Aggressives Betteln in Mainz wird zum Problem

Die meisten Bettler bitten sehr zurückhaltend um eine Spende. Doch seit Kurzem werden auch in Mainz vermehrt Bettler beobachtet, die äußerst aufdringlich Passanten ansprechen und diese fast schon nötigen, ihnen Geld zu geben. Was die Stadt macht.

Aggressives Betteln in Mainz wird zum Problem

Häufig sind sie in der Mainzer Innenstadt oder auch am Bahnhof anzutreffen. Mittlerweile sind Bettler aber auch auf Supermarkt-Parkplätzen oder direkt vor Geschäften zu sehen. In den meisten Fällen sitzen sie dort stumm auf dem Boden und bitten mit einem kurzen Text auf einem Pappschild um eine Spende. Inzwischen sollen die Bettler laut Aussagen einiger Leser aber immer aufdringlicher werden und den Passanten sogar hinterherlaufen, um an Geld zu kommen. Doch sind das nur Einzelfälle oder ist es aktuell tatsächlich so, dass das aggressive Betteln in Mainz weiter zunimmt?

Bettlern droht Einzug ihres Geldes

Generell ist es laut Gefahrenabwehrverordnung der Stadt Mainz so, dass es auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Anlagen verboten ist, in aggressiver, aufdringlicher und bedrängender Form oder organisiert zu betteln. Doch gerade das scheint aber momentan in Mainz der Fall zu sein. Wie die Stadt mitteilt, habe das aufdringliche Betteln in Corona-Zeiten tatsächlich zugenommen. Mehr als 50 Personen seien bereits in diesem Jahr aufgrund von aggressivem Betteln mit einem Platzverweis belegt worden, sagt Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr gegenüber Merkurist. Dabei seien auch Geldbeträge sichergestellt beziehungsweise Verwarnungsgelder erhoben worden.

Doch diese Bettler sind inzwischen nicht mehr nur in der Mainzer City anzutreffen. „Mittlerweile treten solche Gruppierungen - oft aus Osteuropa - verstärkt in den Außenbezirken, sprich Vororten, auf. Dies sei teilweise auch auf die verstärkten Kontrollen der Ordnungsbehörden zurückzuführen, erklärt Peterhanwahr. Allerdings würde auch weiterhin an exponierten Stellen in der Innenstadt gebettelt. Grundsätzlich sei das Betteln jedoch gestattet. Dies dürfte dann aber nicht offensiv beziehunsgweise aggressiv erfolgen. Wer Passanten nicht aktiv anspricht, begehe keine Ordnungswidrigkeit, so Peterhanwahr. Sollte das Ordnungsamt jedoch aggressive Bettler feststellen, dann müssten diese unter Umständen ein Bußgeld in Höhe von bis zu 55 Euro zahlen. In der Regel werde aber das bisher erbettelte Geld konfisziert.

Dann ordnet Stadtsprecher Peterhanwahr noch einmal ein: „Menschen ohne Einkünfte oder Obdach, die im Leben nicht auf der Sonnenseite stehen und im Stadtgebiet betteln, um über die Runden zu kommen, gehören zur Lebensrealität in größeren deutschen Städten dazu.“ Diese würden geduldet, sofern sie niemanden bedrängen und die Spenden durch die freie Entscheidung der Passanten erfolgen.

Was die Polizei sagt

Bei der Mainzer Polizei behält man die aggressiven Bettler indes auch im Blick. Auf ihren Streifenfahrten hätten die Polizisten zuletzt subjektiv auch vermehrt bettelnde Personen wahrgenommen, sagt ein Sprecher. Relevantere Begebenheiten als in Vor-Pandemie-Zeiten seien bislang aber nicht feststellbar. Relevant würde es jedoch, sollten sich zum Beispiel organisierte oder bandenmäßige Strukturen herauskristallisieren oder sich Überschneidungen zu strukturellem Trick- und Taschendiebstahl sowie Betrug abzeichnen. Das sei aktuell aber nicht der Fall, so der Sprecher abschließend.

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