Covid-19-Impfungen bei Kindern: Das sagen die Ärzte

Der Impfstoff für Kinder ab fünf Jahren ist verfügbar, das Land fährt bereits seine Impfkampagne. Die Stiko wartet noch mit der Empfehlung, doch Experten wie der Mainzer Kinderarzt und Stiko-Mitglied Fred Zepp haben sich bereits zum Thema geäußert.

Covid-19-Impfungen bei Kindern: Das sagen die Ärzte

Der Impfstoff ist da: Seit einer Woche können Eltern auf dem zentralen Impfportal von Rheinland-Pfalz ihre fünf- bis elfjährigen Kinder für eine Impfung registrieren lassen. Der Impfstoff wird für die Kinder „altersentsprechend angepasst dosiert“, also verdünnt auf zehn statt 30 Mikrogramm.

Doch viele Eltern sind skeptisch, ob sie ihr Kind tatsächlich gegen Covid 19 impfen lassen sollen. Noch wartet die Ständige Impfkommission (Stiko) mit einer Empfehlung. Bis 13. Dezember soll diese dann vorliegen. Dem Stiko-Vorsitzenden Thomas Mertens indes ist kürzlich bei einem Podcast-Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine vorschnelle Aussage herausgerutscht: Auf die Frage hin, ob er sein sieben- oder achtjähriges Kind gegen Covid impfen lassen würde, sagte er, dass er das „derzeit“ wahrscheinlich nicht machen würde.

Oft wird argumentiert, dass geimpfte Kinder auch Menschen in ihrem Umfeld schützen würden, die ein Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf haben. Prof. Dr. Fred Zepp, Stiko-Mitglied und Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Mainzer Universitätsmedizin, sieht zwei Parameter in der Diskussion: Das eine sei die Krankheitslast des einzelnen Kindes, das andere der Nutzen für die gesamte Gesellschaft.

Könnten Kinderimpfungen die Pandemie bekämpfen?

Zepp glaubt nicht, dass Kinder-Impfungen der Durchbruch für die Pandemiebekämpfung seien, zitiert ihn etwa der SWR. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht wieder eine Stellvertreter-Diskussion zum Nachteil von Kindern haben. Die wichtigste Maßnahme zur Überwindung der Pandemie bleibt unverändert, möglichst viele, am besten alle Erwachsenen, durch Impfung zu schützen.“ Gegenüber der ARD sagte Zepp, dass es möglich sei, dass es zunächst eine Empfehlung für Kinder mit einem erhöhten Risiko aufgrund von Vorerkrankungen geben könnte.

Ähnlich wie Zepp sehen es die Verbände für Kindermedizin: Bereits Ende November, kurz nachdem die Impfung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) bedingt am Markt zugelassen wurde, hieß es: „Wir begrüßen sehr, dass damit das Recht auf einen zugelassenen Impfstoff auch für diese Altersgruppe der Kinder umgesetzt werden kann“, so die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass die „Krankheitslast dieser jungen Altersgruppe durch schwere Erkrankungen unverändert sehr gering“ sei, das Virus werde zudem weit seltener übertragen als bei Erwachsenen - insbesondere bei Kindern ohne Krankheitssymptomen. „Die Nutzen-Risiko-Abwägung bei der Impfindikation ist bei jungen Kindern besonders sorgfältig zu überprüfen und nicht so offensichtlich wie bei der Impfung von Erwachsenen“, heißt es weiter. „Die Forderung nach Impfungen der jungen Kinder zur Verhinderung eines allgemeinen Lockdowns ist nicht verhältnismäßig. Der Eigennutz für das Kind muss im Vordergrund stehen.“

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