zunächst nicht möglich, Plastikflaschen sicher in die Halterung zu stellen. In Offenbach startete 2017 ebenfalls ein Pilotprojekt, bei dem Pfandringe getestet wurden.

Doch nach etwas mehr als zwei Jahren zieht die Stadt eine negative Bilanz. Wie eine Sprecherin auf Anfrage mitteilt, nahm die Bevölkerung die Pfandringe kaum an. Deswegen sollen sie noch dieses Jahr wieder deinstalliert werden. Die erste deutsche Stadt, die Pfandringe testete, war Bamberg im Jahr 2014. Fünf Jahre später gibt es die Flaschenhalterungen immer noch. Das Fazit fällt aber auch hier ernüchternd aus. „Die zwei Pfandringe haben sich nicht wirklich bewährt“, so eine Stadtsprecherin auf Anfrage von Merkurist. In den meisten Fällen würden die Leute ihre leeren Flaschen doch neben den Mülleimer stellen.

Positiv fällt dagegen die Bilanz in Bingen aus. Dort seien Pfandringe schon seit Jahren an bestimmten Mülleimern in der Stadt angebracht. Die Bevölkerung nehme das Konzept gut an, so ein Pressesprecher. In Ingelheim dagegen wurden Pfandringe noch überhaupt nicht getestet. Wie eine Sprecherin der Stadt mitteilt, gebe es derzeit auch keine Pläne dazu.

Pfandkiste zum Selbstbasteln

Ähnlich dem Prinzip der Pfandringe gibt es in einigen deutschen Städten ganze Pfandkisten, die an Laternenmasten oder Straßenschildern angebracht sind. In vielen Fällen geht das Anbringen der Kästen auf private Initiativen zurück. Der Getränkehersteller „Lemonaid“ gibt auf seiner Seite dafür extra eine Anleitung zum Basteln solcher Kisten.

In Bingen scheint sich auch diese Variante von „Pfand gehört daneben“ etabliert zu haben. So schreibt Merkurist-Leserin Stephanie: „In Bingen hängt auf dem Fußweg zu den Schiffsanlegern eine Sammelkiste für Pfandflaschen und Dosen am Laternenpfosten.“ Auch beispielsweise in Hamburg und Berlin gibt es solche Kisten. Doch nicht überall ist das Aufhängen solcher Pfandhalterungen gestattet. So gibt es in Bamberg zwar Pfandringe, Pfandkisten sind dort aber nicht erlaubt. „Solche Kisten dürfen nicht einfach aufgehängt werden, sie sind genehmigungspflichtig“, so eine Stadtsprecherin. Bei der Stadt Mainz steht man der Aktion aufgeschlossen gegenüber. Wie Stadtsprecher Marc André Glöckner sagt, sollten sich Leute, die vorhaben, solche Kisten aufzuhängen, einfach bei der Stadt melden. Dann könne man Details klären und schauen, ob es möglich sei.

Einkaufswagen voller Pfandflaschen

Eine der wohl profitabelsten Varianten, Pfandflaschen zu sammeln, ist sicherlich das Aufstellen von großen Einkaufswagen. Allerdings ist diese Variante nicht ganz alltagstauglich. Doch zumindest vor Stadien oder Konzerthallen können Pfandsammler so am einfachsten an die Flaschen gelangen.

So gibt es auch vor der Opel Arena bei den Heimspielen von Mainz 05 Sammler, die mit Einkaufswagen oder großen Einkaufstüten unterwegs sind. Ein großer Teil der Event-Besucher liefert seine Flaschen oder Dosen dann fast schon zielgerichtet bei so ausgestatteten Sammlern ab. (df)

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