Sieben Optiker auf 100 Metern: Wie attraktiv ist die Mainzer Innenstadt noch?

Die Mainzer Innenstadt ist ein Einkaufsparadies - oder etwa nicht? Bei diesem Thema gehen die Meinungen weit auseinander. Nicht alle sind vom Branchenmix begeistert und fordern neue Konzepte. Wie die Stadt Mainz die Situation bewertet.

Sieben Optiker auf 100 Metern: Wie attraktiv ist die Mainzer Innenstadt noch?

„Mainz ist eine attraktive, dynamische und stetig wachsende Schwarmstadt mitten im Rhein-Main-Gebiet“ - so hieß es zuletzt in einer Mitteilung der Stadt Mainz. Doch diese Ansicht teilen nicht alle, vor allem wenn es um den Punkt der Attraktivität der Mainzer Innenstadt geht. So ist es auch bei Leser Rick. Er kritisiert konkret die hohe Dichte der Optiker in der City. Auf einem kurzen Abschnitt von 100 Metern gibt es inzwischen sieben Fachgeschäfte. Ein echter Anziehungspunkt für Kunden sei die Innenstadt so nicht mehr. Ähnlich bewertet auch der Vorsitzende der „Interessengemeinschaft Mainzer City-Carré“, Dieter Grünewald, die Situation. Über den Branchenmix vor Ort fällt er ein vernichtendes Urteil.

„Konzeptlosigkeit“ in der Stadtspitze?

Als Paradebeispiel für eine wenig attraktive Einkaufsmeile nennt Grünewald dabei den Abschnitt von der Stadthausstraße bis hin zur Römerpassage. „Mittlerweile ist hier der siebte Optiker auf einer Strecke von 100 Metern da.“ Darüber hinaus gebe es in unmittelbar angrenzenden Straßen weitere Optiker-Fachgeschäfte sowie neun Nagel-Studios im Quartier. Für eine qualitative Aufwertung und einen deutlichen Imagegewinn des Quartiers sorge dies ganz bestimmt nicht, sagt Grünewald. Man müsse den Kunden eben mehr bieten. Um die Innenstadt zu beleben, brauche es aber nicht nur einen besseren Branchenmix. Zusätzlich müsste die City optisch aufgewertet und eine Wohlfühl-Atmosphäre geschaffen werden. „Um die Leute in die Stadt zu holen, muss das Einkaufen zum Erlebnis werden.“

Doch die Stadtverwaltung tue sich häufig schwer, schnell und angemessen Probleme zu lösen. „Die wichtigen Personen sollten sich einmal intensiv Gedanken darüber machen, dass ein Konzept auf den Tisch gehört und dass es nicht nur bei Gebabbel bleibt.“ Außerdem müssten Gelder zur Verfügung gestellt werden, um vernünftiges Stadtmarketing zu machen. Von einem funktionierenden Citymanagement sei wenig zu spüren, so Grünewald. Der Verschleiß an Citymanagern in den letzten Jahren, angefangen von Walter Strutz über Jörg Hormann und Dominique Liggins bis hin zu Sandra Klima, sei enorm. Für Grünewald ist klar: „Mainz verfügt über Voraussetzungen, von denen andere Städte nur träumen können.“ Doch es werde viel zu wenig daraus gemacht. Stattdessen herrschten mangelnde Kreativität, Konzeptlosigkeit und vielfach mangelnde Fachkenntnisse und mangelnder Mut vor.

Doch die Schuld an der aktuellen Situation sieht Grünewald nicht nur bei der Stadt. „Wenn Hauseigentümer und Immobilien-Agenturen sich nicht auf Forderungen nach einem vernünftigen und ausgewogenen Branchenmix einstellen und weiterhin mit geschlossenen Augen und Streben nach überzogenen Mietpreisen Objekte vermieten, dann tragen sie letztlich auch die Verantwortung für den Niedergang von Stadtquartieren.“ Wolle man das Problem lösen, dann müssten die Haus- und Immobilieneigentümer an einen Tisch geholt werden und die Probleme deutlich gemacht und darüber gesprochen werden, sagt Grünewald. Nur so könne man Leerstände verhindern und für einen angemessenen Branchenmix sorgen.

Stadt Mainz: „Einzelhandel ist attraktiv“

Die Stadt Mainz kann hingegen Grünewalds Pessimismus, was die Entwicklung der Innenstadt angeht, nicht verstehen. „Unserer Ansicht nach hat Mainz einen guten, attraktiven Branchenmix. Unsere Stadt verfügt über ein breites Angebot und einen engagierten, attraktiven Einzelhandel“, sagt Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) gegenüber Merkurist. Selbstverständlich sei es unser Ziel, diesen Branchenmix beziehungsweise die Attraktivität der Einkaufsstadt weiter zu verbessern. Deshalb stehe gerade das Wirtschaftsdezernat in einem ständigen Austausch mit dem Handel und allen wichtigen Akteuren der Innenstadt, so Matz. Dieser Dialog sei aufgrund der Pandemiesituation und den damit verbundenen Problemen und Herausforderungen besonders wichtig.

Doch woran könnte es nun liegen, dass es so viele Optiker innerhalb eines kleinen Abschnitts in der Innenstadt gibt? Wie Matz sagt, könne die Stadt hier nur spekulieren. „Zugleich muss betont werden, dass die Stadt hier keinerlei Einflussmöglichkeiten hat, da die Läden privat vermietet werden.“ Man könne den Vermietern nicht vorschreiben, an wen sie vermieten sollen, sagt Matz abschließend. Das wiederum spräche für den Vorschlags Grünewald, der die Haus- und Immobilieneigentümer in der Innenstadt mit an einen Tisch holen will, um das Problem zu lösen.

Was die Stadt Mainz noch alles plant, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern, lest ihr morgen in einem weiteren Artikel zum Thema.

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