Ärger über Vogelkot in Mainz: Sind Maßnahmen geplant?

Ihr Kot verschmutzt Sitzbänke und Spielplätze, Autos und Balkone: Von vielen Anwohnern sind Vögel in der Stadt nicht gern gesehen. Doch wie groß ist das Problem wirklich?

Ärger über Vogelkot in Mainz: Sind Maßnahmen geplant?

Tausende von Vögeln, die sich in Schwärmen zum Schlafen auf den Bäumen niederlassen und dann dicke weiße Flecken aus Vogelkot hinterlassen: Stare bevölkern seit einigen Jahren die Wiesbadener Innenstadt und sorgen dort für Ärger bei den Anwohnern. Ihr Kot beschmutzte beispielsweise den Kinderspielplatz in der Adolfsallee so stark, dass er fast täglich gereinigt werden musste – zu hohen Zusatzkosten. Zeitweise engagierte die Stadt sogar einen Feuerwerker, der mit Böllerschüssen die Vögel vertrieb (wir berichteten).

Auch in Mainz treten immer wieder Konflikte wegen der Hinterlassenschaften bestimmter Vögel auf. Doch wie stark ist die Stadt tatsächlich betroffen und sind ähnliche Maßnahmen wie in Wiesbaden geplant?

„Konflikte treten dort auf, wo in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung Grünanlagen mit geeigneten Brut- oder Schlafbäumen vorkommen“, meldet das Mainzer Grün- und Umweltamt auf Merkurist-Anfrage.

Schwerpunkte seien momentan der Lerchenberg, die Neustadt sowie einzelne Plätze und Straßenzüge in Ebersheim, der Alt- und der Oberstadt. Anders als in Wiesbaden gebe es in Mainz aber keine großen Starenkolonien, sondern vor allem Saatkrähen, Rabenkrähen und Stadttauben. Der Kot der Vögel sei vor allem dann ein Problem, wenn sie brüten und sich unter ihren Nestern Sitzplätze, Spielgeräte oder Autostellplätze befinden.

Krähen lieben Platanen – den Hauptstadtbaum in Mainz

„Auch die Rufe von Vögeln, vor allem in den Morgen- und Abendstunden und während der Brutzeit können die Anwohner stören“, so das Grünamt. So erreichen die Verwaltung vor allem Beschwerden von Anwohnern.

„In Lerchenberg gibt es größere Kolonien von Saatkrähen, in der Neustadt ein paar kleinere“, weiß Christian Henkes, Vorsitzender des NABU Mainz und Umgebung. „Sie lieben die Platanen und nisten dort sehr gerne – ausgerechnet den Hauptstadtbaum in Mainz, vor allem auf Spielplätzen und Friedhöfen.“ Auch den NABU erreichen ab und zu Beschwerden.

Doch unternehmen wird die Stadt wenig gegen die Vögel, denn Saatkrähen seien eine geschützte Tierart. „Laut Bundesnaturschutzgesetz dürfen sie nicht gefangen oder getötet werden. Auch das Nachstellen beziehungsweise das ‘Entnehmen ihrer Art aus der Natur’ ist verboten“, ist beim Grün- und Umweltamt zu erfahren. Gleiches gelte für ihre Nester und Ruhestätten – auch diese dürfen weder beschädigt noch zerstört oder entfernt werden.

Ergreift die Stadt dennoch Maßnahmen?

Es gebe jedoch einige Maßnahmen, um den Schmutz zu reduzieren: Die Population der Stadttauben etwa soll durch Taubenhäuser eingeschränkt werden (wir berichteten). Die Verschmutzung durch den Kot der Krähen könne „durch bauliche Maßnahmen und häufigere Reinigung der betroffenen Bereiche verringert werden“, so das Amt. Auf Spielplätzen könnten in Einzelfällen Bänke und Spielgeräte versetzt oder Bäume zurückgeschnitten werden. „Attraktive Angebote“ für die Vögel könnten zusätzliche Bäume entlang von Verkehrswegen, an Siedlungsrändern und in der Feldflur sein.

Akustische Methoden wie in Wiesbaden würden im Stadtbereich aber nicht angewandt. „Böllerschüsse sind nach unserer Einschätzung kein wirksames Mittel gegen Saat- und Rabenkrähen, da die intelligenten Tiere sich generell an fremde Geräusche schnell gewöhnen.“ Einzig für die Anwohner würden diese „eine erhebliche Lärmbelästigung darstellen.“

Grundsätzlich würden Vergrämungen, also das Vertreiben der Vögel, eine Gefahr bergen: „Dass Kolonien sich auf andere Standorte in der Umgebung aufspalten und somit das Problem verlagern und verschärfen.“ Diese Erfahrung hat auch Christian Henkes vom NABU gemacht: „Die Krähen suchen sich dann einfach andere Bäume.“

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