Mainzer Weihnachtsmarkt: Gehen bald die Lichter aus?

Die Sorge um die steigende Zahl von Neuinfektionen mit dem Coronavirus nimmt mittlerweile von Tag zu Tag zu. Experten fordern nun eine sofortige Absage von Großveranstaltungen. Was das für den Mainzer Weihnachtsmarkt bedeuten könnte.

Mainzer Weihnachtsmarkt: Gehen bald die Lichter aus?

Zum Start ließ Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Donnerstag den Mainzer Weihnachtsmarkt per Knopfdruck hell erstrahlen. Tausende Lämpchen sollen die Veranstaltung noch bis zum 23. Dezember erleuchten. Doch gehen die Lichter womöglich doch schon viel früher aus? Denn fast jeden Tag erreichen Deutschland neue Hiobsbotschaften. Rund 70.000 Menschen infizieren sich mittlerweile pro Tag neu mit dem Coronavirus. Und seit diesem Wochenende wurden nun auch die ersten Fälle der neuartigen Omikron-Variante nachgewiesen, die noch einmal ansteckender sein soll als die Delta-Variante (wir berichteten).

Forderung: „Weihnachtsmärkte schließen“

Angesichts dieser ransanten negativen Entwicklung der aktuellen Corona-Situation scheint die 2G-Regelung auf dem Weihnachtsmarkt vielen Kritikern nicht mehr auszureichen. Auch wenn der Mainzer OB dies zuletzt noch etwas anders sah. So erklärte er bei der Markt-Eröffnung am Donnerstag gegenüber Merkurist: „Natürlich ist es in diesem Jahr anders als sonst, weil eben nicht auszublenden ist, dass Pandemie ist.“ Dennoch sei er der Meinung, dass durch die strengen Regelungen der Markt abgehalten werden könne. Doch diese Regelungen scheinen vielen Experten und Politikern nun nicht mehr weit genug zu gehen.

So fordert der Vorsitzende des Weltärztebunds Frank Ulrich Montgomery eine strikte Reduzierung der Kontakte, um die Infektionskurve wieder zu senken. „Wir sollten deswegen die Weihnachtsmärkte bundesweit schließen. Es bringt nichts, die Weihnachtsmärkte in der einen Region zu verbieten, wenn die Leute dann in eine andere fahren, wo sie noch geöffnet sind“, so Montgomery gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Und auch der geschäftsführende Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) brachte in der Talkshow „Markus Lanz“ am Donnerstag eine Schließung der Weihnachtsmärkte ins Spiel, vermied aber in diesem Zusammenhang, von einem generellen Lockdown zu sprechen. Diesen schließt jedoch mittlerweile der künftige Budeskanzler Olaf Scholz (SPD) nicht mehr aus, wie er auf Twitter mitteilte, auch wenn er das Wort konkret nicht benutzte: „Wir werden ­alles tun, was nötig ist. Es gibt nichts, was nicht in Betracht gezogen ­werden kann.“

Keinen Grund zur Panik sieht hingegen der Aerosolwissenschaftler Dr. Gerhard Scheuch. Zumindest bei Veranstaltungen im Freien sieht er keine Gefahren. Wie Scheuch sagt, finde die Hauptübertragung von Corona-Viren über Aerosole statt. „Die verwehen im Freien sofort.“ Eine Übertragung könne es nur geben, wenn man sich fünf bis 15 Minuten dicht gegenüberstehe. „Doch auch dann ist nur eine Eins-zu-Eins-Übertragung möglich, nicht ein Cluster wie in Innenräumen“, erklärte der Wissenschaftler im Gespräch mit Merkurist.

Hospitalisierungsinzidenz in RLP steigt weiter

In Rheinland-Pfalz gilt indes weiterhin die für die Pandemiebekämpfung maßgebliche landesweite 7-Tages-Hospitalisierungsinzidenz. Diese beträgt am Sonntag 4,21 pro 100.000 Einwohner (Vortag: 4,01), wie das Landesuntersuchungsamt bekanntgibt. Erst ab einem Wert von 6 tritt die 2G-plus-Regelung (Genesene und Geimpfte müssen getestet sein) in Kraft. Dass die Rate in den kommenden Tagen überschritten wird, scheint momentan nicht mehr ausgeschlossen werden zu können. Dies würde dann noch einmal eine Verschärfung der Zugangsregelungen, beispielsweise für den Mainzer Weihnachtsmarkt oder auch den Stadionbesuch bei Mainz 05, bedeuten.

Unabhängig von der Entwicklung der Hospitalisierungsrate sollen nach Informationen der „Bild“ von der künftigen Bundesregierung in der kommenden Woche neue Maß­nahmen beschlossen werden. Vor ­allem bei Großveranstaltungen sollen demnach neue Regelungen her. Was das nun konkret für Weihnachtsmärkte bedeutet, ist noch nicht zu beantworten. Wer den Mainzer Weihnachtsmarkt besuchen möchte, könnte unter Umständen vielleicht aber nicht mehr allzuviel Zeit dazu haben.

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