Mainzer Supermarkt lehnt Bewerber aufgrund seines Alters ab

Ein Mann bewirbt sich auf eine freie Stelle in einem Mainzer Supermarkt - und bekommt eine Absage. Soweit eher nichts Ungewöhnliches. Warum der Fall nun vor Gericht verhandelt wird.

Mainzer Supermarkt lehnt Bewerber aufgrund seines Alters ab

Eine fachbezogene Ausbildung und langjährige Berufserfahrung - das wünschen sich viele Unternehmen von Bewerbern, wenn sie offene Stellen besetzen. Haben die Bewerber jedoch ein bestimmtes Alter überschritten, kommen sie oft für eine Anstellung nicht mehr in Frage. Diese Erfahrung musste jetzt auch der inzwischen 63-jährige Mainzer Alfons machen, als er sich bei einem Supermarkt in Weisenau bewarb. Doch dass er aufgrund seines Alters für den Job nicht mehr in Frage kommt, übermittelte ihm das Unternehmen eher unfreiwillig.

Fehlgeleitete Mail

Im Oktober 2019 bewarb sich Alfons als „Mitarbeiter Wareneingang“ bei dem Unternehmen. „Ich habe eine technische Ausbildung und in den letzten 30 Jahren als Station- oder Lagerleiter gearbeitet“, erzählt er gegenüber Merkurist. Dass ihm diese jahrelange Berufserfahrung rein gar nichts einbrachte, musste er dann in einer fehlgeleiteten Mail des Supermarkts (liegt der Redaktion vor) an ihn sehen. Darin schreibt der Marktleiter an eine andere Person im Unternehmen mit Bezug auf die Bewerbung von Alfons, der damals noch 62 Jahre alt war: „bitte absagen, der Mann ist 62 Jahre alt“.

Für Alfons war diese Mail ein schwerer Schlag, von dem Supermarkt fühlte er sich deutlich diskriminiert. „Unsere Politik verlangt von uns, länger zu arbeiten, aber leider bekommt man von keinem Arbeitgeber die Möglichkeit dazu“, sagt der 63-Jährige. Einfach auf sich beruhen lassen wollte Alfons die Angelegenheit aber nicht. Deshalb wandte er sich an die Antidiskriminierungsstelle des Landes Rheinland-Pfalz (LADS). Dort wurde der 63-Jährige an einen Rechtsanwalt weitervermittelt.

Fall vor Gericht

Inzwischen landete der Fall vor Gericht. Dort machte der Supermarkt zuletzt unerwartet einen Schritt auf Alfons zu. „Nachdem Anklage erhoben wurde und das Gericht eine Schadensersatzleistung in Aussicht gestellt hat, stellte mir das Unternehmen seltsamer Weise eine Anstellung in Aussicht“, erzählt der 63-Jährige. Da er aber keinerlei Vertrauen mehr in das Unternehmen habe, werde er dieses Angebot nicht annehmen. „Hier vermute ich, dass man mir in der Probezeit kündigt und sich somit die Schadenersatzleistung sparen will.“

Wie das Verfahren letztlich endet und ob Alfons entschädigt wird, ist momentan noch nicht abzusehen. Denn „viele Prozesse enden nicht mit einem Urteil, sondern mit einem Vergleich, über den meistens Stillschweigen vereinbart wird“, erklärt die LADS. Werde einem Unternehmen eine Diskriminierung aufgrund des Alters nachgewiesen, entstehe aber ein Anspruch auf Entschädigung. Diese könne dann beispielsweise drei Monatsgehälter betragen, aber auch deutlich darunterliegen, so die LADS weiter.

Alfons ist indes weiterhin auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Zuletzt bekam der 63-Jährige aber auch hier nur Absagen, wenngleich diese nicht nachweislich aufgrund seines Alters erfolgten. (df)

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