Mainzer Hopfengarten: Ist das „französische Flair“ schon verflogen?

Vom Parkplatz zur „Naherholungsmöglichkeit“: Vor sechs Jahren ist der Hopfengarten umgestaltet worden. Doch nicht jeder Mainzer sieht die Entwicklung des Areals nur positiv. So werde dort auch „wild uriniert“ oder alkoholisiert gepöbelt.

Mainzer Hopfengarten: Ist das „französische Flair“ schon verflogen?

Ein „attraktiver Platz im Herzen der Altstadt“ – so beschreibt die Stadt Mainz den Hopfengarten nach dem Umbau des Areals im Jahr 2016. Für rund eine halbe Million Euro wurde damals aus einer Parkfläche „eine Bereicherung des öffentlichen Lebens“, wie die Stadt angibt. „Entstanden ist ein sehr ansprechender Ort zum Verweilen mit ,französischem Flair‘“, erklärte damals Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD).

Doch Leser Reiner ist mehr als fünf Jahre später etwas zwiegespalten, was den Hopfengarten angeht. Konkret geht es ihm um den Zustand des Areals. Bei einem Besuch vor einigen Tagen vor Ort fand er verschmutzte Sitzgelegenheiten und einen teils sehr matschigen Untergrund vor. Er stellt zur Diskussion: „Hopfengarten: Französisches Flair oder eher Mainzer Dreck?“

Einer kritischen Diskussion aufgeschlossen gegenüber steht der Ortsvorsteher der Mainzer Altstadt, Brian Huck (Grüne). Die Entwicklung des Areals sieht er differenziert. „In den letzten fünf Jahren war die Entwicklung des Hopfengartens von Wetterextremen, die das öffentliche Grün stark beansprucht haben, und der Pandemie geprägt.“ Dadurch seien Ansprüche an den öffentlichen Freiraum gestellt worden, die man vor fünf Jahren so nicht erwarten konnte.

Für den Zustand des Platzes in den Wintermonaten macht er eine bestimmte Aktion verantwortlich. „Die Matschigkeit der einzelnen Stellen ist dem illegalen Befahren geschuldet.“ Die Sitze würden gereinigt, allerdings nicht im täglichen Abstand. Da könne es sein, dass man nicht bloß von „Momentaufnahmen“ sprechen kann. „Aber es ist auch kein Zustand, der wochenlang andauert“, sagt Huck. Die Aufenthaltsqualität auf dem Platz sei auf jeden Fall seit dem Umbau sehr viel höher. In der Regel werde der Platz auch gut angenommen.

Alkohol aus nahem Discounter lässt Hemmungen sinken

Doch Huck erhält auch kritische Rückmeldungen von Anwohnern und benennt die Probleme. So würde die Architektur des Neubaus drum herum nicht einstimmig begrüßt, aber auch nicht von allen verurteilt. „Die Probleme, die es mit der Platznutzung gegeben hat, wie zum Beispiel wildes Urinieren, illegales Befahren mit Fahrzeugen oder versperrte Querungsmöglichkeiten wegen der Außengastronomie, sind nicht unbedingt Probleme, die durch eine etwaige Fehlplanung am Platz selbst ausgelöst wurden, sondern haben andere Ursachen.“

So gebe es unter anderem preislich erschwinglichen Alkohol im angrenzenden Penny-Markt, was den Harndrang fördere und die Hemmungen senke, sagt Huck. Mit dem illegalen Befahren des Platzes sei es im Vergleich zu 2017, als es oft zu Abschleppaktionen gekommen war, besser geworden. „Aber für den Zustand des Bodenbelags ist das illegale Befahren dennoch nachteilig.“

Doch wie hat sich nun die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verändert? Die damalige Umweltdezernentin Katrin Eder (Grüne) sprach 2016 von einer „Naherholungsmöglichkeit, wo sich die Nachbarschaft beim abendlichen Plausch oder Boulespiel treffen kann“. Wie Huck sagt, sei die Nutzung durch den Weinstand am Donnerstag sehr beliebt und belebe den Platz. Auch der Spielplatz im rückwärtigen Bereich sei sehr beliebt. „Und ja, in der Tat. Schon seit einigen Jahren organisiert das Netzwerk Senioren Altstadt im Spätsommer wöchentliche Boule-Spiele dort.“

Besucher benehmen sich vereinzelt daneben

Insgesamt positiv bewertet auch der Gastronom Biagio Costa vom „Bistrorante L’Angolo“ die Wandlung des Hopfengartens. So habe sich die Umgestaltung auch positiv auf das Geschäft ausgewirkt. Durch die Neuausrichtung konnte er weitere Plätze für Gäste anbieten. Lediglich ab und zu - und da vor allem im Sommer - gebe es Streitereien unter Leuten, die dort Alkohol konsumierten. Dann komme es auch einmal vor, dass dann einfach in die Grünanlage uriniert werde. Ein negativer Höhepunkt sei einmal gewesen, als jemand sein „Geschäft“ auf dem Platz erledigte. „Das ist dann natürlich nicht schön, wenn Gäste das mitbekommen und dadurch verschreckt werden“, sagt Costa. Gott sei Dank sei dies jedoch die Ausnahme.

Auch wenn die Entwicklung des Hopfengartens also auf einem positiven Weg zu sein scheint, sieht Ortsvorsteher Huck noch einige Möglichkeiten, den Platz weiter aufzuwerten. „Es wäre gut, wenn der motorisierte Verkehr hier noch stärker überwacht werden würde.“ Viele würden mittig über den Platz fahren, was weder für die Oberfläche noch für die Aufenthaltsqualität gut sei. Auch Lieferverkehr stelle sich hier gerne ab oder wende über die Platzfläche. Abgesehen davon hätten Senioren auch vorgeschlagen, Rückenlehnen für die Sitzmöglichkeiten zu installieren, so Huck abschließend.

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