Parkplatz-Not in der Mainzer Neustadt: Wohin mit dem Auto?

Öffentliche Parkplätze sind in der Mainzer Neustadt Mangelware. Verschärft wird das Problem dann noch, wenn Parkfläche wegen Baustellen verloren geht. Doch wo soll also das eigene Auto abgestellt werden?

Parkplatz-Not in der Mainzer Neustadt: Wohin mit dem Auto?

Sind die öffentlichen Autostellplätze in der Neustadt vom Aussterben bedroht? So könnte man zugespitzt die aktuelle Parkplatzsituation im größten Mainzer Stadtteil beschreiben. Da freie Stellplätze immer rarer werden, müssen manche Einwohner viel Geduld beweisen und teilweise mehrere Runde drehen, bis sie einen Parkplatz finden - oder eben nicht. Besonders schwierig wird es, wenn zusätzlich aufgrund von Baustellen Parkfläche wegfällt oder auch wie am kommenden Wochenende Stellplätze am „Park(ing) Day“ zu Erholungsflächen werden (wir berichteten).

Darüber klagt auch unser Leser, der „Meenzer Bub“: „Wieder fallen 30-40 Parkplätze wegen Bauarbeiten in der Neustadt weg.“ Dies sei aktuell beispielsweise in der Erthalstraße, Kurfürstenstaße und Nackstraße der Fall. Doch wohin dann mit dem eigenen Auto?

Parkplatz-Problem wird sich verschärfen

Dass (kostenlose) Parkplätze in seinem Stadtteil ein „Reizthema“ sind, weiß auch der Neustadt-Ortsvorsteher Christoph Hand (Grüne). Wie er zuletzt gegenüber Merkurist sagte, sei ihm bewusst, dass aufgrund von Baustellen viele Stellplätze temporär wegfallen. Dennoch gehe die Entwicklung in der Neustadt dahin, dass man das Auto eher abschafft. „Die Anwohner wollen keinen Parksuchverkehr mehr, die Menschen wollen Lebensqualität in ihrem Stadtteil.“ Bei 30.000 Einwohnern gebe es rund 7500 gemeldete Pkw in der Neustadt. Der öffentliche Raum gehöre somit zu großen Teilen dem Auto, erklärte Hand. „Aber das ist nicht zukunftsfähig.“

Die große Mehrheit der Leute wünsche sich einen größeren Anteil vom öffentlichen Raum, der auch extrem knapp sei. „Die Menschen wollen einen Mehrwert, wie beispielsweise die Nutzung des Raums für die Außengastro“, so Hand. Wer in die Neustadt zieht, könne nicht erwarten, dass er einen kostenlosen Autostellplatz vor der Haustür bekommt oder seinen Pkw im öffentlichen Raum abstellen kann. Dementsprechend müssten sich Autofahrer eben einen Stellplatz mieten, der zu den allgemeinen Mobilitätskosten noch hinzukomme. „Wir haben noch viel Parkraum unter den Gebäuden beziehungsweise Quartiersgaragen, da stehen aktuell etwa 340 Stellplätze leer“, sagt Hand.

Abgesehen davon sei bei vielen aber schon die Bereitschaft da, ihr Mobilitätsverhalten grundsätzlich zu ändern. So gebe es beispielsweise Carsharing-Angebote, Leihfahrräder und einen guten ÖPNV in der Neustadt. Und wie Hand sagte, müssten Autofahrer damit rechnen, dass der Parkraum in Zukunft noch weiter reduziert werde. Die neue Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne), Nachfolgerin von Katrin Eder (Grüne), sieht das ähnlich: „Öffentlicher Raum in Mainz soll in erster Linie nicht den Autos gehören, sondern den Menschen, finde ich.“ Menschen sollten sich sicher im öffentlichen Raum treffen können. Verkehrssicherheit und Aufenthaltsqualität seien wichtig, weniger das Parken auf der Straße, so Steinkrüger im Interview mit Merkurist.

Auto in der Stadt noch sinnvoll?

Wie die Verkehrsdezernentin sagt, solle sich jeder die Frage stellen: „Brauche ich noch ein eigenes Auto oder kann ich mir eines mit anderen teilen?“ Der Trend gehe nämlich immer mehr zum Carsharing. Eine andere Frage, die sich jeder stellen müsse, lautet: „Ist es für mich vielleicht günstiger, den ÖPNV zu nutzen?“ Dennoch zeigt Steinkrüger auch Verständnis für die angespannte Parksituation. „Viele Parkplätze sind nicht von den Menschen belegt, die dort wohnen, sondern die von außerhalb kommen.“ Deswegen sei ein naheliegender Ansatz, verstärkt am Anwohnerparken zu arbeiten, so Steinkrüger. Ob das funktioniert, wird sich dann in Zukunft zeigen.

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