Warum die Mainzer Mundart so viel mehr als Fastnacht ist

Es gehört zu Mainz wie Gutenberg und der Dom: das Meenzer Gebabbel. Es wird bis über die Grenzen von Rheinland-Pfalz gesprochen und beflügelt Schriftsteller und Fastnachter gleichermaßen. Doch was macht den Dialekt typisch mainzerisch?

Warum die Mainzer Mundart so viel mehr als Fastnacht ist

Von Carl Zuckmayer über Anna Seghers bis hin zu Seppel Glückert: Sie alle haben Werke in Mainzer Mundart verfasst. Der Dialekt ist beliebt. Das zeigt nicht zuletzt der seit Jahren anhaltende Erfolg von „Mainz bleibt Mainz wie's singt und lacht“. Durch die Ausstrahlung der Fastnachtssitzung wurde der Dialekt bundesweit bekannt - und weil er so leicht zu verstehen ist, auch recht schnell beliebt.

„Das ist ein Multi-Kulti-Mix von allen, die hier mal durchmarschiert sind.“ - Andreas Schmitt, Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“

Doch der Mainzer Dialekt ist viel mehr als Fastnacht. Geschichtlich und geografisch zählt er zum Rheinfränkischen. Zu dieser von Kassel bis Straßburg gesprochenen Dialektgruppe gehören außerdem das Hessische, das Pfälzische sowie Teile des Saarländischen und sogar des Lothringischen. Es wird vermutet, dass nach dem Untergang des Römischen Reiches - und dem Durchzug der Germanen - die Franken die ersten waren, die diese Mundart sprachen. Heute spricht man sie im Dreieck zwischen Bingen, Alzey und Worms. Und sogar im gegenüber liegenden Rheingau trifft man auf den Dialekt. Daher auch der Name „rheinhessisch“. Aus historischer Sicht ist das nicht verwunderlich, schließlich gehörten die Gebiete rechts des Rheins im Mittelalter zum Kurfürstentum - und somit zur Erzdiözese Mainz.

Wie alle Mundarten wurde das Meenzerische im Laufe der Jahrhunderte vielfältig beeinflusst. Oder wie Andreas Schmitt, der Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“, einmal sagte: „Das ist ein Multi-Kulti-Mix von allen, die hier mal durchmarschiert sind.“ Vieles davon ist geblieben: Bis heute finden sich lateinische und französische Begriffe in unserem Sprachgebrauch, genau wie Begriffe aus dem jiddischen und rotwelschen.

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„Die Mainzer haben viele Wörter ihrer ausländischen Besatzer schlicht und einfach nicht verstanden“, erklärt die Bretzenheimer Mundart-Buchautorin Heide-Marie Vonderheit, die auch Vorträge und Lesungen uff meenzerisch hält. „Viele Worte der Mainzer Mundart sind nicht mit einem Wort, sondern nur sinngemäß übersetzbar.“ Und so sei eben aus dem marokkanischen Garnisonsnamen „Oudjidda sidi bel abbes“ beispielsweise der Begriff „Utschebebbes“ entstanden. Ein anderes Beispiel ist der Kinderreim „Le Böff, de Ochs; la wasch, die Kuh; ferme la port, die Dier mach zu!“ Hier wurden die französischen Begriffe direkt übersetzt. Die in diesem Reim steckende - und für das Meenzerische typische - Verballhornung der Franzosen zeigt sich beispielsweise auch im Ausspruch „Mumbacher plattfies un Pariser schicklcher“.

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"Vun de Lung uff die Zung, so babbele mer in Meenz"

„Bei uns gibt es auch die so genannten vulgären Ausdrücke“, erklärt Vonderheit weiter. Die würden bei uns aber gar nicht als solche wahrgenommen. „Man kann unseren Dialekt eher als deftig, aber herzlich beschreiben.“ Oder um es anders zu sagen: „vun de Lung uff die Zung, so babbele mer in Meenz.“

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Wer noch mehr über die Sprache unserer Region wissen möchte, für den gibt es noch einen Buchtipp: Der Kabarettist, Fastnachter und Mainzer mit Herzblut, Herbert Bonewitz, hat unserem Dialekt im Jahr 2011 ein ganzes Buch gewidmet : „Seehnse, des is Määnzerisch“, heißt das Nachschlagewerk, in dem Dialektausdrücke, Redensarten und Sprüche ins allgemein geltende Hochdeutsch übersetzt werden.

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