Diskussion um WM-Armbinde: Mainzer Café setzt Zeichen

Für Vielfalt, Akzeptanz und gegen Diskriminierung wollen die Mitarbeiter eines Mainzer Cafés am Mittwoch ein Zeichen setzen. Damit wollen sie es anders machen, als die Stars der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Katar.

Diskussion um WM-Armbinde: Mainzer Café setzt Zeichen

Am Montag sorgte die sogenannte „One Love“-Armbinde europaweit für Diskussionen. Eigentlich wollten die Kapitäne mehrerer europäischer Nationen die Binde während der WM-Spiele in Katar tragen, um gegen Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland zu protestieren, darunter auch DFB-Kapitän Manuel Neuer. Die Armbinde soll dabei für Toleranz und gegen Diskriminierung stehen. Doch dann eskalierte ein Streit mit dem Fußball-Weltverband FIFA, die Binde wurde verboten, Deutschland und andere Fußballverbände erklärten zähneknirschend, sie nicht zu tragen.

Im Mainzer Café B20 will man am Tag des ersten Deutschlandspiels bei der WM am Mittwoch dagegen ein deutliches Zeichen setzen. Wie Jens Helldörfer gegenüber Merkurist erklärt, werden heute alle Mitarbeiter eine „One Love“-Binde tragen. „Wir haben uns vor rund einem Monat dazu entschlossen, keine WM-Spiele bei uns zu zeigen“, sagt Helldörfer. Vor vier Jahren hatte man das im Café B20 noch anders gehandhabt: Damals zeigte man die WM-Spiele noch auf einem Beamer, änderte sogar die Öffnungszeiten passend zu den Spielen.

Umdenken bei WM-Übertragung

„Aufgrund der schwierigen Menschenrechtslage in Katar und den Diskussionen rund um die WM-Vergabe haben wir uns diesmal gegen eine Übertragung entschieden, so wie auch viele Städte entschieden haben, auf ein Public Viewing zu verzichten“, sagt Helldörfer nun zum Umdenken. Jetzt wolle man ein Zeichen setzen, nachdem der DFB und andere europäische Verbände „eingeknickt“ seien. Ein wichtiges Argument für die Aktion sei vor allem, dass Mitarbeiter aus unterschiedlichen Nationen im Café arbeiten würden, auch Homosexuelle. Als Team wolle man nun nun deutlich zeigen, dass Werte wie Toleranz und Respekt im Betrieb eine wichtige Rolle spielen. „Natürlich ist es immer schwierig, als Firma Positionen zu vertreten, aber das sind Grundsätze, für die gerade Deutschland aufgrund der Geschichte stehen müsste“, so Helldörfer.

Bereits nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar hatte man sich beim Café B20 dazu entschieden, die Außenbeleuchtung in den ukrainischen Landesfarben blau und gelb leuchten zu lassen. „Das haben wir nicht großartig kommuniziert, sondern als stillen Protest stehen lassen.“ Nun erhoffe man sich im B20 vor allem Akzeptanz der Kunden für die „One Love“-Aktion. „Sport sollte doch eigentlich verbinden, das wollen wir nun vorleben. Ich bin sicher, dass viele unserer Kunden die angesprochenen Werte teilen. Wir sind stolz und glücklich darüber, dass unsere Kundschaft vielfältig ist, da ist von 16 bis 80 Jahren aus vielen unterschiedlichen Teilen der Gesellschaft jemand dabei.“

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