„Vollgepisst und zugeschissen“: Ist der Zustand der öffentlichen Toiletten in Mainz wirklich so schlimm?

Widerlicher Geruch, verstopfte Urinale und vollgekotete Kloschüsseln: Auf manchen öffentlichen Toiletten in Mainz wird der WC-Gang zum Albtraum. Die Ausgaben für Reinigung und Instandhaltung der Anlagen kosten die Stadt Hunderttausende Euro pro Jahr.

„Vollgepisst und zugeschissen“: Ist der Zustand der öffentlichen Toiletten in Mainz wirklich so schlimm?

Die meisten Mainzer werden es wohl am liebsten vermeiden wollen. Doch wer in der Stadt unterwegs ist, dann dringend aufs Klo muss und kein Restaurant in der Nähe findet, der muss eine öffentliche Toilette benutzen. Für viele beginnt dann aber erst der richtige Horror. Denn manche Toiletten sind, wie Leser Andreas meint, in einem „ekelerregenden Zustand“. Dabei hat er speziell die WCs am Marktplatz im Blick. „Beim heutigen Besuch meiner Geburtsstadt musste ich leider diesen schockierenden Anblick ertragen“, sagt Andreas.

Andere Leser scheinen ähnliches erlebt zu haben:

Leserin Sandra schreibt: „War auf der Toilette am Frauenlobplatz, da war nicht nur die Toilette zugeschissen, sondern da war auch ein Haufen auf dem Boden, der schon ‘mumifiziert’ war.“ Und Bernd kommentiert: „ War am Rewe neben dem Bahnhof, musste dringend das Behinderten-WC nutzen, dreckig und versifft wie seit Monaten.“

Mehrere Beschwerden wegen Toiletten

Doch sind das alles nur Einzelfälle oder gibt es in Mainz tatsächlich ein größeres Problem, was die öffentlichen Toiletten betrifft? Dazu erklärt Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr auf Anfrage von Merkurist: „Leider mussten wir bei den Kontrollen im Juli und Anfang August feststellen, dass die Reinigung nicht den Ansprüchen und Anforderungen an öffentliche Toiletten entsprach – in dieser Zeit erreichten uns auch vermehrt Bürgerbeschwerden.“ Daher habe man den Vertrag mit der Firma, die mit der Reinigung der Toiletten beauftragt wurde, aufgelöst. Die Reinigung werde nun seit dem 18. August von einem anderem, dem Wirtschaftsbetrieb bekannten, zuverlässigen Unternehmen übernommen, so Peterhanwahr. „Leider kommt es allerdings aber auch immer wieder vor, dass durch unsachgemäße Nutzung die Toiletten bereits kurz nach der Reinigung wieder verschmutzt sind.“

Grundsätzlich sorge der Wirtschaftsbetrieb Mainz im Auftrag der Stadt für die Reinigung, die Instandhaltung und nötige Reparaturen der öffentlichen Toiletten. Das gelte für fast alle öffentlichen Toiletten in Mainz. Lediglich die WCs im Eisgrubweg und am Frauenlobplatz fielen in die Verantwortung der Firma Ströer SE & Co KG, erklärt der Stadtsprecher. Wo neue WCs errichtet und wie sie ausgestattet würden, legt aber die Stadt Mainz fest.

Immenser Sachschaden durch Vandalismus

Um grundsätzlich die Sauberkeit der öffentlichen Toiletten in Mainz garantieren zu können, werden die Anlagen täglich überprüft. „Zwei Mitarbeiter des Wirtschaftsbetriebs kontrollieren täglich jede einzelne Toilette. Zudem wird jedes WC mindestens einmal am Tag sieben Tage die Woche von einer Reinigungsfirma gesäubert sowie das Toilettenpapier und die Seife aufgefüllt“, erklärt Peterhanwahr. Außer der – möglicherweise auch absichtlichen – Verschmutzung der Toiletten gibt es auch noch ein weiteres, äußerst kostspieliges Problem, das die Stadt Mainz im Zusammenhang mit den öffentlichen Toiletten zu bewältigen hat: die mutwillige Zerstörung der Anlagen.

Wie Peterhanwahr sagt, stelle der Wirtschaftsbetrieb durchschnittlich zwei- bis dreimal in der Woche Sachbeschädigungen, Vandalismus, aber auch Diebstähle in den Toiletten fest. Dabei reiche die Spanne von „Kleinigkeiten“, wie etwa einem zerbrochenen Fenster, einem zerstörten Handgebläse oder einer entwendeten Toilettenbürste, bis hin zu einer komplett herausgetrennten Tür beziehungsweise Toilettenschüssel. „Auch Schmierereien, ob Graffiti oder mit dem Edding-Stift, stehen nahezu auf der Tagesordnung“, so der Stadtpressesprecher. Um Vandalismus vorzubeugen, würden die meisten Anlagen deshalb über Nacht selbstständig schließen.

Schäden in den Toiletten versuche die Stadt durch ihre eigenen Mitarbeiter in der Regel selbst zu reparieren. „Nur wenn es gar nicht anders geht und ein komplexes Problem vorherrscht, wird ein externes Unternehmen beauftragt.“ Und das kostet die Stadt richtig viel Geld. Im Jahr 2020 lagen die Kosten dafür bei rund 410.000 Euro.

Wenn also die Instandhaltung der öffentlichen Toiletten in Mainz so viel Geld kostet, wäre es dann nicht denkbar, dass diese nur noch gegen Bezahlung genutzt werden können? Nein, der Forderung erteilt Stadtsprecher Peterhanwahr eine Absage. In Mainz werde weiterhin Wert daraufgelegt, dass die Benutzung der Toiletten kostenfrei ist.

Eine Liste mit allen öffentlichen Toiletten in Mainz findet ihr hier.

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