Aufregung um Schillerplatz-Party: Muss der Weihnachtsmarkt jetzt abgesagt werden?

Das Infektionsgeschehen in Deutschland nimmt wieder rasant an Fahrt auf. Die Corona-Zahlen sind auf Rekord-Niveau. Inzwischen wird sogar über die Absage von Großveranstaltungen diskutiert. Was wird aus dem Mainzer Weihnachtsmarkt?

Aufregung um Schillerplatz-Party: Muss der Weihnachtsmarkt jetzt abgesagt werden?

Tausende Narren haben am Donnerstag auf dem Mainzer Schillerplatz ausgelassen den 11.11. gefeiert. Bei der vom Mainzer Carneval-Verein (MCV) organisierten Veranstaltung galt die 2G-Regelung. Somit durften nur Geimpfte oder Genesene mitfeiern – und das ganz ohne Maske. Während sich viele über diese zurückgewonne Freiheit freuten, gab es aber auch sehr viele kritische Stimmen, die das Event auf dem Schillerplatz scharf verurteilten. In einer Zeit, in der die Zahl der Corona-Infektionen stark zunimmt (rund 50.000 pro Tag), könne es nicht sein, dass man solche Veranstaltungen überhaupt noch durchführt, so der Tenor der Kommentatoren in den sozialen Medien – zumal sich auch Geimpfte mit dem Virus infizieren können.

Weihnachtsmarkt als Corona-Hotspot?

Nun stellt sich inzwischen für viele auch die Frage, ob man angesichts der sich wieder zuspitzenden Situation den Mainzer Weihnachtsmarkt, der in zwei Wochen (25. November) starten soll, überhaupt ruhigen Gewissens durchführen kann. Für die Veranstaltung in der Mainzer Altstadt war zuletzt entschieden worden, die 3G-Regel nicht anzuwenden (wir berichteten). Mittlerweile ist jedoch im Gespräch, eine Maskenpflicht zumindest bei den Getränke- und Imbissständen, wo viele Menschen warten und anstehen, einzuführen. Ob dies letztlich bei den großen Menschenmassen ausreicht, weitere Infektionen zu verhindern, ist umstritten.

Denn am Freitag warnte auch der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler vor einer weiteren Verschärfung der aktuellen Situation. „Es ist fünf nach zwölf!“ Nun reiche 2G alleine nicht mehr aus. Es müsse über Beschränkungen bei der Teilnehmerzahl oder gar Verboten von Veranstaltungen nachgedacht werden, so Wieler. Ebenso müsse ein Schließen von Bars und Clubs wieder erwogen werden. Ohne zusätzliche Maßnahmen sei das Infektionsgeschehen nicht mehr aufzuhalten. Um die Situation so rasch wie möglich zu entschärfen, müssten alle zusätzlich ihr Verhalten ändern. „Reduzieren Sie Ihre Kontakte. Vermeiden Sie vor allem Situationen, in denen mehrere Menschen in Innenräumen zusammenkommen. Bitte halten Sie sich immer und überall an die AHA-Regeln, auch bei 2G- und 3G-Veranstaltungen. Tragen Sie also auch bei 2G eine Maske“, appeliert Wieler an die Bevölkerung.

Und auch der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kündigte mit Blick auf die Belegung der Intensivbetten weitere Maßnahmen im Kampf gegen Corona an. „Wenn nichts passiert, werden sich die Inzidenzen weiter alle zwei Wochen verdoppeln.“ Unter anderem soll es weitere Einschränkungen bei Veranstaltungen geben. Angedacht ist hier eine 2G-Plus-Regelung – geimpft oder genesen und getestet. „3G wird nicht mehr reichen“, so Sphan am Freitag. Zu oft seien die Vorgaben nicht kontrolliert worden.

Was wird aus dem Mainzer Weihnachtsmarkt?

Aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens wurden nun mittlerweile zahlreiche Weihnachtsmärkte in Deutschland abgesagt. Dazu zählen unter anderem Veranstaltungen in Berlin, Hamburg und Dortmund. Indes schlagen die Schausteller Alarm. Eine erneute Absage weiterer Weihnachtsmärkte würde die Schausteller in den finanziellen Ruin treiben. So hätten viele bereits mit dem Aufbau ihrer Geschäfte begonnen, Investitionen getätigt, Waren eingekauft, Personal eingestellt und Standmieten gezahlt, erklärt der Deutsche Schaustellerbund. Die Schausteller, aber auch die von der Verödung bedrohten Innenstädte bräuchten die Weihnachtsmärkte zum Überleben.

Und was ist nun mit dem Mainzer Weihnachtsmarkt? Die aktuelle Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes Rheinland-Pfalz sieht jedenfalls nicht vor, eine Veranstaltung dieser Größe zu verbieten. Dann bleibt noch abzuwarten, wie sich die Stadt Mainz entscheidet. Ob sie präventiv handelt und die Veranstaltung absagt oder ob eine solche Überlegung überhaupt keine Rolle spielt, dazu äußerte sich die Stadtverwaltung auf Anfrage von Merkurist bis zum Erscheinen dieses Artikels nicht.

Möglicherweise wird den handelnden Personen aber auch die Entscheidung schon nächste Woche abgenommen. Denn am Donnerstag (18. November) werden erneut Bund und Länder über die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie beraten. Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) kommen dann zu einer Besprechung mit den Regierungschefs der Länder zusammen. Eine Absage der Weihnachtsmärkte scheint Stand jetzt nicht mehr ausgeschlossen werden zu können.

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