Oft gähnende Leere: Ist das Mainzer Fahrradparkhaus ein Flop?

Eines der größten in Deutschland ist das Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof West. Drei Monate nach Eröffnung scheinen sich aber nur wenige Radfahrer in die rund zwei Millionen Euro teure Anlage zu verirren. Ist das Parkhaus für Mainz überdimensioniert?

Oft gähnende Leere: Ist das Mainzer Fahrradparkhaus ein Flop?

Mainz bemüht sich, eine echte Fahrradstadt zu werden. Außer der Neugestaltung des öffentlichen Straßenraums, in dem Radfahrer und Fußgänger künftig gegenüber Autofahrern bevorzugt werden, hat die Stadt bereits an der Infrastruktur gearbeitet. So eröffnete im Mai an der Westseite des Hauptbahnhof ein Fahrradparkhaus mit 1000 Stellplätzen. Laut Stadt ist es somit eines der größten in ganz Deutschland. Doch drei Monate nach Inbetriebnahme scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben, dass es überhaupt existiert. Zuletzt standen noch immer Dutzende Fahrräder in unmittelbarer Nähe des Parkhauses anstatt darin – und das obwohl dort 800 Plätze kostenlos genutzt werden können.

Keine hohe Auslastung

Dass die Auslastung des Fahrradparkhauses noch steigerungsfähig ist, glaubt auch der Betreiber, die Parken in Mainz GmbH (PMG). Auf Anfrage teilt deren Pressesprecher Michael Bonewitz mit, dass das Fahrradparkhaus für die Anzahl der vorhandenen Stellplätze aktuell nur geringfügig ausgelastet sei. „Der kostenlose Bereich wird etwa mit 80 Fahrrädern genutzt. Im Bezahlbereich (mit Videoüberwachung) befinden sich täglich etwa 50 bis 60 Fahrräder.“ Dort gibt es unter anderem extra abschließbare Fahrradboxen, Schließfächer für E-Bike-Akkus und Helme sowie Akku-Aufladestationen. Die insgesamt zehn Fahrradboxen sind laut Bonewitz bereits mit Jahresmietverträgen komplett ausgelastet.

Wie Bonewitz sagt, brauche es immer eine gewisse Zeit, bis es sich herumspricht, dass es ein solches Fahrradparkhaus gibt. Zudem sei hinzugekommen, dass bis letzte Woche in der Tat noch Räder einfach neben das Fahrradparkhaus gestellt wurden. „Da die dortigen Stellplätze nun von der Stadt beseitigt wurden, werden fast keine Fahrräder mehr abgestellt, da die Stadt auch diesbezüglich Kontrollen durchführt“, so Bonewitz. Ab jetzt müssten die Fahrräder im Fahrradparkhaus oder in der Abstellanlage vor dem Hauptbahnhof abgestellt werden.

Noch einige Problemzonen

Doch wie bewertet die PMG die aktuelle Situation des Fahrradparkhauses, ist es bisher ein Flop? „Nach so einer kurzen Anlaufzeit kann man noch keine Schlussfolgerungen ziehen“, sagt PMG-Sprecher Bonewitz. Darüber, dass es das Fahrradparkhaus gibt, freut sich grundsätzlich auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Mainz-Bingen, der in die Planungen für das Gebäude eingebunden war. Dennoch sieht der Club noch einigen Handlungsbedarf, um das Fahrradparkhaus attraktiver beziehungsweise bekannter zu machen. „Es gibt einiges, was besser hätte laufen können in der Planung“, sagt Amelie Döres vom ADFC auf Anfrage. So gebe es beispielsweise kaum Hinweise in Mainz auf das Fahrradparkhaus.

Der Weg dorthin sei nicht ausgeschildert. „Die Stadt muss hier für eine Beschilderung sorgen, damit das Fahrradparkhaus gut gefunden werden kann.“ Generell müsste man die Anlage noch mehr bekannt machen. Eine Art „Image-Kampagne“, eben gutes Marketing, könnte da helfen, sagt Döres. Die Nachfrage sei sicherlich da, doch man müsste gut sichtbar dafür werben, zum Beispiel über die sozialen Medien oder Werbung im öffentlichen Raum. Das Fahrradparkhaus müsste auch in ganz Rheinhessen promotet werden, damit Berufspendler davon erführen.

Ein weiterer Punkt, den es noch zu verbessern gelte, sei die Schaffung von Frauenparkplätzen im Parkhaus. Der ADFC habe dies während der Planungsphase vorgeschlagen, danach aber nichts mehr dazu gehört. Nun fehlen die Plätze. Der Hinweis der Stadt, das Fahrradparkhaus sei videoüberwacht und beleuchtet, reiche da nicht aus, sagt Döres. Gerade auf den ersten zehn Metern im kostenlosen Bereich wären Frauenparkplätze sehr wichtig.

Stadt bewertet Entwicklung des Fahrradparkhauses positiv

Die Stadt Mainz sieht die Entwicklung des Fahrradparkhauses nach rund drei Monaten positiv. Man gehe aktuell von einer „Übergangsphase aus, in der sich die Radfahrenden an das neue gesicherte und geschützte Angebot im Fahrradparkhaus gewöhnen“, sagt Stadtsprecher Marc André Glöckner. Die Erfahrungen aus anderen Städten zeige, dass die Nutzung von Fahrradparkhäusern Monat für Monat ansteigt. „Angesichts dieses Trends ist die aktuelle Auslastung äußerst erfreulich und wächst stetig.“

Doch mit welchen Maßnahmen will die Stadt noch mehr Nutzer ins Fahrradparkhaus holen? Wie Glöckner sagt, seien außer Codierungs-Aktionen mit dem ADFC auch Aktionstage wie ein „Tag der offenen Tür“ in Überlegung, um auf das Angebot im Fahrradparkhaus aufmerksam zu machen. Auch bei der Beschilderung soll noch nachgebessert werden.

Die Radcodierung sieht auch der ADFC als geeignetes Mittel, das Fahrradparkhaus bekannter zu machen. Am 14. August findet dort ab 10 Uhr eine Codierungsaktion statt. Weitere Informationen dazu, gibt es hier.

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