Er tritt zur OB-Wahl an

Bezahlbaren Wohnraum schaffen, die Kaiserstraße zur Picknickmeile machen und Wiesbaden den Mittelfinger zeigen: Martin Ehrhardt tritt für die PARTEI zur Wahl des Oberbürgermeisters an.

Er tritt zur OB-Wahl an

Satire, Witz und Provokation: 2004 gründeten Redakteure des Satiremagazins Titanic die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“, kurz „die PARTEI“, die seitdem mit satirischen Forderungen und Aktionen für Aufsehen sorgt. 2014 wurde der Vorsitzende Martin Sonneborn ins Europaparlament gewählt, in diesem Jahr konnte die PARTEI ihr Ergebnis verdoppeln und mit Nico Semsrott einen weiteren Abgeordneten nach Brüssel schicken.

Auch bei Kommunalwahlen gewinnt die PARTEI zunehmend Stimmen. Bei den Mainzer Stadtratswahlen 2019 wurde Florian Siemund mit 2,2 Prozent der Stimmen in den Stadtrat gewählt. Nun tritt Martin Ehrhardt, Lehrer für Mathematik und Erdkunde, zu den Wahlen für das Amt des Mainzer Oberbürgermeisters an. Politikverdrossene mit Witz und Ironie wieder an die Wahlurne zu locken ist das erklärte Ziel des 29-Jährigen, der seit fünf Jahren PARTEI-Mitglied ist.

Grünmeile mit Mittelfinger

„Wie Sie sicher schon wissen, arbeiten wir stark daran, zu zeigen, dass eine inhaltsleere Partei grüner sein kann als die Grünen“, erklärt Ehrhardt und spielt damit auf den Plan an, die komplette Kaiserstraße zur begrünten Picknickmeile zu machen. „Wir werden sogar einen Schritt weiter gehen und auch die Personen erreichen, denen die Inhalte der Grünen ein Dorn im Auge sind. Rosenzüchter Adenauer wäre da ein Beispiel, auch ihn werden wir mit einem Beet auf der Picknickmeile beehren.“ Dabei hat er auch die Wünsche seines Parteikollegen und Stadtratsmitglieds Siemund im Kopf: „Für die Kaiserstraße wünscht er sich persönlich einen Bereich fürs Golfspiel und diesen Wunsch respektiere ich. Unsere Stadtplaner werden noch heute informiert.“

Am Ende der Grünmeile solle ein riesiger roter Mittelfinger in Richtung Wiesbaden zeigen, ergänzt mit einem Herzen, um die harte Geste abzumildern. Tatsächlich setzt Ehrhardt auf diplomatischen Austausch mit der hessischen Landeshauptstadt: „Ich persönlich würde mich über einen ‘Spiegel’ aus Wiesbaden freuen.“ Ehrhardt hat auch ein offenes Ohr für die Meinungen potenzieller Wähler: „Es gab bereits einen Einwand: Man müsse auf den Winkel achten, damit man nicht versehentlich AKK mit der versöhnlich-ambivalenten Mittelfinger-Geste bedenkt.“

Nicht nur Satire

Die Wiedereingemeindung, oder „Befreiung“ der ehemaligen Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kastel und Kostheim ist außer der Einführung eines „reißfesten gelben Sacks aus Wellblech oder Beton“ fester Punkt der Partei-Agenda für das Jahr 2019. Außer satirischen Programmpunkten möchte Ehrhardt Themen wie bezahlbaren Wohnraum in der Stadt ansprechen. Ein Problem, mit dem er sich bereits in seiner Masterarbeit über die „Gentrifizierungseffekte“ am Beispiel des Zollhafens auseinandersetzte.

Um seine Pläne verwirklichen zu können zu können, sei eine „Sanierung der Lokalpolitik“ notwendig: „Herr Siemund, unser einziges Mitglied im Stadtrat wird sich für die Verlängerung der Amtszeit des Oberbürgermeisters auf 15 Jahre einsetzen. Das wäre dann nicht mehr nur 3 Jahre länger als die Amtszeit des nordkoreanischen Machthabers, sondern dreimal so viel“, findet Ehrhardt. „Das ist nett gemeint und geht in die richtige Richtung, für nachhaltige Stadtentwicklung wären aber eigentlich 50 oder wenigstens 49 Jahre unabdingbar.“ (df)

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