Wie soll man künftig heizen? Diese Fehler könnt ihr vermeiden

Beim Thema Heizung herrscht nach wie vor große Verunsicherung: Viele fragen sich, ob sie noch vor dem kommenden Winter die Gas- oder Ölheizung austauschen sollen, um drohende Kosten zu vermeiden. Wir haben Experten dazu befragt.

Wie soll man künftig heizen? Diese Fehler könnt ihr vermeiden

Deutschland will weg von fossilen Brennstoffen. Es soll möglichst auf erneuerbare Energien wie Photovoltaik und Wind gesetzt, Gas- und Ölheizungen künftig vermieden werden. Doch was empfehlen Experten nun Hausbesitzern? Sollte man schnellstmöglich wechseln, um Kostenfallen zu umgehen? Oder wird es dadurch erst richtig teuer?

Hintergrund ist das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG, besser bekannt als „Heizungsgesetz“), das die Regierung noch vor der Sommerpause auf den Weg bringen wollte. Ausgebremst wurde es letztlich vom Bundesverfassungsgericht. Die Beratungsdauer sei zu kurz angesetzt worden, so die Richter. Daher könne das Gesetz noch nicht im Bundestag beschlossen werden. Nun soll es Anfang September durch den Bundestag gebracht werden. Kritiker, wie der Eigentümerverband Haus und Grund in Rheinland-Pfalz, sprechen sich indes für einen komplett neuen Entwurf des Gesetzes aus. Die letzte Version sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch es seien noch Vieles offen, erklärte der Vorsitzende Christoph Schöll.

Wärmeplanungsgesetz soll Orientierung geben

Eng verknüpft ist das Heizungsgesetz mit dem Wärmeplanungsgesetz (WPG), das inzwischen vom Bundeskabinett abgesegnet worden ist. Es verpflichtet alle rund 11.000 Kommunen in Deutschland dazu, künftig eine Wärmeplanung vorzulegen. Bürger und Unternehmen sollen auf diese Weise wissen, mit welchem Energieträger und welcher Versorgung lokal zu rechnen ist.

„Es bietet sich an abzuwarten, dass das Gebäudeenergiegesetz und das Wärmeplanungsgesetz bis zum Jahresende beschlossen werden und zum Jahresanfang in Kraft treten“, rät daher Harald Uphoff. Er bildet gemeinsam mit dem Mainzer Unternehmer Matthias Willenbacher* den Vorstand der Stiftung „100 prozent erneuerbar“. Die Stiftung setzt sich für eine Energieversorgung ein, die zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie ist.

Kommt ein Nahwärmenetz?

Denn das Wärmeplanungsgesetz ist auch dazu gedacht, den Bürgern Klarheit darüber zu schaffen, welche Art der Wärmeversorgung am besten für ihren Wohnort geeignet ist. „Zum Beispiel sagt dann die Gemeinde, dass im Kernort ein Nahwärmenetz gebaut wird, an das sich die Bürger:innen anschließen können, und dass in abgelegeneren, weniger dicht besiedelten Ortsteilen kein Wärmenetz kommt, weshalb dort die Wärmepumpe eine gute Option wäre“, erklärt Marco Gütle von „100 prozent erneuerbar“. Die kommunale Wärmeplanung sei außerhalb Deutschlands, insbesondere in Dänemark, bereits stark vertreten. „Dort hat sie zu einer Vielzahl klimaneutraler, von Genossenschaften und Kommunen betriebener, Nahwärmenetzen geführt“, so Gütle.

Das WPG soll parallel zum GEG ab dem 1. Januar 2024 in Kraft treten. Großstädte ab 100.000 Einwohnern müssen dann bis Mitte 2026, kleinere Gemeinden bis Mitte 2028 ihre fertigen Wärmepläne vorlegen. „Je nach Größe der Gemeinde oder Stadt ist dann spätestens ab 2026 beziehungsweise 2028 klar, welche Wärmeversorgung für das eigene Haus geplant ist“, so Uphoff. „Wahrscheinlich werden viele Kommunen für Gebiete, in denen Wärmenetze nicht wirtschaftlich sein werden, beispielsweise bei Streusiedlungen, deutlich früher Festlegungen machen.“ Das reiche dann von einem Nahwärmenetz bis hin zu individuellen Heizungslösungen. „Im letzten Fall sind die Hauseigentümer selbst dafür verantwortlich, dass die (nächste) Heizung gemäß dem GEG klimaneutral wird.“

Uphoff empfiehlt daher, sowohl die Wärmeplanung seiner Kommune genau zu verfolgen als auch, wenn möglich, schon jetzt anzufangen, finanzielle Rücklagen zu bilden. Denn bei einer durchschnittlichen Lebensdauer der Öl- und Gasheizungen von 15 bis 20 Jahren sei der Zeitpunkt für den Umstieg auf eine klimaneutrale Heizung gut planbar. Ein überstürzter Austausch einer aktuell intakten Heizung sei dagegen derzeit nicht notwendig.

Vor einigen Wochen haben wir die Merkurist-Leser dazu befragt, wie sie künftig heizen wollen. Die Ergebnisse könnt ihr hier nachlesen:

*Transparenzhinweis: Matthias Willenbacher ist auch Inhaber von Merkurist.