Warum am Winterhafen eine Bundesdienstflagge weht

Seit einigen Monaten steht neben dem Bootshaus am Winterhafen eine Bundesdienstflagge. Diese ist eigentlich nur den deutschen Bundesbehörden vorbehalten - was aber macht sie am Winterhafen?

Warum am Winterhafen eine Bundesdienstflagge weht

Spätestens seit der Fußball-WM 2006 sind schwarz-rot-goldene Fahnen in Deutschland kein seltener Anblick mehr - auch in Mainz hängen sie aus Fenstern, von Balkons oder in Schrebergärten. Anders sieht es mit der sogenannten Bundesdienstflagge aus: Die Deutschlandflagge mit dem Bundesadler ist eigentlich allein den deutschen Bundesbehörden vorbehalten. Merkurist-Leserin Kathinka war deshalb verwundert, als sie eine solche Flagge am Winterhafen neben dem Bootshaus entdeckte.

„Die Flagge hängt dort mindestens seit Weihnachten“, schreibt sie in ihrem Snip. Eine Bundesbehörde ist allerdings weit und breit nicht in der Nähe - nur das Restaurant „Bootshaus“ von Star-Koch Frank Buchholz und der Mainzer Ruderverein. Dass es sich auch wirklich um eine Bundesdienstflagge handelt, bestätigt Birgitt Paschke, Pressesprecherin des Bundesverwaltungsamtes, das normalerweise eingeschaltet wird, wenn eine unsachgemäße Nutzung der Flagge vorliegt. „Ihren Hinweis habe ich geprüft und festgestellt, dass es sich bei der Flagge am Winterhafen um eine nach § 124 OWiG geschützte Bundesdienstflagge handelt.“ Sollte eine Privatperson die Fahne aufgestellt haben, könnte das teuer werden:

Flagge steht seit Anfang Oktober

Marcus Höting, Jugendtrainer im Ruderverein, weiß, seit wann die Flagge am Winterhafen weht: „Sie steht da sogar schon deutlich länger als seit Weihnachten - sie wurde Anfang Oktober aufgestellt“, so Höting. Grund dafür sei der Tag der Deutschen Einheit gewesen. „Am Vortag war eine hochrangige Delegation im Bootshaus von Frank Buchholz essen“, so Höting. Deshalb hätten die Ruderer am zweiten Oktober ab 12 Uhr Mittags nicht mehr auf das Gelände gehen können. Auch in den Wochen zuvor habe es drinnen und draußen Sicherheitskontrollen gegeben. Doch um welche Delegation handelte es sich dabei?

Wie Merkurist von der Pressestelle der Staatskanzlei erfährt, war der rheinland-pfälzische Landtag für die Organisation des Abendessens verantwortlich. Landtagspräsident Hendrik Hering (SPD) hatte seine 16 Amtskollegen, die Direktoren der Landtage und den damaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) eingeladen. Marco Sussmann, Pressesprecher des Landtages, bestätigt: „Zu diesem Anlass wurden mehrere Flaggen gehisst.“ Allerdings: „Wir haben lediglich eine Deutschland-Fahne ohne Wappen und eine Rheinland-Pfalz-Fahne aufgestellt“, so Sussmann. Diese seien nach den Feiern entfernt worden.

Warum steht die Bundesdienstflagge immer noch da?

Die Bundesdienstflagge müsse, so Sussmann, vom Restaurant „Bootshaus“ gehisst worden sein. „Auch der Fahnenmast gehört zum Restaurant.“ Das wäre eigentlich kein Problem: Denn wie Birgitt Paschke vom Bundesverwaltungsamt sagt, sei das öffentliche Hissen der Flagge im Rahmen von sportlichen Großereignissen und nationalen Feiertagen erlaubt „und stellt keine Ordnungswidrigkeit dar“.

Doch warum steht die Fahne immer noch? Landtagssprecher Sussmann kann sich das nicht erklären und „Bootshaus“-Chef Frank Buchholz befindet sich derzeit in den Betriebsferien. Eine Merkurist-Anfrage blieb bisher unbeantwortet. Möglich wäre, dass es eine Sondererlaubnis gibt - oder schlicht vergessen wurde, die Fahne wieder wegzuräumen.

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