Dürfen Obdachlose in Bankfilialen schlafen?

Vor allem in der kalten Jahreszeit nutzen einige Mainzer Obdachlose die Vorräume von Banken, um dort zu übernachten. Im Extremfall könnten sie damit sogar Hausfriedensbruch begehen. In Mainz drohte zuletzt ein solcher Fall zu eskalieren.

Dürfen Obdachlose in Bankfilialen schlafen?

Wenn die Temperaturen nachts sinken oder es regnet, wird es für viele Obdachlose sehr ungemütlich. Um sich aufzuwärmen, nutzen manche dann die durchgehend geöffneten Vorräume von Banken, in denen sich die EC-Karten-Automaten befinden, als Schlafstätte. Doch oft werden die Obdachlosen unsanft von Sicherheitsdienst-Mitarbeitern aus dem Schlaf gerissen und aufgefordert, die Bank zu verlassen. Obdachlose, die dieser Anweisung nicht nachkommen wollen, riskieren eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Vorfall in Mainzer Bank

Einen solchen Vorfall hat zuletzt auch Leser Mas mitbekommen. Demnach habe sich der Vorfall Ende April in der HypoVereinsbank abgespielt. Das bestätigt auch die Mainzer Polizei. Wie ein Sprecher auf Merkurist-Anfrage sagt, sei es dort zu Meinungsverschiedenheiten unter den Beteiligten gekommen. Schließlich habe ein Sicherheitsmitarbeiter die Polizei informiert. Als der Obdachlose dann aber gehen wollte, soll ihn der Mitarbeiter gehindert haben, die Bank zu verlassen. Nun ermittle die Polizei in beide Richtungen - wegen Hausfriedensbruchs und möglicher Freiheitsberaubung, so der Sprecher.

Generell seien solche Vorfälle in der kalten Jahreszeit aber gar nicht so selten, so der Polizeisprecher. Die Polizei werde häufiger gerufen, um Platzverweise auszusprechen, wenn Obdachlose auch nach mehrmaliger Aufforderung des Sicherheitsdiensts nicht die Bank verlassen. „Manchmal melden sich auch Bankkunden, die sich belästigt fühlen, wenn sie Geld abheben wollen“, sagt der Sprecher.

Einige Leser können das durchaus nachvollziehen. So kommentiert Kathinka: „Ich kann nachvollziehen, dass die Obdachlosen einen geschützten Schlafplatz suchen. Gebe aber auch gerne zu, dass ich nicht reingehe, wenn einer drinliegt.“ Leserin Johanna erlebte bereits eine unangenehme Situation: „In einem SB-Center, das ich ab und an besuchte, schlief öfters ein Obdachloser, auch noch morgens. Den Gestank nach Alkohol und Ausscheidungen möchte ich nicht beschreiben. Außerdem fühlte ich mich unwohl mit einem Mann im Rücken.“ Und Leser Micha meint: „Es ist immer noch eine Bank und kein Platz zum Schlafen. Man hätte bestimmt auch was dagegen, wenn ein Obdachloser in privaten Hausfluren übernachtet.“

Andere Leser zeigen wiederum großes Verständnis für die Obdachlosen. So kommentiert Marco: „Den Leuten, die keine Wohnung haben, sollte doch der Sicherheitsdienst erlauben zu bleiben, solange sie sich anständig benehmen.“ Und Mas meint: „Die Banken könnten viel kulanter sein.“

Einige Banken kulant

Und in der Tat gibt es auch einige Banken in Mainz, die sich in solchen Fällen kulant zeigen, erklärt ein Sprecher des Vereins „Rheinhessen hilft“, der eine Anlaufstelle für sozial und gesundheitlich benachteiligte Menschen ist. So seien jede Nacht ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins in Mainz unterwegs, um die Lage für die Obadachlose zu beobachten. „Dabei haben wir gesehen, dass einige Banken liberal mit Obdachlosen umgehen“, so der Sprecher. Dort würde man sie gewähren lassen. Für Rückenfragen in diesem Zusammenhang steht „Rheinhessen hilft“ jederzeit zur Verfügung.

Generell hätten die Mitarbeiter des Vereins aber auch mitbekommen, dass manche Sicherheitsdienste ziemlich rabiat mit Obdachlosen umgingen und sie sogar beschimpften. Ganz anders hingegen werde mit Obdachlosen am Mainzer Bahnhof verfahren. „Dort werden sie nachts geduldet“, so der Vereinssprecher. Sie dürften sich dort zwar nicht zum Schlafen ausbreiten, jedoch werde es ihnen von der Bundespolizei genehmigt, sich auf den Wartebänken auszuruhen. So könne man also auch sehen, dass in Mainz an vielen Orten positiv mit Obdachlosen umgegangen werde. (pk)

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