Mangelnde Hygiene? Wenn Verkäufer Lebensmittel und Geld mit derselben Hand anfassen

Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln ist wichtig. Diese scheint aber nicht in allen Bäcker- und Metzgerein gleich gehandhabt zu werden. Doch kann es deshalb tatsächlich zu gesundheitlichen Problemen beim Kunden kommen?

Mangelnde Hygiene? Wenn Verkäufer Lebensmittel und Geld mit derselben Hand anfassen

Richtig lecker sieht der Fleischkäse in der Heißen Theke aus, von dem die Metzgerei-Verkäuferin - mit oder ohne Handschuh - eine ordentliche Scheibe abschneidet. Dabei rinnt ihr der Fleischsaft über die Hand. Danach greift sie mit der selben, fettigen Hand in die Kasse. Spätestens jetzt mag vielleicht manchem bei der von Leser Kevin geschilderten Szene der Appetit vergehen, sollte er der nächste sein, der auch ein Fleischkäse-Brötchen will. In etwa Vergleichbares hat Leser Marky in einer Mainzer Bäckerei erlebt. „Verkäufer*innen fassen Backwaren mit bloßen Händen an, mit denen sie auch Geld anfassen“, schreibt er in seinem Snip. Für Marky ein ganz klarer Fall von „magelnder Hygiene“.

Bei den Merkurist-Lesern ist diese Art von Umgang mit Lebensmitteln durchaus ein Streitthema. Leser Max kann bespielsweise die Aufregung nicht verstehen:

Kathinka meint hingegen: „Sowohl auf Geldscheinen als auch Münzen sammeln sich zahlreiche Fäkalbakterien, Salmonellen und andere Krankheitserreger.“

Fäkal-Keime auf Geld entdeckt

Doch ist das Anfassen der Ware und der Geldscheine sowie Münzen mit der selben Hand tatsächlich problematisch? Wie die Apotheken Umschau berichtet, habe man gerade auf kleinen Scheinen, die oft den Besitzer wechseln, mehrere Tausend Arten von Bakterien und Pilzen gefunden. Darunter seien auch Fäkal- und antibiotikaresistente Keime gewesen. „Doch die meisten nachgewiesenen Arten sind für gesunde Menschen mit intaktem Immunsystem harmlos“, heiß es in der Zeitschrift. Laut Dr. Frank Mosel vom Institut für Medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Essen gelingt es nur einem Bruchteil der Keime, sich vom Geld abzulösen und auf den Fingern kleben zu bleiben.

Wie Mosel der Apotheken Umschau erklärt, könnten sich beispielsweise Keime „explosionsartig“ vermehren, wenn jemand Bakterien von belastetem Geld an den Fingern hat und in Hackfleisch greife. Werde das Hack dann nicht gleich gegessen oder vorher erhitzt, sei es zum Verzehr ungeeignet. Falls es doch verzehrt werden sollte, könnte es zu akuten Vergiftungen führen. „Der Klassiker ist Brechdurchfall, der schon eine halbe Stunde nach Verzehr auftreten kann, aber durch das Ausscheiden des Giftes rasch vergeht“, so Mosel in der Apotheken Umschau. Insgesamt kann festgehalten werden, dass einige der auf Geld gefundenen Keime theoretisch krank machen können. Es sei aber noch nicht gelungen, eine durch Geld ausgelöste Infektionskrankheit wissenschaftlich nachzuweisen, so die Apotheken Umschau.

Kann Coronavirus übertragen werden?

Ähnlich sieht es im Bäckerei-Gewerbe beim Umgang mit Geld und Lebensmitteln aus. Wie die „Rheinpfalz“ berichtet, können nach Einschätzung der Berufsgenossenschaft Brot, Brötchen oder Brezeln – also Lebensmittel mit einer trockenen Oberfläche, auf denen sich Keime wenig vermehren – „auch nach Geldkontakt“ mit bloßen Händen angefasst werden. Zu diesem Ergebnis sei die Berufsgenossenschaft gekommen, nachdem sie die Keimbelastung auf Geldscheinen und Münzen habe überprüfen lassen, heißt es in der „Rheinpfalz“.

Doch wie sieht es nun mit dem Coronavirus aus? Könnte dieses durch Geldscheine und Münzen übertragen werden, sofern Verkäufer dieses berühren und anschließend - ohne sich die Hände zu waschen - Lebensmittel berühren? Auf Anfrage an das Mainzer Gesundheitsamt verweist die Pressestelle der Kreisverwaltung Mainz-Bingen auf ein Merkblatt des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Demnach seien dem BfR bisher keine Infektionen mit SARS-CoV-2 über diesen Übertragungsweg bekannt.

Grundsätzlich könnten Coronaviren durch direktes Niesen oder Husten einer infizierten Person auf Oberflächen gelangen und eine Zeit lang überleben. Eine Schmierinfektion einer weiteren Person erscheine dann möglich, wenn das Virus kurz danach über die Hände auf die Schleimhäute der Nase oder der Augen übertragen wird. „Um sich vor Virusübertragungen über kontaminierte Oberflächen zu schützen, ist es wichtig, die allgemeinen Regeln der Hygiene des Alltags wie regelmäßiges Händewaschen und Fernhalten der Hände aus dem Gesicht zu beachten“, so das BfR abschließend. (pk)

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