Mainz kein Paradies für Skateboarder

In Mainz wächst die Skater-Community immer weiter. Doch geeignete Skateparks sind rar. Wie sich die Stadt zu den Skatern positioniert.

Mainz kein Paradies für Skateboarder

„Ein Nachmittag auf der Skateanlage bringt Bewegung und macht Spaß. Probieren Sie es aus“, schreibt die Stadt Mainz auf ihrer offiziellen Seite. Dazu liefert sie Links zu anderen Seiten, die auflisten, wo man in Mainz überall skaten kann. Gleich in sieben Stadtteilen gibt es demnach Skateparks, unter anderem auch in der Altstadt am Kaisertor. Doch „Spaß“ machen den Skatern diese Anlagen anscheinend nicht. So fragt Leser Hendrik: „Warum gibt es in Mainz eigentlich keinen anständigen Platz für die mittlerweile zahlreichen Skateboarder?“

Leere Versprechen von Seiten der Stadt?

Jemand, der sich mit der Sportart auskennt, ist der Mainzer Stefan Weiler. Er ist Inhaber des „Asphaltinstrumente Skateshops Mainz“ und der „School of Skate“, die aktuell wegen Corona pausiert. Als einen echten Skatepark in Mainz würde er genau einen bezeichnen, nämlich den am Kaisertor. „Der ist allerdings komplett veraltet und teilweise marode und in der Praxis eigentlich nicht mehr benutzbar.“ Daneben gebe es noch kleinere Anlagen, wie zum Beispiel in Bretzenheim (Albert-Stohr-Straße). Allerdings seien diese komplett ungeeignet, um wirklich Skateboard zu fahren, erklärt Weiler. Gespräche mit der Stadt über eine neue Anlage gestalten sich indes schwierig. Wie Weiler sagt, habe der Mainzer Skateboardverein nach langem Hin und Her mit der Stadt und dem Rollschuhverein die Erlaubnis erhalten, die Rollschuhbahn auf dem Goetheplatz mitzunutzen.

Diese Lösung sei jedoch absolut unbefriedigend und genüge auch nicht den Ansprüchen, die modernes Skateboarding hat. „Seit Jahren sind wir im Gespräch mit der Stadt und es wird immer wieder versprochen, hinausgeschoben, abgeblasen“, sagt Weiler. Erst jüngst im Wahlkampf hätte Oberbürgermeister (OB) Ebling im alten Postlager bei einer Wahlveranstaltung vor jungen Leuten versprochen, bei der Landesgartenschauplanung die Skater mit einzubeziehen. Bei der ersten Planungsveranstaltung nach der Wahl hätten sich dann weder der OB noch die Stadt bei den Skatern gemeldet und sie eingeladen, so Weiler. „Im Moment läuft leider nahezu keine Kommunikation mit der Stadt. Die letzten zehn bis zwanzig Jahre waren so frustrierend, dass einfach keiner mehr Lust hat, sich zu engagieren.“

Vorbild Wiesbaden

Wesentlich besser als in Mainz sieht es anscheinend in der Nachbarstadt Wiesbaden aus. Die hessische Landeshauptstadt kümmere sich sehr stark um Jugendsubkulturen und fördere diese, sagt Weiler. Außer einer Reihe tauglicher Parks, zum Beispiel am Schlachthof und in Kostheim, gebe es mehrere kleinere Anlagen wie die Mini-Rampe in Schierstein. Außerdem werde die Kreativfabrik (e.V.), die die Skatehalle Wiesbaden betreibt, sehr stark von der Stadt finanziell gefördert.

Den Skatern in Mainz hingegen sei zuletzt ein Satz Eblings „sehr sauer aufgestoßen“, auch wenn es wohl lustig gemeint gewesen sei, sagt Weiler. In Zusammenhang mit den Ambitionen, in Mainz einen Skatepark zu bauen, habe Ebling sinngemäß gesagt, dass die Stadt ja nichts mehr machen müsse, weil die Wiesbadener in Mainz einen Skatepark bauen, so Weiler. „In der Tat entsteht gerade in Mainz-Kastel direkt am Brückenkopf ein neuer Skatepark - ein Armutszeugnis für die Stadt Mainz.“ Wie Weiler sagt, habe er jedoch mittlerweile verstanden, dass die Stadt Mainz keinerlei Interesse an einem Neubau hat. Hier seien die Argumente: 1. kein Geld und 2. kein Platz.

Und was sagt die Stadt Mainz dazu? Auf Anfrage erklärt Stadtsprecher Marc André Glöckner, dass sich die Stadt bewusst sei, dass es eine wachsende Skater-Community in Mainz gebe. Man sehe auch, dass es Bedarf gebe für einen Skatepark, jedoch sei in absehbarer Zeit nicht geplant, eine solche Sportstätte zu errichten, so Glöckner. Dafür gebe es aktuell auch keine finanziellen Mittel. Dafür behalte man das Ganze im Hinterkopf.

Stefan Weiler fühlt sich indes bestätigt und hat klare Vorstellungen von der Zukunft der Skater in Mainz: „Wir fordern trotzdem nach wie vor schnell umsetzbare und für die Stadt günstige kleinere Projekte wie zum Beispiel die Renovierung oder Umgestaltung des Kaisertors.“ Ob das in Zukunft aber klappen wird, bleibt abzuwarten.

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