Schottergartenverbot: Mainzer Naturschützer kritisieren Stadt

Mit einer neuen Grünsatzung sollen Schottergärten in Mainz künftig verboten werden – so die Ankündigung der Stadt von Anfang der Woche. Doch der größte Mainzer Naturschutzverband ist „irritiert“, sagt ihr Vorsitzender im Merkurist-Gespräch.

Schottergartenverbot: Mainzer Naturschützer kritisieren Stadt

Fast 40 Jahre alt ist die bestehende Grünsatzung der Stadt Mainz, nun soll sie geändert werden. Wie die Stadt Mainz in einer Pressemitteilung und einer kurzen Präsentation Anfang der Woche mitteilte, sollen demnach etwa bei neuen Bauprojekten – ob privat oder öffentlich – keine Schottergärten mehr angelegt werden dürfen (wir berichteten).

Ein Meilenstein für eine klimafreundliche Stadt, die die Artenvielfalt stärkt und mehr Grün statt Grau wagt? Christian Henkes, Vorsitzender des NABU Mainz und Umgebung, ist da skeptisch. „Bisher liegt uns die Satzung nicht vor, wir können also nicht sagen, für welche Fälle die Regelungen überhaupt gelten.“ Seit drei Jahren bereits gebe es Diskussionen um eine neue Grünsatzung, der NABU als größter Mainzer Naturschutzverein (mehr als 5400 Mitglieder) sei bisher noch nie zu deren Ideen befragt worden. „Seit Jahrzehnten setzen wir uns schon für eine ökologische Gestaltung der Grünflächen ein und hatten das auch in diversen Gesprächen mit der Stadt angeregt.“

Was bedeutet das Verbot überhaupt konkret?

Nun ist das Verbot tatsächlich gekommen. Doch was es genau bedeutet, ist nicht klar. Das sei „schade“ und „irritierend“, sagt Henkes. So sei etwa in der Präsentation davon die Rede, dass in der neuen Begrünungs- und Gestaltungssatzung für „bebaute Grundstücke“ ein Bestandsschutz gilt, sowie der Zusatz: „soweit sie nicht für eine zulässige Nutzung benötigt werden“. Das werfe zwei große Fragen auf: „Darf ich dann meinen bestehenden grünen Garten nachträglich in einen Schottergarten umwandeln? Denn es handelt sich ja um ein bereits „bebautes Grundstück“, fragt Henkes. Und: Welche Nutzungen sind prinzipiell zulässig? „Im Prinzip kann man alles zubetonieren, da man Platz braucht für einen Parkplatz, für einen Mülltonnenstellplatz, für Zufahrten,...“. Henkes würde daher gerne wissen, welche Flächen letztendlich gemeint sind.

Genauso unklar sei der Punkt, welche Regelungen bei bestehenden Bebauungsplänen nun Vorrang haben. „Bleiben alte Pläne zur Gestaltung der Gärten, etwa aus den 1980ern Jahren, dann bestehen?“ Darin sei oft lediglich formuliert, dass „Außenflächen gärtnerisch zu gestalten“ seien. Was das in der konkreten Umsetzung bedeutet, sei aber kaum ersichtlich.

„Kann man also auch einfach ein bisschen Bambus und ein paar Exoten dorthin setzen?“ - Christian Henkes

Ebenso liest man in der Präsentation zu den vorgestellten Gestaltungsvorgaben von „integrierten Baukastensystemen für mehr Flexibilität und Individualität“. So könne man etwa bei Flachbauten auf die eigentlich vorgeschriebene Dachbegrünung teilweise verzichten, wenn stattdessen Sträucher am Boden gepflanzt werden. Auch „Intensivbegrünung“ sei möglich. Von empfehlenswerten heimischen Pflanzen zur Begrünung sei dort keine Rede. „Kann man also auch einfach ein bisschen Bambus und ein paar Exoten dorthin setzen, die weder etwas für Tiere und Natur noch für den Klimaschutz bringen – und damit löse ich die Dach- oder Wandbegrünung ab?“ so Henkes. Und wer überprüft die Maßnahmen letztendlich?

Der NABU-Vorsitzende fragt sich, welchen Effekt diese novellierte Satzung am Ende überhaupt haben wird, auf welche Flächen sie überhaupt angewendet werden muss. Was er sich stattdessen wünscht, wäre etwas mehr Klarheit von Seiten der Stadt. Und vor allem Einblick in die umgearbeitete Satzung.

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