Bekommt Mainz einen neuen Stadtteil?

Mainz wächst weiter, doch die Wohnungen sind für viele Normalverdiener zu teuer. Oberbürgermeister Michael Ebling spricht sich jetzt für einen neuen Stadtteil aus - und dieser soll neue Maßstäbe setzen.

Bekommt Mainz einen neuen Stadtteil?

Von A wie Altstadt bis W wie Weisenau: Bisher hat Mainz 15 Stadtteile. Doch das könnte sich in einigen Jahren ändern. Bereits 2017 schlug die Mainzer CDU vor, zwischen der Militärstraße in Hechtsheim und der Grenze zu Bodenheim einen neuen Stadtteil zu errichten: Mainz-Rheinhöhe. „Wir brauchen in Mainz bezahlbaren Wohnraum. Meiner Meinung nach bietet die Rheinhöhe dafür optimale Voraussetzungen“, so der Landtagsabgeordnete Gerd Schreiner damals.

Auch Nino Haase, parteiloser Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters, sprach sich im Merkurist-Interview im Februar für einen neuen Stadtteil aus. „Das ist es, was ich in Mainz vermisse: aktiv zu werden. Stattdessen wurde die Vorlage der CDU direkt weggewischt, weil sie von der falschen Partei kam. Wir müssen wie andere Städte jetzt schon an Stadtteile von morgen denken.“

Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) zeigte sich kurz darauf im Interview nicht abgeneigt. „Ich habe einen neuen Stadtteil aus gutem Grund nie abgelehnt. Denn wenn es mit dem Bauen so schnell und konsequent weitergeht wie in den vergangenen Jahren, dann werden wir bald sehen, dass diese Entwicklung endlich ist.“ Mittelfristig müsse man deshalb über eine Stadtteilentwicklung nachdenken, so Ebling damals.

Eblings Vorschlag

Jetzt treibt OB Ebling das Thema aktiv voran. In der vergangenen Woche machte er in einer Pressemitteilung den Vorschlag, zwischen Hechtsheim und Ebersheim, stadtauswärts links der Rheinhessenstraße, einen neuen Stadtteil zu entwickeln. Und wenn es nach Ebling geht, sollen an einen neuen Stadtteil hohe Anforderungen gestellt werden. „Das bedeutet, dieser neue Stadtteil muss ein Null-Emissions-Quartier werden, eine beispielhaft ökologische Bebauung - beispielsweise mit begrünten Dächern und Fassaden - ermöglichen, auf Stellplätze weitgehend verzichten.“

Dafür müsse das Straßenbahnnetz bis nach Ebersheim ausgebaut werden. In dem neuen Stadtteil solle es zudem Wohnraum für junge Familien und Angebote für Senioren, für Baugemeinschaften und genossenschaftliches Bauen geben. Da jede Bebauung Auswirkungen auf die Umwelt habe, brauche es „bereits vor dem ersten Spatenstich eine Reihe von Maßnahmen zum Ausgleich von beispielsweise klimatologischen oder artenschutzrechtlichen Auswirkungen“.

Wie es weitergeht

Doch um welchen Zeitraum geht es dabei? Laut Ebling muss der Mainzer Stadtrat in einem ersten Schritt vorbereitende Untersuchungen beschließen. Das sei zunächst noch keine Entscheidung für eine Bebauung, sondern zunächst ein Rahmen, in dem alle „fachlich notwendigen Themen abgearbeitet werden können“. Erst dann könne die Fläche definiert werden, in der gebaut wird.

Gleichzeitig müsse eine Satzung auf den Weg gebracht werden, die für die Fläche ein städtisches Vorkaufsrecht sichert. „Damit verhindert die Stadt private Grundstücksspekulationen“, so Ebling. Nur dann sei bezahlbares Wohnen möglich.

Haase: „Man könnte schon weiter sein“

Wie Eblings Gegenkandidat Nino Haase mitteilt, sei es zwar zu begrüßen, dass der Oberbürgermeister „diese Diskussion nun endlich aufgreift“. Doch die CDU habe schon im Jahr 2012 einen ähnlichen Antrag eingebracht. „Man hätte dieses Projekt seitdem für verschiedene Standorte prüfen und entwickeln müssen, dann könnte man nun schon einige Jahre weiter sein.“

Positiv sieht Haase den ökologischen Aspekt eines eventuellen neuen Stadtteils: „Die Diskussion um Frischluftschneisen und Wasserschutzreservoirs sind absolut richtig und notwendig. Daher muss endlich Abstand von der dichten Bebauung mit Wohnkasernen in Mainzer Neubaugebieten Abstand genommen werden, die jeden letzten Quadratmeter aus einer Fläche herausholen wollen.“ (mm)

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