Angst vor Astrazeneca? Das sagen Erzieher, die jetzt geimpft werden

Mit dem Vakzin von Biontech kommt einer der gefragtesten Impfstoffe aus Mainz. Viele Mainzer und Rheinhessen hoffen nun, dass sie direkt damit geimpft werden und nicht mit Astrazeneca, gegen das es Vorbehalte gibt. Doch wie sieht es tatsächlich aus?

Angst vor Astrazeneca? Das sagen Erzieher, die jetzt geimpft werden

Seit Sonntag können sich Grundschullehrer und Kita-Beschäftige gegen Corona impfen lassen. Laut Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) gibt es aktuell bereits auch eine hohe Impfbereitschaft in diesen Berufsgruppen. Doch welchen Impfstoff bekommen die Erzieher gespritzt? Leser Mogon glaubt zu wissen, dass Beschäftigte aus diesem Sektor mit dem Wirkstoff des britisch-schwedischen Herstellers „Astrazeneca“ geimpft werden anstatt mit dem Mainzer Vakzin von Biontech. „Gerade vor dem Hintergrund, dass der Impfstoff von Astrazeneca viel weniger wirkungsvoll ist“, meint Leser Mogon. Doch stimmt das überhaupt?

Fakt ist jedenfalls, dass es in der Bevölkerung große Vorbehalte gegen Astrazeneca gibt. Wie das ZDF in seinem Faktencheck zeigt, hat der Impfstoff von Astrazeneca gegenüber den Vakzinen von Moderna und Biontech/Pfizer manche Nachteile wie mehr Nebenwirkungen und eine geringere Wirkung. Teilweise gebe es aber auch Vorteile wie zum Beispiel eine höhere Wirkung nach der ersten Dosis sowie einen leichteren Transport, da hierfür keine Tiefkühlung notwendig ist, so das Fazit.

Keine Auswahlmöglichkeit bei Impfstoff

Abgesehen davon werden im Mainz-Binger Impfzentrum rund 500 Impfungen pro Tag durchgeführt - Tendenz steigend, vermeldet die Kreisverwaltung auf Anfrage von Merkurist. So würden in dieser Woche etwa 1000 Dosen Biontech und 1300 Dosen Astrazeneca verimpft. Aber: „Das Biontech-Präparat bleibt derzeit weiterhin für die älteren Personen ab 65 reserviert, Jüngeren steht Astrazeneca zur Verfügung“, so eine Sprecherin. Den meisten Bürgern, die ins Impfzentrum kommen, sei dies auch bewusst. „Dennoch bleiben Diskussionen und Vorbehalte gegenüber dem Vakzin von Astrazeneca im Mainz-Binger Impfzentrum nicht aus. Die Situation hat sich aber beruhigt, sodass die Akzeptanz grundsätzlich besteht.“ Die meisten Personen seien jedoch froh, überhaupt eine Impfung zu erhalten.

Bedenken seien aus Sicht der Kreisverwaltung Mainz-Bingen nicht nötig, so die Sprecherin. „Bei Astrazeneca handelt es sich um einen hochwirksamen Impfstoff, der dem von Biontech in der Schutzwirkung vor einem schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung nicht nachsteht.“ Dennoch seien in den vergangenen Wochen bis zu 20 Prozent der Termine für den Astrazeneca-Impfstoff nicht eingehalten worden. „Derzeit besteht grundsätzlich keine Auswahlmöglichkeit zwischen dem einen oder anderen Impfstoff“, so die Sprecherin. Es bestehe aber auch keine Impfpflicht. Sofern Personen ein Impfangebot ablehnen, fielen sie nicht aus dem System der zu Impfenden. Sie müssten jedoch einen neuen Termin vereinbaren und unter Umständen mit Wartezeiten rechnen. „Nach derzeitigem Stand besteht jedoch auch bei einem Folgetermin keine Wahlmöglichkeit des Impfstoffs.“

Wie bewerten Erzieher/innen die Impfsituation?

Beim „Verband KiTa-Fachkräfte Rheinland-Pfalz“ ist man indes zuallererst froh, dass Erzieher nun eine Impfgruppe höher eingestuft wurden. „Die Erleichterung meiner Berufsgruppe über das Impfangebot ist groß. Nur wenige Fachkräfte lehnen eine Impfung ab“, sagt Verbandsvorsitzende Claudia Theobald gegenüber Merkurist. „Wir gehen jeden Tag mit der Angst vor Ansteckung zur Arbeit und mit einem noch mulmigeren Gefühl zu unseren Angehörigen nach Hause.“ Welchen Impfstoff ihre Verbandsmitglieder bekämen, wisse sie letztlich nicht ganz genau, so Theobald. Nach ersten Rückmeldungen von Mitgliedern sei es aber Astrazeneca gewesen. „Da dieser Impfstoff ja bei Leuten unter 65 verimpft werden soll, ist anzunehmen, dass das der hauptsächliche Impfstoff für meine Berufsgruppe sein wird.“

Die meisten Erzieherinnen und Erzieher seien sich jedoch bewusst, dass die Impfung mit Astrazeneca oft mit Nebenwirkungen einhergeht. „Wir haben jedoch mehr Angst vor einer Corona-Infektion als vor den Nebenwirkungen der Astrazeneca-Impfung“, so Theobald. Es gebe zwar einzelne, die das anders sehen, die überwiegende Mehrheit wolle aber die Impfung - und das auch mit Astrazeneca. „Uns ist bewusst, dass wir priorisiert wurden, weil der Astrazeneca-Impfstoff für die Gruppe 1 nicht verwendet wird und dafür für uns zur Verfügung steht.“

Beim „Verband Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz“, dem Berufsverband für Pädagogen aller Schulen und Bildungseinrichtungen, liegen noch keine konkreten Daten vor, wie viele Mitglieder sich nun impfen lassen wollen. Dennoch sei die grundsätzliche Bereitschaft dazu sehr hoch, sagt der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold gegenüber Merkurist. Auch bezüglich des Impfstoffes herrsche große Akzeptanz. „Wer grundsätzlich zur Impfung bereit ist, lässt sich auch mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen. Wir vertrauen auf die Forschung und die in der EU zugelassenen Impfstoffe“, so Bold abschließend. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat am Donnerstag den Impfstoff von Astrazeneca nun auch für Menschen ab 65 Jahren empfohlen.

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